Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

"Große menschliche und religiöse Geste"

Reaktionen auf den Rücktritt von Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt auf dem Balkon des Petersdoms (picture alliance / dpa / OSSERVATORE ROMANO EDITORIAL USE ONLY)
Papst Benedikt auf dem Balkon des Petersdoms (picture alliance / dpa / OSSERVATORE ROMANO EDITORIAL USE ONLY)

Der angekündigte Rücktritt von Papst Benedikt XVI. hat bei vielen Politikern und Geistlichen für Bestürzung und Bedauern gesorgt. Doch auch Kritiker meldeten sich zu Wort.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Papst Benedikt XVI. als einen der bedeutendsten religiösen Denker der Gegenwart gewürdigt. "Wenn der Papst selbst jetzt nach reiflicher Prüfung zu dem Entschluss gekommen ist, seine Kraft reiche nicht mehr für die Ausübung seines Amtes, so hat das meinen allerhöchsten Respekt", sagte Merkel in Berlin.

Bundespräsident Joachim Gauck in Rostock (picture alliance / dpa / Jens Büttner)Bundespräsident Joachim Gauck (picture alliance / dpa / Jens Büttner)Bundespräsident Joachim Gauck bescheinigte dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche "großen Mut und Selbstreflexion". Der Papst habe mit seiner einfachen Sprache auch Nicht-Katholiken den Weg zum Glauben geöffnet.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer bedauert den Rücktritt. "Die Entscheidung von Papst Benedikt XVI. verdient größten Respekt, auch wenn ich sie persönlich zutiefst bedauere", sagte der CSU-Parteichef.

Auch Italiens Ministerpräsident Mario Monti zeigte sich überrascht und geschockt von der Nachricht. "Ich bin sehr erschüttert über diese unerwartete Nachricht", sagte er in Mailand.

US-Präsident Barack Obama brachte seine Wertschätzung ebenfalls zum Ausdruck. Er schließe Benedikt in seine Gebete ein. Die Kirche spiele eine entscheidende Rolle in den Vereinigten Staaten und der ganzen Welt, meinte Obama. Er wünsche all jenen alles Gute, die bald zusammenkommen werden, um einen Nachfolger zu wählen.

Großbritanniens Premierminister David Cameron bedauerte: "Millionen Menschen werden ihn als geistliches Oberhaupt vermissen."

Als "kurz, aber sehr schwer" charakterisiert EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy die Amtszeit Benedikts. Er respektiere die Entscheidung des katholischen Kirchenoberhauptes, vor allem weil dieser "entgegen der Tradition" zurückgetreten sei.

Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (AP)Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch (AP)"Die Nachricht vom Rücktritt unseres Heiligen Vaters bewegt mich zutiefst", erklärte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, nach dem Bekanntwerden des Rücktritts von Papst Benedikt XVI. "Er wird uns fehlen." Der Rücktritt sei eine "große menschliche und religiöse Geste".

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bezeichnete die Rücktrittsankündigung als bewegenden Schritt. "Dass Ämter nur auf Zeit wahrgenommen und dass man ab einem bestimmten Lebensalter von allen amtlichen Pflichten befreit ist, gehört zum Maß des Menschlichen", erklärte der EKD-Ratsvorsitzende, Nikolaus Schneider.

Die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) würdigte den Schritt als "verantwortungsvoll". "Benedikt ist körperlich offensichtlich nicht mehr in der Lage seinen enormen Aufgaben gerecht zu werden", sagte KEK-Generalsekretär Guy Liagre in Genf. "Seine Entscheidung verdient tiefen Respekt."

Der Bruder des Papstes, Georg Ratzinger, reagiert gelassen und erleichtert. Schon seit längerer Zeit habe er von den Plänen seines Bruders gewusst, sagte der ehemalige Regensburger Domkapellmeister

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sagte, eine solche Entscheidung verdiene großen Respekt, wenn man sie selbst treffe, "weil man sich seinen Aufgaben nicht mehr gewachsen fühlt". Er hoffe, dass das "unter Papst Benedikt XVI. gute Verhältnis zu den jüdischen Gemeinden" auch unter dessen Nachfolger bestehen bleibe.

Die Ditib als größter islamischer Dachverband in Deutschland würdigte den Papst als Förderer des Dialogs unter den Religionen. "Das interreligiöse Gespräch war ihm ein Anliegen und so hat er zu verschiedenen Anlässen dessen Bedeutung ausdrücklich betont", erklärte die türkisch-islamische Union in Köln.

