Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Gewaltiges Spektakel für den Sport

Die Olympischen Sommerspiele in London haben begonnen

Von Stahlarbeitern geschmiedet schweben die olympischen Ringe im Stadion (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
Von Stahlarbeitern geschmiedet schweben die olympischen Ringe im Stadion (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)

James Bond, Joanne K. Rowling und die Queen - very british ging es bei der Eröffnung der 30. Olympischen Sommerspiele in London zu. Rund 62.000 Menschen vor Ort im Olympiastadion und geschätzte vier Milliarden an den Bildschirmen in aller Welt verfolgten die Feier.

Die Show im Olympiastadion, die der Oscar-gekrönte Regisseur Danny Boyle inszeniert hat, kostete rund 35 Millionen Euro. Unter dem Titel "Insel der Wunder" nahm er die Zuschauer mit auf eine Reise durch die britische Geschichte. Bei eingespielten Filmen war unter anderem James Bond-Darsteller Daniel Craig zu sehen, der seine Majestät per Hubschrauber im Buckingham Palace abholt und zum Fallschirmsprung ins Stadion nötigt. Nach dem Einzug der Nationen - Hockey-Spielerin Natascha Keller trug die deutsche Fahne - sprach die echte Queen um kurz nach Mitternacht unserer Zeit die Eröffnungsworte. Anschließend entzündeten sieben britische Nachwuchssportler gemeinsam das Olympische Feuer.

Keine Schweigeminute für Opfer von München

IOC-Ehrenmitglied Walther Tröger (picture alliance / dpa / IOC / Richard Juilliart)IOC-Ehrenmitglied Walther Tröger (picture alliance / dpa / IOC / Richard Juilliart)Trotz des Vorstoßes von US-Präsident Barack Obama gab es während der Eröffnungsfeier keine Schweigeminute für die Opfer des Olympischen Attentates 1972 bei den Sommerspielen in München. Damals waren elf Mitglieder der israelischen Mannschaft getötet worden. Im Deutschlandradio Kultur verteidigte der frühere NOK-Präsident Walther Tröger die Entscheidung von IOC-Präsident Jacques Rogge: "Dieses ist ein globales Event, da gehört so etwas eigentlich nicht hin." Nach 40 Jahren müsse man nicht unbedingt während der Eröffnungsfeier der Opfer gedenken, dazu gebe es ausreichend andere Möglichkeiten, erklärte Tröger. So habe etwa Rogge am Montag im Olympischen Dorf der getöteten Sportler gedacht.

Die britische Regierung verschärfte aus Furcht vor Terroranschlägen die Sicherheitsvorkehrungen. Das Königreich wird zu den Spielen den größten Einsatz zu Friedenszeiten von weit über 17.000 Polizisten, Soldaten und privaten Sicherheitskräften erleben, 140 Einsatzorte müssen geschützt werden. Insgesamt werden die Sicherheitsvorkehrungen wohl 1,3 Milliarden Euro kosten - fast das Zehnfache dessen, was bei den Olympischen Spielen in Sydney vor zwölf Jahren für Sicherheit ausgegeben wurde, berichtete Jochen Spengler im Deutschlandradio Kultur.

Fußballturniere haben begonnen

Offiziell begonnen haben bereits laut Zeitplan die Vorrunden für die beiden Fußballturniere, bei dem die Deutschen nicht vertreten sind. Die erste Entscheidung fällt am Samstag im Radsport beim Straßenrennen.

Deutschlands Asse wollen in den nächsten 17 Wettkampftagen ihre Peking-Bilanz möglichst toppen. In 23 Sportarten treten die deutschen Profis bei den Sommerspielen in London an. Einige von ihnen gelten als Aspiranten für Gold, etwa Tennisspielerin Angelique Kerber, die vor drei Wochen noch im Halbfinale des Grand-Slam-Turnieres stand. Sowohl alleine als auch im Doppel mit Sabine Lisicki peilt sie eine Medaille an.

Schwimm-Traumpaar Britta Steffen und Paul Biedermann bei den Olympischen Sommerspielen (picture alliance / dpa / Patrick B. Kraemer)Schwimm-Traumpaar Britta Steffen und Paul Biedermann bei den Olympischen Sommerspielen (picture alliance / dpa / Patrick B. Kraemer)Auch das Schwimmer-Traumpaar Britta Steffen und Paul Biedermann soll nach Möglichkeit Gold holen; sie mit der Damen-Staffel, er über 400 Meter Freistil. "Eine Medaille ist immer ein Traum von mir gewesen", sagte der 25-Jährige in London. Dafür müsste er sich aber noch deutlich steigern. In der Weltjahresbestenliste liegt Biedermann derzeit nur auf Platz 15. "Ich habe aber noch nicht alle Karten aufgedeckt", sagte er.

In Form sind die Olympioniken bereits. "Alle fit", lautet die Diagnose der Ärzte, Physiotherapeuten und Sportpsychologen: "Ein Hochleistungssportler ist wie ein Formel-1-Auto", erklärt der leitende Physiotherapeut Klaus Eder die Notwendigkeit der medizinischen Begleitung der 392 deutschen Athleten. "Es reicht nicht, alle 30.000 Kilometer beim TÜV vorzufahren. Wir müssen da jeden Tag die Muskeln lockern und Feinjustierung betreiben."

