Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Gespräche über Frieden in Nahost haben begonnen

Unterhändler verzichten auf feierlichen Auftakt

Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas begrüßte die Häftlinge in Ramallah (AFP / Abbas Momani)
Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas begrüßte die Häftlinge in Ramallah (AFP / Abbas Momani)

Vertreter Israels und der Palästinenser sind am Abend zur zweiten Runde ihrer neu gestarteten Friedensverhandlungen zusammengekommen. Zuvor hatte Israel 26 palästinensische Häftlinge freigelassen. Allerdings gab es auch neue Gewalt

Um Kompromisse für eine endgültige Friedenslösung zu erarbeiten, sind die Unterhändler beider Seiten im geschichtsträchtigen King David Hotel von Jerusalem mit dem US-Vermittler Martin Indyk verabredet. Um den Zeit- und Erfolgsdruck zu reduzieren, sickerten Zeiten, Orte und Tagesordnung nur spärlich nach außen; auf feierliche Auftaktfotos wurde ganz verzichtet, um die Erwartungen zu dämpfen.

Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu verhängte eine Nachrichtensperre über Einzelheiten der von den USA vermittelten Zusammenkunft. Die israelische Verhandlungsführerin Zipi Livni und der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat wollten sich bei dem Gespräch hinter verschlossenen Türen nach Medienberichten zunächst auf eine Tagesordnung und die Reihenfolge der Verhandlungspunkte einigen. Die erste Runde der Friedensgespräche hatte am 31. Juli in Washington stattgefunden.

Im Laufe des Tages hatte es erneut Gewalt gegeben. In einer Mitteilung der israelischen Armee hieß es, dass verdeckte Abschussrampen im Norden des Palästinensergebiets beschossen worden seien. Man habe auf einen Raketenangriff militanter Palästinenser auf die Grenzstadt Sderot reagiert, erklärte Armeesprecher Peter Lerner: "Dies ist eine absurde Situation, die man nirgendwo anders auf der Welt hinnehmen würde." Es gab keine Berichte über mögliche Opfer.

Übergabe von Leichen militanter Palästinenser

Israel will den Palästinensern laut einem Medienbericht die Leichen Dutzender militanter Palästinenser übergeben. Die Nachrichtenseite ynet berichtete am Mittwoch, die Geste solle im Rahmen der neuen direkten Friedensgespräche zwischen beiden Seiten erfolgen. Es handele sich um die Leichen von Palästinensern, die an Terroranschlägen auf Israelis beteiligt gewesen und in Israel begraben seien, hieß es. Der palästinensische Minister für zivile Angelegenheiten, Hussein al-Scheich, habe die Vereinbarung bestätigt. Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu sagte, man prüfe den Bericht.

Freigelassene Häftlinge mit Jubel begrüßt

In der Nacht hatte Israel als Geste des guten Willens 26 palästinensische Langzeithäftlinge freigelassen, die alle wegen Mordes oder Beihilfe zum Mord verurteilt worden waren. Vor ihrer endgültigen Freilassung mussten die Häftlinge eine Erklärung unterzeichnen, dass sie wieder ins Gefängnis und ihre volle Strafe absitzen müssen, falls sie sich wieder an Terroraktivitäten beteiligen.

Auf dem Gelände des Amtssitzes von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas in Ramallah versammelten sich Hunderte Angehörige der Gefangenen, um die Männer jubelnd in Empfang zu nehmen. Abbas begrüßte die elf Palästinenser, die ins Westjordanland zurückkehrten, mit Küssen auf die Wangen. Die übrigen 15 Gefangenen wurden im Gazastreifen mit Schüssen in die Luft und Feuerwerk empfangen.

"Wir begrüßen unsere Brüder, die die Dunkelheit der Gefängnisse in Richtung des Lichts der Freiheit verlassen haben", sagte Abbas. Zugleich äußerte er seine Hoffnung auf die baldige Freilassung weiterer Häftlinge, wie regionale Medien berichteten. "Wir werden nicht ruhen, bis alle bei uns sind." Abbas hatte die schrittweise Freilassung von insgesamt 104 Langzeithäftlingen als Bedingung für neue Gespräche gefordert.

Empörung über neues Siedlungsprojekt

Ein weiteres israelisches Siedlungsprojekt sorgt unterdessen für Empörung bei Palästinensern. Die Jerusalemer Stadtverwaltung bestätigte die Baupläne im Gilo-Viertel auf 1967 erobertem Gebiet. Dies sei allerdings kein neuer Plan, betonte eine Sprecherin. Das Projekt durchlaufe seit zwei Jahren verschiedene Genehmigungsstadien. Erst am Sonntag hatte Israels Bauministerium verkündet, man werde fast 1200 neue Siedlerwohnungen im Westjordanland und in Ost-Jerusalem bauen.