Der Theologe Hans Küng, aufgenommen am 6. Oktober 2004 auf der Buchmesse in Frankfurt am Main (AP Archiv)Der Theologe Hans Küng (AP Archiv)Auch der Theologe und Papst-Kritiker Hans Küng zollte Benedikt XVI. für seinen Rücktritt Respekt. Dieser Schritt sei "aus vielen Gründen verständlich", so Küng. "Zu hoffen ist aber, dass Ratzinger nicht Einfluss auf die Wahl seines Nachfolgers nimmt", betonte der 84-Jährige. Allerdings habe Benedikt XVI. in seiner Amtszeit so viele konservative Kardinäle berufen, dass unter ihnen kaum eine Person zu finden sei, "die die Kirche aus ihrer vielschichtigen Krise herausführen könnte".

Noch deutlichere Worte fand der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck: "Das Pontifikat von Papst Benedikt XVI. war eine verpasste Chance", schrieb er auf seiner Facebook-Seite. "Unter ihm ist die katholische Kirche teilweise wieder hinter Erneuerungen durch das zweite vatikanische Konzil zurückgefallen, beispielsweise durch die Aufhebung der Exkommunikation der antisemitisch-ausgerichteten Piusbruderschaft."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 23:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Fazit

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Nach dem Germanwings-UnglückForderung nach regelmäßigen Psycho-Tests

Blick in das Cockpit des verunglückten Airbus A320 mit der Kennung D-AIPX der Fluggesellschaft Germanwings. Das Bild entstand am 22.03.2015 auf dem Flughafen in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) nach einem der letzten Flüge vor dem Absturz der Maschine in Frankreich.  (Marius Palmen/dpa)

Die Motive des Copiloten Andreas L. sind immer noch unklar. Auch die gefundene Krankmeldung gibt Anlass zu Spekulationen. Unterdessen forderte der SPD-Innenpolitiker Lischka als Konsequenz aus dem Germanwings-Absturz regelmäßige psychologische Tests für Piloten.

Privatinitiative Sea-WatchBrandenburger will Flüchtlinge aus dem Meer retten

Die private Flüchtlingshilfe Sea Watch hat ihr Rettungsschiff getauft (27.03.15) - Initiator Harald Höppner ist links im Bild (Imago / epd)

Harald Höppner aus Brandenburg will nicht mehr zusehen, wie Flüchtlinge im Meer ertrinken: Er hat sich kurzerhand ein Schiff gekauft. Mit dem Kutter will er zukünftig im Mittelmeer patrouillieren und Menschen in Seenot retten.

NetzpolitikDas Ende des Geoblocking?

Bei manchen Inhalten im Netz sind die Länder-Grenzen noch nicht offen. EU-Kommissar Andrus Ansip will dieses "Geoblocking" abschaffen. Ein schweres Unterfangen.

Pkw-MautNur ein Erfolgserlebnis der CSU

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) steht mit verschränkten Armen im Plenarsaal des Bundestags. (picture alliance / dpa / Lukas Schulze)

Wer hätte das gedacht? Aus einer fixen Wahlkampfidee der CSU wird ein Pkw-Mautgesetz mit Hintertürchen. So hat die Große Koalition die Chance verpasst, Verkehrspolitik wirkungsvoll zu gestalten, kommentiert Johannes Kulms.

ZoologieDie Verkehrsregel der Fledermäuse

Eine Fledermaus im Flug  (imago / imagebroker )

Dass Fledermäuse in der Luft allenfalls sehr selten zusammenstoßen, ist ihrem akustischen Radarsystem zu verdanken, dem Biosonar. Wie die Tiere allerdings entscheiden, wer wem den Vorflug lässt, war bisher noch ungeklärt. Britische Biologen haben nun herausgefunden: Hier greift eine einzige einfache Regel.

DNA-MarkierungenGen-Schnipsel gegen Lebensmittelpiraten

Käse in einer Käsetheke am 04.04.2013 in Offenburg (Baden-Württemberg) in einer Filiale eines Edeka-Marktes (dpa / picture alliance / Patrick Seeger)

Kleidung, Parfum, Handys - die Welt ist voller Fälschungen. Dazu gehören auch immer mehr Lebensmittel. Die Industrie versucht das mit DNA-Markierungen zu verhindern. Doch die Fälscher werden mit Gentechnik zurückschlagen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Lufthansa zahlt Hilfen an Hinterbliebene  von Germanwings-Absturz | mehr

Kulturnachrichten

Literaturnobelpreisträger Tomas Tranströmer ist tot  | mehr

Wissensnachrichten

Flugzeugabsturz  Viele Beschwerden beim Presserat | mehr