Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Gewalttätige Neonazis verhaftet

Razzia in drei Bundesländern gegen rechtradikales "Aktionsbüro Mittelrhein"

Von Ludger Fittkau

Das "Aktionsbüro Mittelrhein" machte in mehreren Städten Jagd auf Antifaschisten. (picture alliance / dpa - Boris Roessler)
Das "Aktionsbüro Mittelrhein" machte in mehreren Städten Jagd auf Antifaschisten. (picture alliance / dpa - Boris Roessler)

Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat gegen 33 Rechtsradikale ein Ermittlungsverfahren wegen schwerer Körperverletzung und Bildung einer kriminellen Vereinigung eingeleitet. 24 Personen wurden festgenommen. Verbindungen zum "Nationalsozialistischen Untergrund" konnten bislang nicht nachgewiesen werden.

Der Koblenzer Staatsanwalt Hans-Peter Gandner beschrieb die Rechtsradikalen des sogenannten "Aktionsbüros Mittelrhein" als eine verfassungsfeindliche Gruppe, die ihre Ziele teilweise mit offener Gewalt verfolge. Von Januar bis Mai 2011 sei die Gruppe in Wuppertal, Dresden und Bad Neuenahr auf die Jagd nach Antifaschisten gegangen, bei Dresden seien beispielsweise am 19. Februar 2011 auf einem Parkplatz drei Busse angegriffen und beschädigt worden, weil in ihnen Nazigegner vermutet wurden. Mehrere Busfahrer erlitten ein Knalltrauma. In Dresden habe man auch eine Wohnung Linker angegriffen, in Bad Neuenahr einen Mann verprügelt, dem man unterstellt hatte, NPD-Plakate abzureißen.

Die Gruppe trifft sich unter anderem seit Jahren in einem sogenannten "braunen Haus" im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr. Die Rechtsradikalen spähen nach Aussagen der Ermittler politische Gegner aus, tragen Informationen zusammen und veröffentlichen sie. "Anti-Antifa-Arbeit" nennen sie das. Durch Outings linker Antifaschisten im Internet schaffe das neonazistische "Aktionsbüro Mittelrhein" ein Klima des Hasses so Staatsanwalt Walter Schwengler, ebenfalls Mitglied der Koblenzer Ermittlungsgruppe:

"Und man kann ermessen, dass dadurch bei den Ge-Outeten erhebliche Ängste vorhanden waren."

Im Vorfeld der Aktionen war auch vermutet worden, dass die Gruppe Verbindungen zur rechtsextremen Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" – kurz NSU - habe. So habe man am zurückliegenden Silvesterabend das zweijähriges Bestehen ihres Treffpunktes in Rheinland-Pfalz mit einer Party unter dem Motto gefeiert: "Zwei Jahre Braunes Haus Bad-Neunahr – Jetzt knallts richtig" gefeiert. Dabei seien in dem Motto die Buchstaben "NSU" farblich hervorgehoben worden.

Die Staatsanwaltschaft Koblenz erklärte heute aber, die Ermittlungen hätten bisher keine Verbindungen zum "Nationalsozialistischen Untergrund" ergeben.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:48 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Fazit

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Klangkunst

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Nach Dresdener RedeHöcke soll nicht mehr als Lehrer arbeiten dürfen

Der AfD-Politiker Björn Höcke. (imago / Steve Bauerschmidt)

Politiker von der SPD, CDU und Grünen fordern, dass Björn Höcke in Zukunft nicht mehr als Lehrer arbeiten darf. Grund ist seine Rede in Dresden am Dienstagabend. Der AfD-Politiker ist wegen seiner Abgeordnetentätigkeit im thüringischen Landesparlament zur Zeit von seinem Lehrberuf in Hessen beurlaubt.

MenstruationDer Kampf gegen ein uraltes Tabu

Blut auf weißer Fläche (picture alliance / dpa / Fritz Schumann)

Bis heute schweigen viele junge Frauen über ihre Periode. Laut einer Studie spricht nur eine von fünf Frauen mit ihrem Partner über ihre Menstruation. Unter dem Motto "period positivity" melden sich jedoch immer mehr Frauen zu Wort und sprechen offen über ihre Erfahrungen.

Reaktionen der US-KunstszeneKunst statt Trump

Museumsbesucher betrachten ein Bild der US-Künstlers Jackson Pollock, Titel: "Blue Poles" (1952) (picture alliance / dpa / EPA / Andy Rain)

Morgen wird Donald Trump als neuer Präsident der USA vereidigt. Das linksliberale Kunstpublikum bleibt den Feierlichkeiten demonstrativ fern. Museen bieten Sonderveranstaltungen und freien Eintritt. Ein Überblick.

"Yolocaust" von Shahak ShapiraSelfies am Holocaust-Mahnmal

Italienische Touristinnen machen am Holocaust-Denkmal in Berlin ein Selbstporträt mit einem "Selfie-Stick". (picture alliance / dpa/ Felix Zahn)

Darf man am Holocaust-Mahnmal in Berlin lustige Fotos schießen? Der Satiriker Shahak Shapira hat mit der Aktion "Yolocaust" darüber eine Debatte angestoßen. Der Zuspruch ist enorm - aber auch skeptische Stimmen werden laut. Wir haben uns umgesehen.

Antilopen Gang und Fehlfarben"Das hier ist Musik für Freaks"

Die Hip-Hop-Band Antilopen Gang aus Aachen und Düsseldorf. (picture alliance / JKP / Schermer / dpa)

Das neue Album der Antilopen Gang weist nicht nur mit dem Namen "Anarchie und Alltag" auf ein legendäres Album der Fehlfarben hin. Was die Hip-Hop-Gruppe und die Düsseldorfer Punkveteranen eint und warum auf die Fressen hauen manchmal besser ist als ständig zu reden.

Journalismus"The Young Turks" versus Donald Trump

"The Young Turks": Jayar Jackson, Praveen Singh, Gründer Cenk Uyger und Jesus Godoy im Washington (Imago)

Mit Donald Trump als Präsident wird sich für sie vieles verändern, befürchten nicht wenige Journalisten in den USA. Die Macher des Online-Nachrichten-Formats "The Young Turks", haben davor keine Angst. Ihr Gründer - ein US-Bürger mit türkischen Wurzeln- rät allen Medienmachern, sich vor dem neuen US-Präsidenten bloß nicht wegzuducken.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Anis Amri  Deutschland übermittelte laut Tunesien falschen Namen | mehr

Kulturnachrichten

Sängerin des Welthits "Lambada" ist tot  | mehr

Wissensnachrichten

Indonesien  Tierschützer prangern "Horror-Zoo" an | mehr