Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Gourmetessen in der Schule

Sternekoch Johann Lafer eröffnet Schulmensa in Bad Kreuznach

Von Ludger Fittkau

In der Modellmensa sollen künftig 300 Schüler zu Mittag essen können. (picture alliance / dpa -  Fredrik von Erichsen)
In der Modellmensa sollen künftig 300 Schüler zu Mittag essen können. (picture alliance / dpa - Fredrik von Erichsen)

In einem staatlichen Gymnasium im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach will Sternekoch Johann Lafer das Mittagessen zum Höhepunkt des Tages machen. Die Modellmensa soll ein Erfolg werden, darum will sich der Sternekoch persönlich kümmern.

"Mit steigender Zahl der Ganztagsschulen auch in unserem Landkreis nimmt die Aufenthaltsdauer der Kinder und Jugendlichen in der Schule deutlich zu. Damit steigen der Einfluss und die Verantwortung der Schulen im Hinblick auf eine gesundheitsfördernde Ernährungsweise."

Franz-Josef Diel, der Landrat des Kreises Bad-Kreuznach eröffnete heute Mittag die Schulmensa im staatlichen Gymnasium in Bad Kreuznach an der Nahe. Doch die Kameras waren zuvor alle auf den Sternekoch Johann Lafer gerichtet, der gleich mit zwei rheinland-pfälzischen Landesministerinnen am Tisch der Ehrengäste Platz genommen hatte. Im weißen Kochkittel und ein wenig nervös. Denn mit "seiner" Schulmensa will er nun zeigen, dass Schulessen hierzulande nicht nur lästige Pflichtübung zwischen zwei Schulstunden, sondern ein Höhepunkt des Tages an der Ganztagsschule sein kann:

"Es ist auch mein Ziel ganz ehrlich, dass endlich nach so vielem Geschwätz und nach so vielen Unterlagen und Richtlinien, die man in Deutschland hat, es endlich mal vorbei ist, immer nur Richtlinien herauszugeben, sondern an den Taten sollst du sie erkennen. Und das ist glaube ich wirklich das erste Mal konsequent von der Grundmauer bis zur Decke bis zur Einrichtung gesagt hat: Wir machen eine Modellmensa. Und die glaube ich hier heute in Bad Kreuznach bei der Eröffnung."

Und sie ist auch gelungen! Das finden vor allem die Schülerinnen und Schüler, die in einem sogenannten "Mensabeirat" schon in der Planungsphase der Modellmensa einbezogen wurden. Vor allem die helle, einladende Atmosphäre des Mensasaales überzeugt Theresa Reutershahn aus Klasse 12 und die Mitglieder des Mensabeirates:

"Groß, überwältigend, modern – sehr gut!

Sehr gelungen, es ist passend zu den drei Gerichten, die hier immer vorgestellt werden, also Tagesgericht, Aktionsgericht und vegetarisch – von daher sehr passend."

Nina Kujawski aus der Klasse 13 meint farbige Regale am Rande der Tischreihen, die nach Vorschlägen der Schüler gestaltet wurden. Dort können sie während des Essens Schultaschen und Mäntel ablegen. Wie Nina Kujawski gehörte Michael Scharnow aus der neunten Klasse zu denjenigen, die in Lafers Sterne-Restaurant die Speisen für die neue Mensa testeten:

"Wir haben uns getroffen bei Herrn Lafer im Kochstudio in Guldental, haben Gerichte probiert, haben die bewertet, haben unsere Kritiken dazu abgegeben.

Wir konnten uns die Gerichte aussuchen, haben auch welche gekocht und die Schule generell hat Vorschläge gemacht, wie die Mensa gestaltet werden soll."

Dabei zeigte sich aber auch, dass vor allem die jüngeren Schüler mit dem frischen Gemüse aus der Region, das Sternekoch Lafer in der Schulmensa anbieten will, bei der von ihnen geforderten Punktewertung noch nicht so viel anfangen konnten:

"Es waren ja auch viele aus der Unterstufe dabei und die kennen dann so einiges Gemüse auch gar nicht. Und daher konnten sie auch sie auch noch nicht mit einer hohen Punktzahl bewerten. Von daher haben sie das genommen, was sie kannten, das waren dann Cheeseburger oder Pommes oder Currywurst."

Aber auch die Oberstufenschülerinnen Nina Kujawski und Theresia Reutershahn geben zu, dass sie sich bisher wie die meisten anderen Schüler des Bad Kreuznacher Gymnasiums nicht gerade gesund ernährt haben, weil es schlicht keine Schulmensa gab:

"Ja, ehrlich gesagt habe ich mir entweder ganz viele Brote mitgenommen oder ich war eben beim Burger King oder anderen Fast-Food-Ketten, weil es einfach nichts anderes gab.

