Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Griechenland auf Sparkurs

EU und IWF verpflichten das Land zu harten Einschnitten

Wie fest steht Europa in der Krise zusammen? (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)
Wie fest steht Europa in der Krise zusammen? (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)

Die EU und der Internationale Währungsfonds haben Griechenland bei den Verhandlungen über Staatshilfen zu einem harten Sparkurs verpflichtet. Die Bezüge von Rentnern und Staatsbediensteten sollen gekürzt, die Mehrwertsteuer angehoben werden.

Ziel der zwischen Ministerpräsident Giorgos Papandreou, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden vereinbarten Sparmaßnahmen sei es, das griechische Staatsdefizit von derzeit 13,6 Prozent innerhalb von drei Jahren um zehn Prozent zu verringern.

Der Abgeordnete der liberal-konservativen Partei Nea Dimokratia im griechischen Parlament, Evangelos Antonaros, erwartet angesichts der Sparmaßnahmen einen Mentalitätswandel in der griechischen Gesellschaft. Der Durchschnittsverdiener müsse einsehen, dass ein Teil seines Einkommens in der nächsten Zeit wegfallen werde, sagte Antonaros im Deutschlandfunk.

Nach Auskunft von Hans-Peter Friedrich, dem Chef der CSU-Landesgruppe, sei beim Krisentreffen mit den beiden Präsidenten der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds "von 100 bis 120 Milliarden" Finanzhilfe für Griechenland die Rede gewesen, das seien aber "Über-den-Daumen-Schätzungen". Im Gegenzug müsse Griechenland sich auch "des Euros würdig erweisen".

Ebbewelle aus Griechenland erfasst Eurozone

Nach Griechenland und Portugal ist mit Spanien die Bonität des dritten europäischen Landes durch Ratingagenturen abgewertet worden. Der Euro fiel auf ein Jahrestief, Beobachter fürchten einen Dominoeffekt. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wies diese Befürchtungen in den Tagesthemen vom Mittwochabend jedoch vorerst zurück. Wenn es gelinge, die Zahlungsfähigkeit Griechenlands zu sichern, dann werde die Spekulationswelle gegen andere Mitgliedsländer der europäischen Währung gar nicht erst "in dem Maß" entstehen. Deshalb sei die Hilfe für Griechenland besonders wichtig: "Würden wir scheitern, dann würde die Spekulation gegen alle Länder der Eurozone zunehmen, und wahrscheinlich auch gegen andere Länder darüber hinaus", sagte Schäuble.

Kritik an Ratingagenturen nimmt zu

CSU-Landesgruppenchef Friedrich übte auch scharfe Kritik an der Rolle der Ratingagenturen und warf ihnen "Angriffe auf Staaten" vor: "Da kommt irgendeine Agentur daher, und dann sollen wir hüpfen und springen. Das kommt überhaupt nicht in Frage!"

Außenminister Guido Westerwelle forderte eine unabhängige europäische Ratingagentur. Als Lehre aus der Finanz- und Wirtschaftskrise müsse die Europäische Union "der Tätigkeit von Ratingagenturen eigene Bemühungen" entgegensetzen, sagte Westerwelle den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe am Donnerstag.

Der Vize-Sprecher der parlamentarischen Linken in der SPD, Carsten Sieling, pflichtete Westerwelle bei und sprach sich für eine europäische Ratingagentur aus, die frei von politischer Einflussnahme agieren könne Das Schicksal ganzer Länder und damit die Stabilität des Euro dürfe nicht "einzig und allein vom Urteil einer Ratingagentur abhängen", sagte Sieling dem "Handelsblatt Online".

