Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Griechenland versetzt Europa in Aufregung

Krisentreffen in Cannes anberaumt

Nun sollen die Bürger Griechenlands über die Zukunft des Landes entscheiden. (AP / Thanassis Stavrakis)
Nun sollen die Bürger Griechenlands über die Zukunft des Landes entscheiden. (AP / Thanassis Stavrakis)

Das geplante Referendum über das europäische Hilfspaket in Griechenland sorgt für Aufregung: Deutsche Banken kritisierten den Vorstoß und die Börsen reagierten mit Kursstürzen. Bundeskanzlerin Merkel und der französische Präsident Sarkozy haben für Mittwoch ein EU-Krisentreffen einberufen.

Überraschend kündigte der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou an, dass eine Volksabstimmung über den Weg aus der Schuldenkrise entscheiden soll. Die Ergebnisse des Euro-Gipfels stehen damit wieder auf der Kippe.

Die Euroländer hatten vergangene Woche einen Schuldenschnitt und weitere Finanzhilfen im Umfang von 130 Milliarden Euro für Griechenland beschlossen, im Gegenzug aber harte Sparmaßnahmen verlangt. In Griechenland führten die Beschlüsse danach zu neuen Protesten.

Der griechische Ministerpräsident George Papandreou gibt ein Referendum über den Sparkurs bekannt. (picture alliance / dpa / Pantelis Saitas)Ministerpräsident Papandreou will das Volk entscheiden lassen. (picture alliance / dpa / Pantelis Saitas)Papandreou betonte, das Ergebnis der Abstimmung sei bindend. Sollte das Volk die neue Vereinbarung mit der EU ablehnen, "wird sie nicht verabschiedet", sagte Papandreou vor Abgeordneten seiner sozialistischen PASOK-Partei. Gleichzeitig kündigte er an, im Parlament die Vertrauensfrage stellen zu wollen.

EU-Krisentreffen in Cannes

Bundeskanzlerin Angela Merkel vereinbarte mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy, ein Krisentreffen zur neuen Lage in Griechenland abzuhalten. Gemeinsam mit den EU-Institutionen wollen die beiden Regierungschefs am Mittwoch in Cannes über das weitere Vorgehen beraten. In einer gemeinsamen Erklärung drängten sie auf eine lückenlose Umsetzung der jüngsten Beschlüsse des Euro-Gipfels.

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle forderte die Regierungen der Euroländer im Gespräch mit dem Deutschlandfunk dazu auf, sich auf einen Staatsbankrott Griechenlands einzustellen. Wenn die griechische Bevölkerung gegen die Strukturreformen stimme, hätten die Europäer keinen Spielraum mehr, so Brüderle.

Griechische Politiker reagieren empört

Führende griechische Politiker reagierten ablehnend bis empört auf den Vorstoß Papandreous. Eine Abgeordnete aus der sozialistischen Regierungspartei erklärte aus Protest gegen die Referendums-Pläne ihren Austritt aus der Fraktion. Sie werde als unabhängige Abgeordnete weiterarbeiten. Die Fraktion der Sozialisten verfügt damit nur noch über eine Mehrheit von zwei Sitzen im Parlament.

Auch die griechische Opposition sprach sich gegen ein Referendum über das europäische Hilfspaket aus und fordert vorgezogene Neuwahlen. Seine Partei werde solche "opportunistischen Experimente" nicht mitmachen, sagte der Vorsitzende der konservativen Partei "Nea Dimokratia", Antonis Samaras.

Die Börse in Frankfurt reagiert mit Kursstürzen. (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)Die Börse in Frankfurt reagiert mit Kursstürzen. (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)

Turbulenzen an den Börsen: Dax fällt um fünf Prozent

Der Bundesverband deutscher Banken hat den Vorstoß Griechenlands ebenfalls kritisiert. Die Ankündigung von Regierungschef Papandreou habe zu erheblicher Verunsicherung an den Märkten geführt, sagte Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer in Berlin.

Das angekündigte Referendum in Griechenland hat einen Kurssturz am deutschen Aktienmarkt ausgelöst. Der Deutsche Aktienindex (Dax) schloss fünf Prozent tiefer bei 5834,51 Punkten. Seit seinem Zwölfwochenhoch am Freitag hat er damit gut acht Prozent eingebüßt. Die Aktie der Commerzbank stürzte zeitweise um mehr als zehn Prozent ab. Durch eine Volksabstimmung könnte die geplante Schuldenvereinbarung mit privaten Investoren platzen.