Der palästinensische Unterhändler Mohammed Schtajeh wertete die Bauankündigung als klaren Beweis, dass Israel es mit den Friedensgesprächen nicht ernst meine. Die israelische Zeitung "Haaretz" sprach in ihrem Leitartikel von einem gezielten Angriff auf die nach fast dreijähriger Eiszeit gerade wieder begonnenen Friedensgespräche. Ziel sei es offenbar, die weiteren Verhandlungen zu torpedieren, "nachdem alle anderen Bremsversuche gescheitert sind", schrieb das Blatt.



Mehr zum Thema:

"Ein nahöstliches Friedenstheater"
Nahost-Experte der Grünen über den Friedensprozess in Israel
"Die Israelis wollen Frieden, Punkt"
Israelischer Botschafter in Deutschland bekräftigt Willen zur Lösung des Nahost-Konflikts
Nahost-Friedensgespräche ohne jede Euphorie
Zum Auftakt der Verhandlungen in Washington
Dialog nach drei Jahren Stille
Nahostexpertin über neue Gespräche zwischen Israel und Palästina

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:15 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr Musik-Panorama

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 21:30 Uhr Kriminalhörspiel

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Malawi zwischen Dürre und FlutHunger im Land der Wetterextreme

Menschen erhalten am 15.3.2016 an einem Verteilungspunkt des UN World Food Programme nordwestlich von Lilongwe, Malawi, Lebensmittelhilfe. (picture alliance / dpa / Unicef / Chipiliro Khonje)

Im April hat die Regierung in Malawi wegen der Hungerkrise den Notstand ausgerufen: Derzeit sind mehr als acht Millionen Menschen in dem afrikanischen Land von Lebensmittelhilfe abhängig. Diszipliniert stehen sie in der brennenden Sonne Schlange.

RaumfahrtWeltraumbahnhof, teilmöbliert, in ruhiger Lage zu vermieten

Spaceport America. Das klingt nach Raumfahrt, Rakten, Weltall. Die Raumfahrtsache im ganz großen Stil. Tatsächlicher aber warten und hoffen sie dort auf irgend wen, der den Spaceport nutzen will. Für den Flug ins All, als Partylocation oder auch als Filmkulisse. Hauptsache Geld kommt rein.

Kriminalität im PflegesystemGut gepflegt - oder gepflegt betrogen?

Krankenhaus (imago/Gerhard Leber)

Rund 14.000 ambulante Pflegedienste gibt es in Deutschland, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen zu alten oder kranken Menschen ins Haus und pflegen sie dort. Doch nicht immer wird geleistet, was bezahlt wird. Der Abrechnungsbetrug ist so lukrativ, dass sich schon die organisierte Kriminalität dafür interessiert. Eine Gesetzesänderung soll Abhilfe schaffen.

WirtschaftRussland spürt die Brexit-Folgen schon

Ein Skateboardfahrer fährt an der Anzeigetafel einer Wechselstube in Moskau vorbei. Im Hintergrund moderne Hochhäuser. (EPA/SERGEI ILNITSKY)

Angesichts der drohenden wirtschaftlichen Folgen hat Russlands Präsident Wladimir Putin zurückhaltend auf das britische Referendum reagiert. Doch russische Kommentatoren sind sich sicher, das britische Nein zur EU hat im Kreml für Hochstimmung gesorgt. Denn viele meinen: Erst zerfällt die EU, dann die NATO.

Niederländische Leseclubs in BerlinTanzen, trinken, diskutieren

Die niederländische Schriftstellerin Bregje Hofstede beim MAG-Festival am 24.6.2016 in Berlin (Deutschlandradio / Gesa Ufer)

Mit ihrer Kombination aus Party, Lesung und Gespräch sind die Lesefestivals des MAG-Verlags in den Niederlanden eine Legende. In der vergangenen Woche fand auch in Berlin ein solches Lesefestival statt.

Fußball-TaktikNationaltrainer denken vor allem defensiv

Joachim Löw (3. von rechts) spricht während des Trainings in Ascona mit den Spielern der deutschen Nationalmannschaft. (picture alliance / dpa / Christian Charisius)

Tore sind Mangelware. Diese Europameisterschaft ist bisher alles andere als ein Offensivspektakel. Taktikexperte Tobias Escher erklärt, warum das so ist und wieso die DFB-Elf eine Ausnahme darstellt.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Nach dem Brexit-Referendum  Merkel, Hollande und Renzi werben für bürgernahe EU | mehr

Kulturnachrichten

Irakischer Künstler Hiwa K erhält Arnold-Bode-Preis  | mehr

Wissensnachrichten

Psychologie  Update für die Glücksformel | mehr