Köhler fordert politische Konsequenzen aus der Griechenlandkrise


Bundespräsident Köhler hat politische und gesellschaftliche Konsequenzen aus der Griechenlandkrise angemahnt. Die Mitgliedsländer der Europäischen Union müssten ihre Wirtschafts- und Finanzpolitik besser untereinander abstimmen, um Fehlentwicklungen gegenzusteuern, sagte Köhler auf einer Wirtschafts-Tagung in München. Der Euro habe bisher gute Dienste geleistet und müsse im Weltwährungssystem weiterhin ein Anker der Stabilität bleiben.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:36 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 20:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 20:00 Uhr Eine Stunde Was mit Medien

Aus unseren drei Programmen

Nach Dresdener RedeHöcke soll nicht mehr als Lehrer arbeiten dürfen

Der AfD-Politiker Björn Höcke. (imago / Steve Bauerschmidt)

Politiker von der SPD, CDU und Grünen fordern, dass Björn Höcke in Zukunft nicht mehr als Lehrer arbeiten darf. Grund ist seine Rede in Dresden am Dienstagabend. Der AfD-Politiker ist wegen seiner Abgeordnetentätigkeit im thüringischen Landesparlament zur Zeit von seinem Lehrberuf in Hessen beurlaubt.

MenstruationDer Kampf gegen ein uraltes Tabu

Blut auf weißer Fläche (picture alliance / dpa / Fritz Schumann)

Bis heute schweigen viele junge Frauen über ihre Periode. Laut einer Studie spricht nur eine von fünf Frauen mit ihrem Partner über ihre Menstruation. Unter dem Motto "period positivity" melden sich jedoch immer mehr Frauen zu Wort und sprechen offen über ihre Erfahrungen.

Reaktionen der US-KunstszeneKunst statt Trump

Museumsbesucher betrachten ein Bild der US-Künstlers Jackson Pollock, Titel: "Blue Poles" (1952) (picture alliance / dpa / EPA / Andy Rain)

Morgen wird Donald Trump als neuer Präsident der USA vereidigt. Das linksliberale Kunstpublikum bleibt den Feierlichkeiten demonstrativ fern. Museen bieten Sonderveranstaltungen und freien Eintritt. Ein Überblick.

"Yolocaust" von Shahak ShapiraSelfies am Holocaust-Mahnmal

Italienische Touristinnen machen am Holocaust-Denkmal in Berlin ein Selbstporträt mit einem "Selfie-Stick". (picture alliance / dpa/ Felix Zahn)

Darf man am Holocaust-Mahnmal in Berlin lustige Fotos schießen? Der Satiriker Shahak Shapira hat mit der Aktion "Yolocaust" darüber eine Debatte angestoßen. Der Zuspruch ist enorm - aber auch skeptische Stimmen werden laut. Wir haben uns umgesehen.

Antilopen Gang und Fehlfarben"Das hier ist Musik für Freaks"

Die Hip-Hop-Band Antilopen Gang aus Aachen und Düsseldorf. (picture alliance / JKP / Schermer / dpa)

Das neue Album der Antilopen Gang weist nicht nur mit dem Namen "Anarchie und Alltag" auf ein legendäres Album der Fehlfarben hin. Was die Hip-Hop-Gruppe und die Düsseldorfer Punkveteranen eint und warum auf die Fressen hauen manchmal besser ist als ständig zu reden.

Journalismus"The Young Turks" versus Donald Trump

"The Young Turks": Jayar Jackson, Praveen Singh, Gründer Cenk Uyger und Jesus Godoy im Washington (Imago)

Mit Donald Trump als Präsident wird sich für sie vieles verändern, befürchten nicht wenige Journalisten in den USA. Die Macher des Online-Nachrichten-Formats "The Young Turks", haben davor keine Angst. Ihr Gründer - ein US-Bürger mit türkischen Wurzeln- rät allen Medienmachern, sich vor dem neuen US-Präsidenten bloß nicht wegzuducken.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Gambia  Wahlsieger Barrow vereidigt - Senegal schickt Soldaten über die Grenze | mehr

Kulturnachrichten

Sängerin des Welthits "Lambada" ist tot  | mehr

Wissensnachrichten

Indonesien  Tierschützer prangern "Horror-Zoo" an | mehr