Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Großbritannien lässt neues Atomkraftwerk bauen

Auftrag für französisch-chinesisches Konsortium

Ein Elektro-Stecker mit dem Symbol für Atomenergie (picture alliance / dpa - Hans Wiedl)
Ein Elektro-Stecker mit dem Symbol für Atomenergie (picture alliance / dpa - Hans Wiedl)

Seit der Katastrophe von Fukushima sinkt die Akzeptanz für Energie aus Kernkraft, doch jetzt kann die Atomindustrie wieder einen Erfolg verbuchen: In Großbritannien wird wieder ein Atomkraftwerk gebaut - zum ersten Mal seit rund 20 Jahren.

Die britische Regierung habe ein Abkommen für ein neues Atomkraftwerk mit dem französischen Versorger EDF unterschrieben, gab das Unternehmen am Montag bekannt. Das Kraftwerk mit zwei Druckwasserreaktoren des französischen Herstellers Areva soll in Somerset im Südwesten Englands entstehen - für knapp 19 Milliarden Euro. In zehn Jahren soll das Kraftwerk ans Netz gehen und fünf Millionen Haushalte mit Strom versorgen.

EDF und die britische Regierung hatten schon seit Monaten über den Vertrag verhandelt - Streitpunkt war in erster Linie der zugesagte Preis für den Atomstrom. Die beiden neuen Reaktoren sind die ersten seit 1995, die in Großbritannien gebaut werden. Das Land verfügt zur Zeit über insgesamt 16 Reaktoren.

In den kommenden 15 Jahren müssen rund Zweidrittel der britischen Strom erzeugenden Kraftwerke aus Altersgründen ersetzt werden, darunter auch fast alle Atomkraftwerke. Für die britische Regierung sei die Entscheidung für den AKW-Neubau alternativlos - auch wegen des Klimaschutzes, wie Jochen Spengler in Deutschlandradio Kultur berichtete. Weitere neue Atomkraftwerke sollen nach Willen von Premierminister David Cameron in den nächsten Jahren folgen.

China hofft, auf britischem Markt Fuß zu fassen

Auch China ist an dem Neubau beteiligt - das Land könnte durch den Einstieg an weitere Aufträge auf dem britischen Markt kommen. Auch die Atomindustrie wird das neue Kraftwerk wohl freuen: Sie leidet unter den europäischen Reaktionen auf die Katastrophe von Fukushima. Danach war Deutschland aus der Kernenergie ausgestiegen, Italien hatte ein geplantes Atomprogramm gestrichen und auch Frankreich will seine Abhängigkeit von Strom aus dieser Quelle verringern.

Allerdings wird auch dort zur Zeit ein neuer Atomreaktor gebaut - im nordfranzösischen Flamanville. Doch die Kosten für das Projekt sind enorm gestiegen: von geplanten 3,3 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf geschätzte 8,5 Milliarden im Jahr 2012. Grund sind laut dem EDF-Konzern unter anderem neue Sicherheitsanforderungen und Lehren aus Fukushima.


Mehr zum Thema auf dradio.de:

Ausbau trotz Fukushima - China setzt weiterhin auf Atomenergie
EU-Förderung für Atomkraftwerke "halte ich für einen absoluten Unsinn" - Verbandschef kommunaler Unternehmen kritisiert Brüssels Subventionspläne
DIW-Studie: Europa bremst Energiewende - Grüner Strom könnte schneller fließen

 

Letzte Änderung: 24.10.2013 23:12 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 03:30 Uhr Forschung aktuell

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Zum Tode von Shimon PeresDiener des Jüdischen Volkes

Ein alter Mann gestikuliert und spricht vor der Flagge Israels. (imago / Zuma Press)

Shimon Peres stand jahrzehntelang im Zentrum der Macht: Weggefährte von Israels Staatsgründer Ben-Gurion, Regierungschef, Verteidigungs- und Außenminister. Als Elfjähriger musste er sein Heimatdorf in Ostpolen verlassen. Die letzten Worte seines geliebten Großvaters zitierte der 87-Jährige im Deutschen Bundestag: "Mein Junge, bleib immer ein Jude".

Aktivismus im NetzVom Hashtag zur Bürgerbewegung

Demonstranten in Berlin halten am 10. Juli 2016 ein Transparent mit dem Twitter-Hashtag "#Black Lives Matter". (dpa / picture alliance / Wolfram Kastl)

Ist Hashtag-Aktivismus nur ein narzisstisches Unterfangen? Mainstream-Medien charakterisieren Social Media gern als wirren Bienenstock − ein ewiges Summen, sinnlos, ziellos, irgendwann nervig. Doch #BlackLivesMatter ist ein weltweit beachtetes Gegenbeispiel.

Deutsche Bank Vorstandschef Cryan: Staatshilfen sind kein Thema

John Cryan, ab dem 1. Juli Co-Vorsitzender der Deutschen Bank, auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2011. (AFP / Sebastian Derungs)

Die Deutsche Bank steht mächtig unter Druck. Nun gibt es erste Spekulationen über Staatshilfen. Vorstandschef John Cryan hat aber klargestellt, dass es keine Gespräche mit der Bundesregierung über einen Rettungsplan gebe.

Kriegsmüdes KolumbienFrieden nach fünf Jahrzehnten Bürgerkrieg

Drei Männer in weißen Händen schütteln sich die Hände, umgeben von vielen anderen Männern und Frauen, die Fahnen schwingen und auch in Weiß gekleidet sind.  (imago / Xinhua)

Es war weltweit der längste Bürgerkrieg mit mehr als 220.000 Todesopfern. Nach 50 Jahren Krieg scheint in Kolumbien eine Zeit des Friedens anzubrechen. Viele hoffen jetzt auf einen Prozess der Auseinandersetzung, Reflexion und Versöhnung.

VegetarierFleischersatz weniger gesund als gedacht

Ein Mann hält verschiedene vegetarische Fleischersatzprodukte nach oben. (picture alliance/ dpa/ Daniel Karmann)

Fleischersatzprodukte- mittlerweile gibt es sie in vielen Formen. Allerdings sind die Fleischalternativen weniger gesund als gedacht. Die Stiftung Warentest hat in ihrer jüngsten Untersuchung sogar festgestellt, dass sich gesundheitsschädliche Mineralöle in den Produkten befinden.

Pflegekräfte aus OsteuropaWa(h)re Engel

Viele mobile Pflegedienste sind am Markt tätig und bieten ihre Leistungen an. (dpa / picture alliance / Volkmar Heinz)

In Osteuropa gibt es nicht genügend Jobs, und in Deutschland fehlen Pflegekräfte. Deshalb kommen viele Frauen aus osteuropäischen Ländern nach Deutschland, um alte Leute zu versorgen. Entstanden ist dadurch ein System der Ausbeutung.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Türkei  Ausnahmezustand soll verlängert werden | mehr

Kulturnachrichten

Wim-Wenders-Stipendium vergeben  | mehr

Wissensnachrichten

Blackberry  Schluss mit eigenen Smartphones | mehr