Liberaler Europapolitiker Chatzimarkakis begrüßt den Vorstoß

Der FDP-Europapolitiker Jorgo Chatzimarkakis begrüßt trotz alledem das geplante Referendum. Er glaube, die Volksbefragung würde "wie ein klärendes Gewitter zu einer Situation führen, wo die Griechen jetzt wirklich an einen Tisch müssen". Was der Schuldenschnitt tatsächlich bedeute, sei "noch lange nicht bekannt". Statt "auf sie einzuhauen", müsse man jetzt mit den Griechen darüber reden, was hinter den Beschlüssen stehe.

Links bei dradio.de:

Ablehnung des EU-Hilfspakets führt zu Staatsbankrott - Interview mit FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle

Banken verzichten auf die Hälfte der Forderungen - Euro-Gipfel einig über Schuldenschnitt für Griechenland

Kanzlermehrheit für den Euro-Rettungsschirm - Große Zustimmung für Kredithebel

Links bei ARD.de:

Griechischer Ministerpräsident will Referendum - Das Volk soll über Sparauflagen abstimmen

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:45 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 09:10 Uhr Die neue Platte

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:05 Uhr Sonntagmorgen

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 08:00 Uhr Dein Sonntag

Aus unseren drei Programmen

Agenda 2010"Es ist immer wieder gut, Dinge in Frage zu stellen"

BAMF-Chef Frank-Jürgen Weise nimmt am 25.02.2016 in Berlin im Haus der Wirtschaft an der Veranstaltung "Ankommen in Deutschland", dem Aktionsprogramm der Industrie- und Handelskammern zur Integration von Flüchtlingen teil. (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)

Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, hat die Agenda 2010 gelobt und sich zugleich für Änderungen ausgesprochen. Berufe, Arbeitsverträge und Arbeitsorte veränderten sich. Deshalb könne man erwarten, dass die Politik diese Entwicklungen nach vorne gerichtet unterstütze, sagte er im Deutschlandfunk.

Aretha Franklins GeburtstagSoul-Ikone und Bürgerrechtlerin feiert 75.

Aretha Franklin  (picture alliance / dpa / Ron Sachs)

Aretha Franklin sang für Martin Luther King und bei der Amteinführung von Barack Obama, die afroamerikanische Sängerin gilt als eine der erfolgreichsten Musikerinnen überhaupt. Nun ist die Soul-Diva 75 Jahre alt geworden - und denkt über einen Abschied von der Bühne nach.

BuchprojektAuf einen Coffee to go nach Togo

Ein leerer Starbucks-Kaffeebecher (dpa picture alliance / Inga Kjer)

Coffee to go kennen wir alle. Bloß wo kommt eigentlich der echte Kaffee Togo her? Markus Weber wollte es wissen und machte sich auf den Weg. Mit dem Fahrrad nach Togo, durch 26 Länder, 14.000 Kilometer. Daraus entstand sein Buch "Ein Coffee to go in Togo".

KaczynskilandWie polnische Geschichte und Kultur umgedeutet werden

Das Denkmal "Westerplatte" zu Ehren der polnischen Verteidiger in der gleichnamigen Gedenkstätte in Danzig in Polen, aufgenommen am 17.06.2012. (picture alliance / dpa / Jens Wolf)

Mit dem deutschen Beschuss der Westerplatte vor Danzig beginnt am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Die Polen wehren sich tapfer und unterliegen. So wird die Geschichte im Museum der Stadt Gdansk erzählt. Und das, findet die neue polnische Regierung, ist viel zu unpatriotisch.

FamilienkonflikteGeschichten vom Loslassen

Eine Frau zerreißt ein Foto ihrer Eltern. (imago/epd )

Wenn sich Familienkonflikte nicht lösen lassen, bleibt noch die Möglichkeit, sich ganz zu trennen. Die "Lange Nacht" porträtiert Menschen, die genau das getan haben.

Sir Elton John wird 70"Musik ist meine Liebe, Shoppen meine Sucht"

Elton John in Brasilien  (picture alliance / dpa / Foto: EPA/Antonio Lacerda)

Seit mehr als fünf Jahrzehnten steht Elton John auf der Bühne. Er zählt zu den erfolgreichsten Popstars aller Zeiten. Rund 300 Millionen Alben hat der exzentrische Brite verkauft. Doch ans Aufhören denkt Sir Elton John noch lange nicht: Die Show wird weitergehen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Saarland  Landtagswahl hat begonnen | mehr

Kulturnachrichten

Anti-Trump-Kunstinstallation erneut abgebrochen  | mehr

 

| mehr