Es war auf keinen Fall gesund und durch das Sitzen den ganzen Tag in der Schule war das eine schlechte Mischung und deshalb denke ich, ist das jetzt ein guter Ausgleich."

Sternekoch Johann Lafer wird sich auf jeden Fall in den nächsten Monaten höchstpersönlich darum kümmern, dass seine Schulmensa ein Erfolg wird:

"Das ist ja zu 100 Prozent mein Unternehmen, ich bin Geschäftsführer ganz alleine, ich habe da sehr viel Geld investiert. Und ich habe nicht vor, a) damit in negative Schlagzeilen zu kommen und ich habe auch nicht vor, das zu machen, weil ich eine Öffentlichkeitsarbeit mache, nein. Ganz im Gegenteil, ich glaube ich habe genug Öffentlichkeit. Es ist mir eine Herzensangelegenheit. Und ich möchte dieses Thema jetzt einfach versuchen. Wenn wir nach anderthalb Jahren feststellen es geht nicht, dann werden wir auch damit fertig werden. Aber erstmal ist es eine Sache, die ich jetzt konsequent umsetzen werde."

Und wenn das gelingt, setzt das auch für viele andere Schulen Maßstäbe, glaubt auch Mensabeiratsmitglied Nina Kujawski:

"Es ist eigentlich schade für die anderen Schulen, dass sie es noch nicht haben, aber uns freut es natürlich, ja!"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:01 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Radionacht Information

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Sondierungsgespräche"Kompromisse sind für eine Demokratie notwendig"

Der Parteienforscher Uwe Jun vor einem Bücherregal in seinem Büro (dpa /Birgit Reichert)

Der Politikwissenschaftler Uwe Jun hat mit Blick auf die Jamaika-Sondierungen an die Kompromissbereitschaft der Parteien appelliert. CDU, CSU, FDP und Grüne sollten alles versuchen, um sich zu verständigen, sagte Jun im Dlf. Dabei dürfe "nichts nicht verhandelbar" sein.

Sammelleidenschaft Der Hand-Hunter

Marold Simon sammelt Hände. Aus Gummi, Gips, Plastik oder aus was auch immer. Über 3000 Hände bilden bei ihm zu Hause die wahrscheinlich größte Händesammlung der Welt.

Die Orthodoxen und die Moderne Warum die Orthodoxie noch keine Reformation erlebt hat

Bischöfe mehrerer christlich-orthodoxer Kirchen feiern (19.6) in einer Kirche auf der griechischen Insel Heraklion gemeinsam eine Messe. (AFP PHOTO/COSTAS METAXAKIS)

"Der Westen gilt in den Augen vieler Orthodoxer als ein Ort des Abfalls", meint der Religionswissenschaftler Vasilios Makrides - einer der Gründe, weshalb die orthodoxen Kirchen noch keine Reformation erlebt haben. Doch die Stimmen mehren sich, die sich eine Öffnung wünschen.

Schubert und SzymanowskiAuf abseitigen Pfaden

Ein junger Mann mit schwarzen Haaren, Brille und weißem Hemd sitzt an einem Flügel und spielt. (Yann Orhan / Sony Classical)

Was haben Franz Schubert und Karol Szymanowski gemeinsam? Diese Frage wirft Lucas Debargue, der junge französische Pianist, mit seinem neuen Album auf. Sein zarter Tastenanschlag verzaubert und seine Virtuosität beeindruckt, aber die Antwort bleibt er schuldig.

Debatte über sexuelle Belästigung #MeToo: "Moralischer Totalitarismus" oder Aufklärung?

Eine Frau wehrt mit ausgestrecktem Arm einen Mann ab. (imago / Reporters)

In der Diskussion über sexuellen Missbrauch haben Thea Dorn und Georg Diez sehr unterschiedliche Positionen vertreten. Dorn warnt im Zusammenhang mit #MeToo vor "moralischem Totalitarismus", während Diez dies als "Grabplatte" für einen überfälligen Diskurs kritisiert.

Simbabwe nach dem Putsch"Die Situation ist sehr verworren"

Demonstranten in Simbabwes Hauptstadt Harare fordern am 18. November 2017 die Absetzung des 93-jährigen Langzeitherrschers Robert Mugabe. (imago/ZUMA Press)

Militärdiktatur oder demokratische Wende - welche Perspektiven hat Simbabwe nach dem Putsch? Das Land sei wirtschaftlich "in einem absolut katastrophalen Zustand", sagte der Afrika-Kenner Bartholomäus Grill im Dlf. Und der neue starke Mann, Emmerson Mnangagwa, gelte als noch brutaler als der abgesetzte Robert Mugabe.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Abbruch der Jamaika-Gespräche  Grüne üben scharfe Kritik an FDP | mehr

Kulturnachrichten

ProSieben-Chef geht vorzeitig | mehr

 

| mehr