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Griechenland stellt staatlichen Rundfunk ein

Angestellte und Bürger sind schockiert

Funkstille beim griechischen Staatsfernsehen - das Land muss sparen (picture alliance / dpa / Alkis Konstantinidis)
Funkstille beim griechischen Staatsfernsehen - das Land muss sparen (picture alliance / dpa / Alkis Konstantinidis)

Nach der Entscheidung der griechischen Regierung, den staatlichen Fernseh- und Hörfunksender ERT zu schließen, sind alle Journalisten des Landes in den Streik getreten. Auf allen griechischen Radio- und Fernsehkanälen laufen keine Nachrichten mehr.

Die hoch verschuldete Regierung in Athen hatte die Maßnahme gestern überraschend beschlossen. Ein Regierungssprecher bezeichnete den Sender als klassisches Beispiel unglaublicher Verschwendung. Nach Korrespondentenberichten weigern sich die Mitarbeiter bislang, das Gebäude des Senders zu verlassen.

"Die Ausstrahlung des öffentlich-rechtlichen ERT wird aufhören", sagte der Regierungssprecher Simos Kedikoglou. Der Sender sei ein außerordentliches Beispiel für "fehlende Transparenz" und "unglaubliche Ausgaben" mit Kosten von 300 Millionen Euro im Jahr und siebenmal mehr Personal als vergleichbare Anstalten. "Das wird nun ein Ende haben", sagte Kedikoglou weiter.

Nach dem überraschenden Beschluss ist am Dienstagabend eine TV-Sendezentrale nach der anderen abgeschaltet worden. Auch die Radiostationen konnten nicht mehr empfangen werden. Der staatliche Rundfunk gilt als eine der letzten Bastionen des griechischen Vetternwirtschaftssystems. Die Journalisten-Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) hat die Entscheidung der griechischen Regierung inzwischen als "haarsträubend" und "aberwitzig" kritisiert.

Das griechische Finanzministerium erklärte, das Unternehmen existiere nicht mehr. Damit geht eine 75-jährige Ära in der Medienlandschaft Griechenlands zu Ende. Das erste staatliche Rundfunkprogramm war im Jahr 1938 ausgestrahlt worden. Geschlossen werden drei landesweit ausgestrahlte TV-Programme, ein über Satelit ausgestrahltes Programm, sieben landesweit ausgestrahlte Radioprogramme sowie 19 regionale Radiosender.

Schock für die griechische Medienlandschaft

Medienberichten zufolge sind rund 2900 Arbeitsplätze betroffen. Techniker, Angestellten und Journalisten sollen eine Abfindung erhalten. "Es kann keine heiligen Kühe geben, die nicht geschlachtet werden können, wenn überall gespart wird", sagte der Regierungssprecher.

Angestellte des staatlichen Fernsehens sagten der Nachrichtenagentur dpa, sie seien «schockiert» und wollten das Zentralgebäude in der Athener Vorstadt Agia Paraskevi besetzen. Der Verband der griechischen Journalisten kündigte Arbeitsniederlegungen an und die Gewerkschaft der Staatsbediensteten rief zum Widerstand gegen den Regierungsbeschluss auf. Das Fernsehen zeigte, wie sich aufgebrachte Angestellte versammelten. Zudem meldeten sich hunderte Griechen aus dem Ausland telefonisch und über das Internet und forderten die Rücknahme des Beschlusses. Auch die Europäische Runfunkunion (EBU) kritisierte den Beschluss der Regierung in Athen.

Regierung plant kleineren Staatsrundfunk

Die Regierung plant den Betrieb des staatlichen Rundfunks bald wieder mit weniger Beschäftigten aufzunehmen. Im Gespräch sind rund 1000 Mitarbeitern. Vorbild sind die modernsten Anstalten Europas. Die Schließung soll erst einmal dazu beitragen, die Auflagen des Sparprogramms zu erfüllen, das die internationalen Geldgeber dem Land auferlegt haben.

Griechenland muss im Rahmen seines Konsolidierungsprogramms bis Ende des Jahres 4000 Staatsbedienstete entlassen. Bis Ende 2014 sollen 15.000 gehen. Die EU-Kommission in Brüssel betonte erst am Dienstag, es sei wichtig, dass Athen die vereinbarten Reformen des laufenden Programms in die Tat umsetze.

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Das Jahr 2013 und die Sorge um Griechenland

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr

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