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Griechen wollen noch mehr sparen

Venizelos: Euro-Austritt wäre Ende der Währung

Griechen zittern um den Verbleib im Euro (dpa / Karl-Josef Hildenbrand)
Griechen zittern um den Verbleib im Euro (dpa / Karl-Josef Hildenbrand)

Griechenland will durch massive Einsparungen den Staatsbankrott und den Euro-Austritt abwenden. Der Gläubigertroika wurde dafür ein Sparprogramm von mindestens 11,5 Milliarden Euro für die kommenden beiden Jahre vorgestellt. Bayerns Finanzminister Markus Söder verlangt dennoch eine Eurozone ohne die Griechen.

Griechenland vor dem Staatsbankrott; Italien und Spanien im Gespräch als nächste Empfänger für eine Eurorettung unter dem EFSF-Schirm: Bei den Politikern in Europa werden die Sorgenfalten immer größer. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, sorgt sich offenbar um den Erhalt des Euro. "Innerhalb unseres Mandats ist die EZB bereit, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten", sagte Draghi nun in London.

In Athen hat derweil der griechische Finanzminister Yannis Stournaras den Chefinspektoren der Gläubigertroika klar gemacht, dass die Griechen so viel sparen wollen, wie es nur irgend geht, um weitere Finanzhilfen von ihnen zu bekommen. Stournaras ist einer der Köpfe, die den Euro-Beitritt mit geschönten Bilanzen ermöglicht hatten.

Koalitionsregierung uneins über Sparplan

Anfang Juli waren die Experten von IWF, EZB und EU-Kommission zuletzt in Athen. (picture alliance / dpa / Pantelis Saitas)Vertreter der Gläubigertroika in Athen (picture alliance / dpa / Pantelis Saitas)Die Gläubigervertreter von EU, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank hörten Berichten zufolge, dass die Griechen mehr als 11,5 Milliarden Euro in den kommenden beiden Jahren sparen wollen. Es sei aber noch keine abschließende Einigung erzielt worden, hieß es. Man sei aber auf gutem Wege.

Der Sparplan muss noch von den drei Koalitionsparteien gebilligt werden, die die Regierung in Athen tragen. Doch so schnell kommt eine Einigung wohl nicht zustande. "Wir sind noch nicht fertig", sagte der Parteichef der gemäßigten Linken, Fotis Kouvelis. Die Gespräche sollen am Montag fortgesetzt werden. Ministerpräsident Antonis Samaras traf EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der erstmals seit drei Jahren wieder in Athen war. Brüssel werde den Griechen die Treue halten, sagte Barroso. Er forderte zugleich rasche Sparbeschlüsse.

Derzeit überprüft die Troika, ob das von der Pleite bedrohte Euro-Land seine Sparzusagen und andere Vereinbarungen zum Hilfspaket einhält. Daran gibt es angesichts des politischen Stillstands während des langen Wahlkampfes im Frühjahr Zweifel. Ein positives Ergebnis der Prüfer - voraussichtlich im September - ist Voraussetzung dafür, dass die nächste Tranche von 30 Milliarden Euro aus dem zweiten Hilfspaket ausgezahlt wird.

Athen warnt vor "Selbstmord der Eurozone"

Ein möglicher Austritt Griechenlands aus der Eurozone hätte nach Ansicht von Sozialisten-Chef Evangelos Venizelos ein Ende des gemeinsamen Währungsraums zur Folge. Wer glaube, Griechenland müsse geopfert werden, der irre sich. "Es wird der Selbstmord der Eurozone werden", sagte Venizelos
in Anspielung auf jüngste Aufforderungen vor allem deutscher Politiker. "Unsere Partner müssen uns helfen, in dem sie die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen in Griechenland verstehen."

Söder warnt vor "Fass ohne Boden

Bayerns Finanzminister Markus Söder, CSU (picture alliance / dpa)Bayerns Finanzminister Markus Söder, CSU (picture alliance / dpa)Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) etwa hält dagegen gar nichts von den ständigen Bemühungen und Zusagen aus Athen. Der griechische Staat müsse erst einmal komplett neu aufgebaut werden, sagte Söder im Deutschlandfunk. "Da wir darauf nicht warten können, was in Griechenland passiert, und da es Griechenland nicht schaffen kann und wahrscheinlich auch nicht schaffen will, macht es nur einen Sinn, Griechenland eben den Weg aus der Eurozone zu ebnen, weil umgekehrt es ein Fass ohne Boden wird."

Auch immer neue Sparankündigungen wie heute helfe den Griechen und den Gläubigern nicht weiter, sagte Söder. "Kaputtsparen kann man nicht, weil das Sparen ist ja nur der eine Teil. Die Reformen im Land sind das andere." Dabei habe Griechenland zu lange über seine Verhältnisse gelebt und etwa - anders als Deutschland - zu deutliche Lohnerhöhungen vollzogen. "Griechenland hat sich so selbst in eine Lage manövriert, dass es nur sozusagen mit den Wechselkursen einer eigenen Währung, der Drachme, überhaupt eine Chance hat."

Söder ist nicht der erste Politiker, der an Staatsbankrott und Euro-Austritt denkt. Der Finanzexperte Wolfgang Gerke pflichtet Söder bei. Griechenland "ist im Euro nicht konkurrenzfähig und das ganze Rettungsprogramm war kein Rettungsprogramm für Griechenland, sondern ein Rettungsprogramm für vermögende Griechen und für europäische Kreditinstitute", sagte Gerke im Deutschlandfunk. Brüssel oder Athen müssten "hier endlich" die Konsequenz ziehen. "Das geht nicht ohne Dominoeffekte, die werden auftreten, man wird andere Länder testen, es wird Deutschland auch über 80 Milliarden kosten. Aber wenn man so weitermacht, wird die Rechnung viel, viel teurer."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

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