5000 Dopingtests

Dass aus der Feinjustierung bei dem ein oder anderen der olympischen Sportler kein Doping wird, dafür sollen 5000 Dopingtests sorgen. Allein bei den Leichtathleten sind bereits zwölf Starter gesperrt worden, darunter der Ungar Zoltan Kövago. Damit hat Diskuswurf-Weltmeister Robert Harting aus Berlin einen ernsthaften Rivalen weniger. Prominenteste Sünderin ist die ukrainische Läuferin Natalija Tobias, die bei den Spielen 2008 in Peking über 1.500 Meter Bronze gewann.

Harsche Kritik müssen sich die deutschen Reiter gefallen lassen. "Sollte es auch nur den geringsten Vorfall geben, also die geringste Beanstandung im Bereich des Dopings, dann sind die öffentlichen Zuschüsse zu Ende", warnt der ehemalige Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Peter Danckert, im ZDF. Vor vier Jahren stand der deutsche Reitsport in Peking wegen diverser Doping- und Medikationsfälle in der Kritik. Kontrollen wurden angekündigt, aber noch nicht eingeführt.

Mit dem Thema befasst sich auch die Presseschau des Deutschlandfunks vom 28.07.2012.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Alle Beiträge über die Olympischen Sommerspiele auf unserem Portal London 2012

Mein Olympiafavorit für London 2012 - Korrespondenten stellen außergewöhnliche Sportler vor (DKultur, Ortszeit)

Tröger lehnt Attentatsgedenken ab - Ex-Olympiakomitee-Präsident unterstützt die Haltung des IOC (DKultur)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 07:56 Uhr Sport

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 06:30 Uhr Hielscher oder Haase

Aus unseren drei Programmen

James-Bond-DarstellerRoger Moore ist tot

Roger Moore 1983 als James Bond in dem Film "Octopussy" (dpa / picture alliance / Goldschmidt)

Bekannt wurde Roger Moore als James-Bond-Darsteller. Nun ist er im Alter von 89 Jahren gestorben. In Erinnerung bleiben auch Fernsehserien wie "Maverick" und vor allem "The Saint", in der er als Superheld Simon Templar die Welt rettete.

Neue TheorieWiege des Menschen könnte in Europa liegen

Madelaine Böhme vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen hält am 22.05.2017 in Tübingen (Baden-Württemberg) bei der Präsentation zweier Funde des Hominiden Graecopithecus freybergi, einen der beiden Funde, einen Unterkiefer, in der Hand.  (picture alliance / dpa - Marijan Murat)

Schon vor mehr als 150 Jahren vermutete der britische Naturforscher Charles Darwin die Wiege der Menschheit in Afrika. Zwar gab es seitdem auch einige Frühmenschenfunde in Asien, jedoch kamen die wichtigen Fossilien früher Menschen überwiegend aus Afrika. 

PilzeBloß nicht kochen oder frittieren

Grillen, frittieren, kochen oder dampfgaren - es gibt zig Möglichkeiten, Pilze zuzubereiten. Dabei geht es nicht nur um den Geschmack. Die Art der Zubereitung hat auch Einfluss auf den Nährstoffgehalt.

Nahost-Konflikt"Was Trump anbietet, ist oberflächlich"

Moshe Zimmermann im Gespräch. (dpa / Martin Schutt)

Der israelische Historiker Moshe Zimmermann setzt wenig Hoffnungen in den Vorstoß des US-Präsidenten, im Nahost-Konflikt zu vermitteln. Donald Trump denke immer, Dinge seien einfach, und entdecke dann die Schwierigkeiten, sagte Zimmermann im DLF. Unerwartet sei allerdings Trumps Kompromissbereitschaft gegenüber den Palästinensern.

Debatte um die deutsche LeitkulturDas Grundgesetz ist kein Götze

Eine Ausgabe des Grundgesetzes, fotografiert am 04.11.2015 in Berlin. Foto: Jens Kalaene/dpa (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

"Es gilt das Grundgesetz!" - Mit diesem Verweis wollen Kritiker die manchmal etwas ermüdende Debatte um die Leitkulturthesen von Thomas de Maizière auf dem kurzen Dienstweg beenden. So einfach ist das aber nicht, meint unser Autor Boris Kalbheim.

PriesternachwuchsBeten bringt mehr Klicks als Sex

Die Berliner Journalistin Valerie Schönian und der Priester Franziskus von Boeselager stehen am 08.12.2016 in der St. Pantaleon Kirche in Münster-Roxel. (Bild: dpa / Guido Kirchner) (dpa / Guido Kirchner)

Eine junge Atheistin begleitet ein ganzes Jahr lang einen katholischen Pfarrer durch seinen Alltag und bloggt darüber. Jetzt ist das Projekt "Valerie und der Priester" zu Ende. Die Medienresonanz war groß, Pfarrer Franziskus hat viele neue Fans - und blieb doch in einer katholischen Sonderwelt.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Manchester  Höchste Terrorwarnstufe in Großbritannien | mehr

Kulturnachrichten

Durchsuchungen bei Regisseur Serebrennikow  | mehr

 

| mehr