Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Googles Arbeit gegen Online-Piraterie

Konzern bearbeitet rund eine Million Löschanfragen im Monat

Kaufen oder doch lieber illegal herunterladen? (dpa  Maximilian Schönherr)
Kaufen oder doch lieber illegal herunterladen? (dpa Maximilian Schönherr)

Verprellte Urheber wollen, dass ihre illegal kopierte Inhalte aus dem Netz verschwinden. Das müssen sie vielleicht gar nicht. In vielen Fällen reicht es aus, dass die Nutzer sie nicht finden. Der Suchmaschinengigant Google hat sich in den Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen eingeschaltet.

Jede Woche flattern rund 250.000 Löschanfragen wegen Copyright-Verletzungen in die E-Mail-Fächer des Suchmaschinengiganten. Im April waren es 1,2 Millionen. So ist es im "Transparency Report" des Konzerns zu lesen. Schon länger gab der Bericht Auskunft über Zugriffszahlen auf Google-Dienste und darüber, wann Informationen aus dem Angebot entfernt wurden – meist aufgrund von Anträgen von Behörden oder Usern. Nun gibt es einen Sonderbericht zu Urheberrechtsverletzungen. Sie machen laut dem Konzern den Löwenanteil der Anfragen aus.

Die Beschwerdeführer: Software-, Musik- und Medienindustrie

Veröffentlicht wird nicht nur, um wieviele es sich handelt, sondern auch von wem sie kommen und welche Seiten sie betreffen. Die meisten Anfragen kamen demnach von einem US-Unternehmen für Online-Marktanalysen und betrafen ausschließlich Microsoft-Anwendungen. Auch der Verband der britischen Musikindustrie und der US-Medienkonzern NBCUniversal gehören zu den aktivsten Beschwerdeführern. Die unerwünschten Inhalte fanden sich auf einer illustren Gesellschaft von Online-Tauschbörsen – im vergangenen Monat rund 24.000 an der Zahl.

Die Daten zeigen: Die Konzerne nehmen das Urheberrecht inzwischen in die eigene Hand und suchen gezielt nach Verstößen. Die werden laut Google auch zuverlässig und schnell bearbeitet: 97 Prozent der beanstandeten Suchergebnisse werden nach einer Prüfung aus den Listen gelöscht – im Schnitt innerhalb von elf Stunden. Dann müssen Nutzer zumindest den Umweg über andere Suchmaschinen nehmen oder sich direkt bei den Plattformen auf die Suche begeben.

Sinneswandel bei Google?

Der Hinweis auf seinen unermüdlichen Kampf gegen Online-Piraten könnte auch Googles Versuch sein, Kritikern entgegenzutreten, die behaupten, der Konzern verdiene mit an Urheberrechtsverletzungen. Im Firmenblog heißt es: "Online-Piraterie zu bekämpfen ist sehr wichtig und wir wollen nicht, dass unsere Suchergebnisse zu Dokumenten führen, die Urheberrechtsgesetze verletzen."

Noch im Januar hatte das Unternehmen sich dem Protest gegen die zwei Gesetzentwürfe Stop Online Piracy Act (SOPA) und Protect IP Act (PIPA) angeschlossen. Mit den Worten "Zensiere nicht das Netz" hatte Google dazu aufgerufen, Petitionen an den US-Kongress zu senden. Die Gesetzentwürfe sehen unter anderem vor, dass Suchmaschinen überhaupt Links zu Tauschbörsen listen, die durch Copyright geschützte Materialen zum Herunterladen anbieten.

SOPA und PIPA scheiterten schließlich am massiven Widerstand in der Öffentlichkeit – inzwischen ist aber schon eine neue Gesetzesvorlage zum Umgang mit Online-Kriminalität im Gespräch. Im US-Repräsentantenhaus erhielt der Cyber Intelligence Sharing und Protection Act (CISPA) große Zustimmung – der Senat muss aber noch votieren. Google blieb bisher allerdings auffallend schweigsam.



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 16:35 Uhr Forschung aktuell

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Soziale AngststörungenTherapien besser als Medikamente

Eine Frau sitzt vor einem Laptop und schlägt angesichts von Hassbotschaften per Facebook die Hände vors Gesicht. (imago / Reporters)

Für Menschen mit einer sogenannten sozialen Phobie sind Situationen wie das Vortragen von Referaten extrem belastend. Sie kann erhebliche Folgen, wie etwa einen Schul- oder Studienabbruch, nach sich ziehen. Der Psychotherapieforscher Falk Leichsenring rät von einer medikamentösen Behandlung ab.

Neues vom E-ELTStartschuss für das Riesenauge

Eine Animation des European Extremely Large Telescope (E-ELT) (ESO/L. Calçada)

Das geplante Großteleskop der Europäischen Südsternwarte ESO nimmt zunehmend Gestalt an. So wurde vor einigen Wochen in Mainz der Rohling für den Sekundärspiegel mit einem Durchmesser von 4,20 Metern gegossen.

Neuer Trend: Der Öko-ThrillerDie Ökofrage ist im Mainstream angekommen

Angestellte der staatlichen Ölfirma Petroecuador versuchen ein ölverseuchtes Gebiet des Amazonas zu reinigen. (AFP / RODRIGO BUENDIA)

In aktuellen Thrillern zeichnet sich ein Trend ab: Öko-Themen spielen eine immer größere Rolle - immer häufiger geht es um Öko-Verbrecher oder um Mord an Öko-Helden. Eine kleine Genre-Analyse des Krimi-Experten Ulrich Noller - Empfehlungsliste inklusive.

Gamescom"Computerspiele auf allen Ebenen fördern"

Ein Bild aus dem Computerspiel "The Secret of Monkey Island". (picture alliance/ dpa / Lucas Arts)

Wer es ernst meint mit dem "Kulturgut" Computerspiel, dürfe nicht nur die Interessen der Spieleindustrie im Auge haben, meint der Kulturwissenschaftler Christoph Bareither. Sondern Forschung und seriöser Computerspieljournalismus müssten gefördert werden.

Kinder psychisch kranker Eltern Zu viel Verantwortung und große Einsamkeit

Mädchen sitzt in der Schule auf dem Boden (picture alliance / ZB/Britta Pedersen)

Rund 3,8 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland wachsen mit sucht- oder psychisch kranken Eltern auf. Oft müssen sie zu früh Verantwortung übernehmen und werden an ihrer freien Entwicklung gehindert. Beratungsstellen bieten Hilfe an - nützen aber vor allem unter einer Voraussetzung.

Zweite Chance für EuropaMehr Demokratie, mehr Rechtsstaat, mehr Gewaltenteilung

Zuschauer mit Europa-Flaggen stehen am 15. Mai 2017 in Berlin vor dem Bundeskanzleramt beim Antrittsbesuch des französischen Präsidenten Macron (picture alliance / Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/ZB)

Die ausgestreckte Hand des europafreundlichen, französischen Präsidenten ergreifen: Das fordert der ehemalige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Nach der Bundestagswahl im September gehe es darum, mit dem Nachbarn im Westen, das Projekt Europa aus der Krise zu führen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Afghanistan-Strategie  Gabriel fordert enge Abstimmung mit Europa | mehr

Kulturnachrichten

PEN ruft zu Spenden für Akhanli auf  | mehr

 

| mehr