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Große Protestwelle bleibt aus

Deutlich weniger Demonstranten in Ägypten

Nur vereinzelt kam es heute zu Zusammenstößen. (picture alliance / dpa / Khaled Elfiqi)
Nur vereinzelt kam es heute zu Zusammenstößen. (picture alliance / dpa / Khaled Elfiqi)

Nach der Entlassung des früheren Präsidenten Hosni Mubarak aus dem Gefängnis sind in Ägypten wieder Regierungsgegner auf die Straße gegangen. Die Proteste fielen aber deutlich kleiner aus als in den vergangenen Wochen. Vereinzelt ist es zu Ausschreitungen gekommen.

Der anhaltende Druck der Armee auf die Muslimbruderschaft scheint Wirkung zu zeigen. In Kairo haben sich nach dem Freitagsgebet an verschiedenen Stellen nur wenige Tausend Menschen versammelt, wie schon Korrespondent Björn Blaschke vorab vermutet hatte. In kleineren Seitenstraßen und vor Moscheen protestieren sie unter anderem gegen die Übergangsregierung und die Freilassung des früheren Präsidenten Mubarak. In einem Stadtteil sollen die Demonstranten mit Anwohnern aneinander geraten sein.

Militär und Polizei vorbereitet

An den Protesten der Islamisten beteiligten sich aber auch außerhalb Kairos wieder Menschen. In einigen Städten hat die Polizei versucht, die Proteste mit Tränengas und Warnschüssen aufzulösen. Nach Angaben örtlicher Medien kam es in zwei nördlichen Provinzen zu Ausschreitungen.

Noch immer herrscht jedoch Alarmbereitschaft in Kairo. Polizisten und schwer bewaffnete Soldaten haben die wichtigsten Zufahrtsstraßen im Zentrum gesperrt. Mehrere Gruppen, darunter Islamisten, Mitglieder der Jugendbewegung 6. April und Menschenrechtsorganisationen, hatten zu Demonstrationen gegen Mubaraks Freilassung aufgerufen.

Auch die Muslimbruderschaft hatte ihre Anhänger aufgefordert, auf die Straße zu gehen. Der aus ihren Reihen stammende, vom Militär entmachtete Präsident Mohammed Mursi ist nach wie vor in Haft. Die Muslimbrüder erklärten den Tag zum "Freitag der Märtyrer". Damit sind 36 ihrer Anhänger gemeint, die in Polizeigewahrsam ums Leben gekommen sind.

Militär verstärkt Druck auf Islamisten

Ägyptische Armee vor einer christlich-orthodoxen Kathedrale in Assiut (picture alliance / dpa / Giro Mais)Ägyptische Armee vor einer christlich-orthodoxen Kathedrale in Assiut (picture alliance / dpa / Giro Mais)Inzwischen sind die Muslimbrüder aber geschwächt. Ein Drittel der Führungsspitze der Islamisten sitzt in Untersuchungshaft, nachdem das Militär anhaltend Druck auf die Gruppe ausgeübt hat. In der Nacht zu Donnerstag war ein Sprecher der Muslimbruderschaft verhaftet worden, auch das spirituelle Oberhaupt der Organisation, Mohammed Badie, wurde festgenommen.

Sechs Wochen nach der Entmachtung der Muslimbruderschaft in Ägypten verließ der frühere Präsident Mubarak am Donnerstag das Gefängnis. Der 85-Jährige wurde per Hubschrauber in ein Kairoer Militärkrankenhaus gebracht, in dem er unter Arrest gestellt wird.

Seine Freilassung spalte Ägypten, berichtet Korrespondent Carsten Vick. Viele Menschen befürchteten einen Rückfall in alte Zeiten, ein Zurückdrängen der Demokratiebewegung, die Mubarak gestürzt hatte. Andere sähen die Freiheit für Mubarak gelassen - für sie spiele der Ex-Machthaber ohnehin keine Rolle mehr.

Deutsch-Ägyptische IHK-Chef: "Verständnislosigkeit gegenüber Europa"

Rainer Herret, Geschäftsführer der Deutsch-Ägyptischen Industrie- und Handelskammer, berichtete aus Kairo im Deutschlandradio Kultur von einer "absoluten Verständnislosigkeit" bei der großen Mehrheit der ägyptischen Bevölkerung gegenüber der kritischen Reaktion des Westens auf Mursis Entmachtung. Die große Mehrheit der Ägypter sei der Auffassung, man habe mit dem Sturz Mursis in letzter Minute ein "faschistisches religiöses Unterdrückungssystem" verhindert. Der fehlende Rückhalt der Europäer dafür spiele nun arabischen Staaten wie Saudi-Arabien in die Hände.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:16 Uhr

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