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Gläubiger beschließen entgültiges Aus für Schlecker

FDP bleibt bei Nein zur Transfergesellschaft

Die Drogeriemarktkette Schlecker wird zerschlagen (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
Die Drogeriemarktkette Schlecker wird zerschlagen (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)

Schlecker wird abgewickelt. Darauf hat sich der Gläubigerausschuss in Berlin geeinigt. Rund 13.000 Mitarbeiter stehen vor der Kündigung. Die Reaktionen auf das Aus reichen von Zustimmung bis hin zu blankem Entsetzen. Auch eine Transfergesellschaft wurde wieder angeregt.

Schlecker-Gläubiger Euler Hermes bezeichnet das Ende als alternativlos, die Gewerkschaft reagierte "mit Wut, Trauer, Entsetzen und Enttäuschung" und Politiker streiten darum, wer denn nun Schuld hat - das endgültige Aus der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker sorgt für heftige Reaktionen.

"Man kann nur retten, wenn auch ein Retter da ist", sagte ein Euler-Hermes-Sprecher in Stuttgart. Schlecker schuldet dem Unternehmen 300 Millionen Euro. Dem Sprecher zufolge reichten die Angebote möglicher Investoren nicht aus. Auch ein Teilverzicht auf Forderungen wäre kein Ausweg gewesen, da der Kette insgesamt die Perspektive fehle. Daher sei ein Ende mit Schrecken der bessere Weg als ein Schrecken ohne Ende.

Ganz anders sieht das die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. "Das ist eine absolute Hiobsbotschaft und eine menschliche und soziale Katastrophe für die fast 15.000 Schlecker-Frauen und ihre Familien", ließ die Schlecker-Gesamtbetriebsratsvorsitzende, Christel Hoffmann, erklären. Nun sieht Verdi die Politik in der Pflicht.

Erneuter Ruf nach Transfergesellschaft

Nach dem Aus für die Drogeriemarktkette verlangt der SPD-Arbeitsexperte Klaus Barthel einen neuen Anlauf für die Gründung einer Transfergesellschaft. Barthel sagte im Deutschlandfunk, dadurch würden die Mitarbeiter des Unternehmens nicht direkt in die Arbeitslosigkeit gestoßen. Der SPD-Politiker kritisierte das Verhalten von Union und FDP. Durch das Nein zu einer Transfergesellschaft sei es zu Kündigungsschutzklagen gekommen, die letztlich Investoren abgeschreckt hätten. Offenbar sei aber die Lobby für die meist weiblichen Schlecker-Angestellten nicht so stark wie bei einer Bank oder einem Pharmaunternehmen.

Die FDP bleibt allerdings bei ihrem Nein zu einer Transfergesellschaft für die vor der Kündigung stehenden Mitarbeiter. Eine Transfergesellschaft würde nicht weiterführen, sagte der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle, am Samstag am Rande eines Landesparteitags der Liberalen Mecklenburg-Vorpommerns in Wittenburg.

SPD gibt Liberalen Mitschuld

Inzwischen ist ein Streit um die Schuldfrage entbrannt: Der baden-württembergische SPD-Fraktionsvorsitzende Claus Schmiedel gibt der FDP die Schuld am Scheitern der Schlecker-Rettung. "Es wäre völlig unproblematisch und ohne Risiko für die öffentlichen Finanzen gewesen, auch bei Schlecker eine Transfergesellschaft zu bilden", erklärte Schmiedel. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Ver.di, Frank Bsirske, sagte, insbesondere die FDP habe Ende März eine Transfergesellschaft für die entlassenen Schlecker-Beschäftigten abgelehnt. Folge seien Kündigungsschutzklagen gewesen, die eine Investorensuche erschwert hätten. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler verteidigte seine Entscheidung und erklärte, es sei nicht Aufgabe des Staates, Unternehmen zu retten.

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle gab hingegen den Gewerkschaften eine Mitschuld. Die Pleite liege zuallererst an unternehmerischen Fehlentscheidungen, sagte er dem "Tagesspiegel": "Aber auch die Gewerkschaften haben mit ihren wiederholten Aufrufen zum Käuferstreik bei Schlecker dazu beigetragen, dass die Marktposition von Schlecker gegenüber den Mitbewerbern geschwächt wird."

Investoren unterbreiteten keine passenden Angebote

Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz (picture alliance / dpa / Hannibal)Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz (picture alliance / dpa / Hannibal)Am frühen Nachmittag hatte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz die Zerschlagung des Unternehmens verkündet: "Auch nachdem den Investoren am vergangenen Freitag eine Woche Zeit eingeräumt wurde, um ihre Angebote sowohl finanziell als auch konzeptionell anzupassen, liegt keine Offerte im akzeptablen Bereich vor", teilte Geiwitz nach der Sitzung des Gläubigerausschusses in Berlin mit.

Daher habe das Gläubigergremium - bestehend aus der Kreditversicherung Euler Hermes, dem Finanzdienstleister Markant Finanz AG, der Agentur für Arbeit Ulm sowie mit je einem Vertreter von Arbeitnehmer und Gewerkschaften - nun die Zerschlagung des Konzerns beschlossen. "Die Angebote waren nicht akzeptabel, weil sie deutlich unter einer Zerschlagung lagen", erklärte der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Er "bedauere diese Entscheidung im Hinblick auf die vielen, zum Teil langjährigen Schlecker-Mitarbeiter sehr, die jetzt ihren Arbeitsplatz verlieren".

Die betroffenen rund 13.000 Schlecker-Beschäftigten würden voraussichtlich bis Ende Juni ihre Kündigungen erhalten. Schlecker werde zeitnah einen Ausverkauf in seinen rund 2.800 deutschen Märkten starten. Gleichzeitig sollen die Gespräche zu einem Verkauf der Auslandstöchter fortgeführt und zu einem schnellen Abschluss gebracht werden. Auch den Verkauf der Vermögenswerte, etwa der Logistikstandorte und der Unternehmensimmobilien, will Geiwitz zügig abschließen.

IhrPlatz und Schlecker XL nicht betroffen

Für die Tochtergesellschaften IhrPlatz und Schlecker XL gilt die vereinbarte Zerschlagung nicht. Für beide gebe es "eine eigenständige Zukunft", erklärte Insolvenzverwalter Geiwitz. Bei Schlecker XL arbeiten derzeit rund 1100 Menschen, IhrPlatz hat etwa 3990 Beschäftigte.

Mehrere Investoren hatten ihr Interesse an Schlecker angemeldet. Zu den bereits bekannten Aspiranten zählte das als knallharter Sanierer bekannte US-Unternehmen Cerberus. In den USA hat Cerberus Chrysler aufgekauft, in Deutschland unter anderem das Warenhaus Woolworth und enorme Wohnungsbestände. Auch der Milliardär Nicolas Berggruen wollte Schlecker aus der Insolvenz führen - wie bereits zuvor Karstadt.

Die Übernahme galt wegen drohender Kündigungsschutzklagen in Höhe von 100 Millionen Euro als riskant, aber auch weil die Drogeriemarktkette zuletzt jährlich 25 Millionen Euro Verluste schrieb.

Die Zerschlagung von Schlecker ist auch Thema in unserer Presseschau.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

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