Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Größter deutscher Offshore-Windpark eröffnet

Versorgung von gut 400.000 Haushalten pro Jahr möglich

Offshore-Windpark Bard 1 rund 100 Kilometer nordwestlich der Nordseeküste (picture alliance / dpa / Ingo Wagner)
Offshore-Windpark Bard 1 rund 100 Kilometer nordwestlich der Nordseeküste (picture alliance / dpa / Ingo Wagner)

Zu Baubeginn wird das Windkraftwerk 100 Kilometer entfernt von der Nordseeküste als weltweit einmalig gefeiert. Nur wenig später steht das milliardenschwere Pionierprojekt wieder auf der Kippe. Jetzt ist es mit etwa anderthalbjähriger Verspätung doch noch fertig geworden.

Die Daten des Windparks mit dem Namen "Bard 1", der am Montag offiziell eingeweiht wurde, sind beachtlich: Rund 100 Kilometer nordwestlich der Insel Borkum wurden 80 Windräder aufgestellt – in einer Wassertiefe von 40 Metern. Die Leistung des Windkraftwerks beträgt 400 Megawatt – damit können mehr als 400.000 Haushalte ein Jahr lang versorgt werden.

Im April 2010 wurde das erste Windrad-Fundament errichtet, im Juli diesen Jahres das letzte. Schon seit Ende 2010 speist der Windpark Strom ins Netz ein. Heute liefert er drei Viertel des deutschen Offshore-Stroms. Doch das Projekt, das sich nach einem ungetrübten Praxisbeispiel für den Siegeszug der erneuerbaren Energien anhört, drohte schon kurz nach Baubeginn zu scheitern.

Schwierige Bedingungen sorgen für Verspätung und höhere Kosten

Eigentlich sollten alle Windräder bis Ende 2011 aufgestellt sein – mit Hilfe von bis zu 400 Mitarbeitern, mehreren Bauschiffen und einem Hotelschiff. Doch schlechtes Wetter, technische Probleme und allgemein schwierige Bedingungen in dem Baugebiet sorgten für Verzögerungen und deutlich höhere Kosten als anfangs kalkuliert.

Der Geschäftsführer der für das Projekt zuständigen Bard-Gruppe, Michael Baur, sagte angesichts der Probleme, sein Unternehmen habe keine praktischen Erfahrungen mit solch einem Bau gehabt. Weltweit sei noch nie ein Kraftwerk unter diesen Umständen errichtet worden. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) stellte bei der Eröffnung fest, der Windpark sei der Beweis, dass die technologischen Herausforderungen der Offshore-Windindustrie zu meistern seien. "Das ist alles 'Made in Germany' und bietet enorme Chancen", so Rösler.

Rösler: Offshore-Windparks weiter wichtiger Bestandteil der Energiepolitik

Er erklärte, die Offshore-Windenergie bleibe entgegen mancher Befürchtungen ein wesentlicher Punkt im energiepolitischen Konzept der Bundesregierung. Und Bard-Geschäftsführer Baur betonte, der Atomausstieg sei ohne leistungsstarke Windparks in der Nordsee nicht umsetzbar. Seiner Ansicht nach hat die Diskussion über das Gesetz zu erneuerbaren Energien mögliche Investoren geplanter Windparks massiv verunsichert. Ohne verlässliche Rahmenbedingungen würden sie in Infrastrukturprojekte anderer Länder investieren – zu Lasten Deutschlands.

Dabei hat die hiesige Offshore-Industrie bereits zahlreiche Projekte unter anderem wegen Problemen mit den Netzanschlüssen auf Eis gelegt. So wurde vor wenigen Wochen zwar der Nordsee-Windpark "Riffgat" fertiggestellt, allerdings ist er noch nicht mit dem Land verbunden, sodass kein Strom fließt. Die Folge: Es entstehen Millionenverluste. Die Bundesregierung hält jedoch an ihrem Plan fest, dass sich bis zum Jahr 2020 genügend Windräder jenseits der Küsten drehen sollen, um eine Leistung von 10.000 Megawatt zu erzeugen. Damit könnten dann mehr als zehn Millionen Haushalte ein Jahr lang auskommen.

