Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Große Koalition streitet weiter über Jugendstrafrecht

Zentralrat der Juden vergleicht Kochs Wahlkampf mit Niveau der NPD

Sollen Jugendliche härter bestraft werden? (AP)
Sollen Jugendliche härter bestraft werden? (AP)

CSU-Chef Erwin Huber hat die Sozialdemokraten aufgefordert, gemeinsam mit der Union schnellstmöglich ein breit angelegtes Konzept zur Bekämpfung der Jugendkriminalität zu erarbeiten. Verhandlungen darüber könnten schon nächste Woche aufgenommen werden, sagte Huber im Deutschlandfunk.

Angesichts zunehmender Gewalttaten müsse man handeln und könne nicht einfach auf die bestehende Rechtslage verweisen. Huber räumte ein, dass schärfere Gesetze allein das Problem nicht lösen könnten. Zugleich wies er Kritik am hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) zurück. Manchmal seien deutliche Formulierungen notwendig, um wachzurütteln. (Text/ MP3-Audio)

Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, kritisierte Kochs Wahlkampf dagegen scharf. Dessen Niveau unterscheide sich kaum noch von dem des Wahlkampfs der NPD, sagte Kramer.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla entgegnete, die Vorwürfe von Kramer seien "an Absurdität gar nicht mehr zu überbieten". Es gehe der Union "überhaupt nicht um eine Stigmatisierung" von Ausländern. Pofalla kritisierte zugleich die "Blockadehaltung" der SPD gegenüber einer Gesetzesverschärfung.

Von Grünen, Linkspartei und SPD kam unterdessen erneut scharfe Kritik an den Forderungen aus der Union. "Die Forderung nach Verschärfung, wie sie die Union und vor allem Roland Koch in Hessen vertritt, ist billig, niederträchtig und ein Beispiel dafür, wie man ein mit Angst besetztes Thema für den Wahlkampf instrumentalisiert", sagte Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn der Oldenburger "Nordwest-Zeitung". Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine kritisierte den Vorstoß Kochs im hessischen Landtagswahlkampf als unglaubwürdig. "Die CDU ruft nach schärferen Gesetzen und Erziehungscamps und streicht gleichzeitig Stellen bei Jugendsozialarbeitern. Das passt hinten und vorne nicht zusammen", sagte Lafontaine der "Frankfurter Rundschau". Auch Altkanzler Gerhard Schröder griff Koch und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an. "Offenkundig sind beide auf dem rechten Auge blind. Hier wird mit Einseitigkeiten Wahlkampf betrieben. Das ist eine Wahlkampfhetze, für die Herr Koch bekannt ist", sagte der SPD-Politiker der "Bild"-Zeitung.

Der ehemalige Gefängnispfarrer der Jugendstrafanstalt Siegburg, Rudolf Hebeler, erläuterte im Deutschlandradio Kultur, das Thema Jugendkriminalität löse in der Bevölkerung immer wieder Emotionen aus. Dabei zeige die Statistik, dass Jugendkriminalität in den vergangenen Jahren zurückgegangen sei. Die gleichen Politiker, die sich nun mit scharfen Forderungen zu Wort meldeten, hätten notwendiges Personal eingespart. (Text/ MP3-Audio)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:27 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr On Stage

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Green goes Black

Aus unseren drei Programmen

Clinton oder TrumpWen wählt der amerikanische Wutbürger?

US-Wahlkampf 2016: Hillary Clinton und Donald Trump kämpfen um das Amt. (picture / alliance / dpa / Collage Deutschlandradio)

Ob die Demokratin Hillary Clinton als erste Frau das US-Präsidentenamt übernimmt oder ob die größte Demokratie der Welt künftig von dem republikanischen Populisten Donald Trump angeführt wird: Ausschlaggebend werden die Stimmen der Unentschlossenen sein.

GesellschaftGlücklichsein gegen den Terror

Ein kleines Mädchen wirft vor Freude die Arme in die Luft. (imago stock&people)

Ist es egoistisch, in Zeiten von Terror und Gewalt auch Glück zu empfinden? Nein, meint die Soziologin Hilke Brockmann. Vielmehr sei das auch ein Statement gegen Terroristen, die genau dieses Glück beschädigen wollten.

Armin Nassehi"Religion ist etwas Wildes"

(dpa / picture alliance / Erwin Elsner)

Der Münchner Soziologe Armin Nassehi ist Sohn einer katholisch sozialisierten Schwäbin und eines Iraners. Er hat sich als junger Mann für die Taufe entschieden. Heute bezeichnet er sich als Kultur-Katholik. Er hadert immer wieder mit der Religion. Denn "sie kann sehr gefährlich sein."

Papst in AuschwitzIn aller Stille

Papst Franziskus berührt mit dem rechten Arm die sogenannte "Schwarze Wand" in Auschwitz. (picture alliance / dpa / Radek Pietruszka / PAP)

Papst Franziskus hat im früheren deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz der Opfer der Nationalsozialisten gedacht. Anders als seine Vorgänger verzichtete er auf öffentliche Worte. Stattdessen betete Franziskus lange und traf sich mit Überlebenden.

Rücktritt von Schweinsteiger"Es war mir eine Ehre"

Bastian Schweinsteiger applaudiert dem Publikum bei der EM 2016 (imago sportfotodienst)

Der Weltmeistertitel bleibt sein krönender Abschluss: Kapitän Bastian Schweinsteiger beendet nach 120 Länderspielen seine Karriere in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Er habe den Bundestrainer gebeten, ihn in Zukunft bei der Nominierung nicht mehr zu berücksichtigen.

Politologin Gesine Schwan"Ich lebe, um die Welt besser zu machen"

Gesine Schwan im Studio von Deutschlandradio Kultur (Stefan Ruwoldt / Deutschlandradio)

Um Demokratie und Rechtsstaat gegen Populisten zu verteidigen, müssen alle mittun: Das verlangt die Politologin Gesine Schwan. Sie komme aus einer konfliktreichen Familie, in der beim Essen viel über politisches Engagement und den Weltfrieden diskutiert wurde.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Pro-Erdogan-Demo  Gabriel warnt vor Spaltung der Gesellschaft | mehr

Kulturnachrichten

Georg Uecker findet Zuspruch bei Freunden und Kollegen  | mehr

Wissensnachrichten

Beziehungen  Bei Streiten an die Zukunft denken | mehr