Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Griechenland hofft auf neuen Milliarden-Schirm

Euro-Finanzminister beraten über zweites Hilfspaket für Schuldenstaat

Griechland hofft auf Hilfszahlungen (picture alliance / dpa - Orestis Panagiotou)
Griechland hofft auf Hilfszahlungen (picture alliance / dpa - Orestis Panagiotou)

Griechenland hofft auf gute Nachrichten aus Luxemburg. Dort treffen sich die europäischen Finanzminister und beraten über die Freigabe von zwölf Milliarden Euro Hilfszahlungen. Ohne sie wäre Griechenland pleite. Ein zweites Hilfspaket steht auch auf der Tagesordnung.

Die für Juli geplante Zahlung war ursprünglich an Sparanstrengungen Griechenlands geknüpft. Wegen der aktuellen Massenproteste der Griechen kann Ministerpräsident Giorgos Papandreou sein Sparpaket jedoch nicht durchsetzen. Bei dem Treffen wird aber dennoch mit einer Zustimmung zur Freigabe der fünften Tranche gerechnet, weil Griechenland sonst die Zahlungsunfähigkeit droht.

"An den Zuständen in Griechenland hat die EU im wachsenden Maße viel mehr Schuld als die Griechen selber", sagt Althistoriker Christian Meier. In Griechenland sei die Lage sehr bedenklich, weil man dem Land die Möglichkeit nehme, sich wieder auf eigene Füße zu stellen.

Ein weiteres Thema des Treffens ist das zweite Rettungspaket, das 120 Milliarden Euro schwer sein soll. Umstritten ist insbesondere, ob und wie private Gläubiger beteiligt werden. An dem Treffen in Luxemburg nimmt auch der neue griechische Finanzminister Evangelos Venizelos teil.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy treffen sich am 17.06.2011 in Berlin. (AP)Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. (AP)Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatten sich am Freitag auf einen Kompromiss zur Griechenland-Hilfe geeinigt. Private Gläubiger sollen am zweiten Rettungspaket beteiligt werden, aber nur auf freiwilliger Basis. Die Frage, wie Griechenland vor der Pleite gerettet werden kann, galt als Reizthema im angespannten deutsch-französischen Verhältnis. Sarkozy hatte die verpflichtende Einbeziehung von Banken und Versicherungen bisher abgelehnt, da vor allem Frankreichs Banken exponiert in Griechenland investiert haben und er finanzielle Konsequenzen für Frankreich fürchtete.

Der griechische Ministerpräsident Papandreou hat ides den aufgeblähten Staatsapparat für die Schuldenkrise in seinem Land verantwortlich gemacht. Um den anstehenden Herausforderungen zu begegnen, bedürfe es eines Wechsels des politischen Systems, sagte Papandreou zu Beginn einer dreitägigen Parlamentsdebatte. Er forderte deshalb ein Referendum über eine Verfassungreform im Herbst.

Hintergrundinformationen:

Griechenland steht mit über 300 Milliarden Euro Staatsdefizit am Rande des Bankrotts und muss einen rigiden Sparkurs fahren. Ein erstes Hilfspaket der EU zeigte nicht die erhoffte Wirkung.

Am Dienstag wurde Griechenlands Kreditwürdigkeit auf ein "CCC"-Rating durch die Ratingagentur Standard & Poor's herabgesetzt. Das ist die zweitschlechteste Einstufung der Kreditwürdigkeit eines Landes. Schuldner in dieser Gruppe sind aus Sicht der Agentur in ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten und können Zins- und Tilgungszahlungen nicht zuverlässig gewährleisten.

Drei Ratingagenturen dominieren den Markt für Bewertungen: Standard & Poor's, Moody's und Fitch, alle drei aus den USA. Wie sie entstanden sind und welche Rolle sie heute spielen, erklärt Mischa Ehrhardt im Deutschlandradio Kultur.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:42 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 20:10 Uhr Das Feature

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 20:00 Uhr Eine Stunde Liebe

Aus unseren drei Programmen

Erstes deutsch-israelisches Fußballspiel"Der Sport schlägt Brücken"

Deutsch-israelische Freundschaft - hier bei einem Fußball-Länderspiel im Mai 2012 in Leipzig (dpa / picture alliance / Jens Wolf)

Vor 30 Jahren trafen die israelische und die deutsche Fußballnationalmannschaft erstmals in einem Freundschaftsspiel in Tel Aviv aufeinander. Der Weg dahin war beschwerlich, aber förderlich für die Annäherung zwischen den beiden Staaten.

Europäische Atomgemeinschaft EuratomDer große Förderer der Kernenergie wird 60

Wasserdampf steigt am 9.9.2016 in Emmerthal (Niedersachsen) aus den Kühltürmen des Kernkraftwerk Grohnde. (dpa / Sebastian Gollnow)

Der Vertrag über die Europäische Atomgemeinschaft Euratom ist einer der drei Römischen Verträge, die vor 60 Jahren geschlossen wurden. Das damals ausgegebene Ziel, die Entwicklung der Atomkraft zu fördern, erscheint vielen heute nicht mehr zeitgemäß.

Deutscher Arbeitsmarkt 2017Abstiegsangst trotz Rekordbeschäftigung?

Udo, ein Obdachloser, sitzt in Berlin an der Spree im Regierungsviertel und bittet um Unterstützung. (dpa / picture alliance / Kay Nietfeld)

Die Arbeitslosenquote in Deutschland sinkt immer weiter auf inzwischen 6,3 Prozent, dazu eine Rekordbeschäftigung von 43,4 Millionen. Warum fühlen einige gleichzeitig Abstiegsängste und Unsicherheit?

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Gesundheitsreform  US-Republikaner ziehen Gesetzentwurf zurück | mehr

Kulturnachrichten

Alfred-Kerr-Darstellerpreis für Imogen Kogge  | mehr

 

| mehr