Mehr zum Thema auf dradio.de:
Wind und Welle im Duett - Experten arbeiten an neuartigen Kombi-Kraftwerken
Windige Trends - Was Forscher und Hersteller von Windrädern bewegt
Von Walen und Windrädern - Forscher untersuchen die ökologischen Auswirkungen der Offshore-Windenergie

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:16 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 20:10 Uhr Hörspiel

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 20:00 Uhr Eine Stunde Film

Aus unseren drei Programmen

Ein Jahr "Wir schaffen das""Mehr zustande gebracht, als uns zugetraut wurde"

Kanzleramtsminister Peter Altmaier spricht im Mai 2016 in Berlin. (imago / Xinhua)

Kanzleramtsminister Peter Altmaier hat eingeräumt, dass zu Beginn der Flüchtlingskrise "manche Erwartungen nicht erfüllt" wurden. Inzwischen seien auf europäischer Ebene mit dem Schutz der Außengrenzen aber Fortschritte erzielt worden, sagte er im DLF. Und Deutschland habe sich seiner "humanitären Verantwortung" gestellt.

Gülen-BewegungSchulen gründen, warum nicht?

Fethullah Gülen (dpa/picture-alliance)

Schulen gründen, die Heilige Schrift studieren, Einfluss auf die Gesellschaft nehmen: Die Bewegung des Predigers Fetullah Gülen steht dafür im Kreuzfeuer der Kritik. Für den Jesuitenpater Klaus Mertens klingen die Anliegen der Bewegung jedoch vertraut - und gar nicht anrüchig. Eine Verteidigung.

FacebookChaos bei den Trending Topics

Im Mai musste sich Facebook gegen Vorwürfe der Konservativen in den USA wehren, sie würden die Trending Topics manipulieren und Nachrichten mit ihrer Weltsicht benachteiligen. Eine Untersuchung ergab zwar keine Hinweise auf eine Verzerrung, trotzdem wurden die 15 Mitarbeiter des Trending Topics Team jetzt entlassen. Die Folge: Chaos im Newsstream.

Freihandelsabkommen"TTIP-Verhandlungen sind noch nicht gescheitert"

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Martin Wansleben. (imago / Metodi Popow)

Anders als Sigmar Gabriel gibt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag das geplante transatlantische Freihandelsabkommen TTIP noch nicht auf. Der Bundeswirtschaftsminister sei gut beraten, sich für die Interessen der Wirtschaft einzusetzen, sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben im DLF.

Verschwundene in MexikoVerbrechen mit staatlicher Beteiligung

Studenten mehrerer Universitäten forden in Mexiko-Stadt Aufklärung über das Schicksal von 43 verschwundenen Studenten. Niemand mehr, niemals – steht über dem Museumseingang.  (picture alliance / dpa / EFE / Alex Cruz)

27.000 Menschen gelten in Mexiko offiziell als verschwunden. Viele liegen verscharrt in versteckten Massengräbern. Angehörige suchen oft vergebens nach ihnen, manche seit Jahrzehnten. Ein Museum in Mexiko-Stadt hält die Erinnerung an sie wach.

Schräger Komiker Schauspieler Gene Wilder gestorben

Der Schauspieler Gene Wilder (Aufnahme von 1971).  (imago)

"Frankenstein Junior", "Charlie und die Schokoladenfabrik", "Die Glücksritter": Schräge Rollen in skurrilen Komödien machten Gene Wilder berühmt. Nun trauert die Filmwelt um den Komiker.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Interview  Merkel sieht deutsche Fehler in Flüchtlingspolitik der Vergangenheit | mehr

Kulturnachrichten

Moses Mendelssohn Medaille für Ulla Unseld-Berkewicz | mehr

Wissensnachrichten

Skandinavien  Ehelosigkeit ist offenbar gut für die Frauenrechte | mehr