Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Grüner Höhenflug in Baden-Württemberg

CDU und FDP mit herben Verlusten

Winfried Kretschmann (r), Spitzenkandidat der Grünen und Nils Schmid, Spitzenkandidat der SPD (l). (picture alliance / dpa)
Winfried Kretschmann (r), Spitzenkandidat der Grünen und Nils Schmid, Spitzenkandidat der SPD (l). (picture alliance / dpa)

In Baden-Württemberg ist die CDU nach 58 Jahren abgewählt. Laut vorläufigem amtlichen Endergebnis erreichen die Grünen 24,2 Prozent und sind zweitstärkste Partei nach der CDU mit 39 Prozent. Die SPD erreicht 23,1 Prozent. Das reicht für eine knappe Mehrheit für Grün-Rot. Das Land wird mit Grünen-Chef Winfried Kretschmann voraussichtlich den ersten "grünen" Ministerpräsidenten stellen.

<p>Laut vorläufigem amtlichen Endergebnis erreichen die Grünen mit ihrem Spitzenkandidaten Winfried Kretschmann 24,2 Prozent und sind zweitstärkste Partei nach der CDU mit 39 Prozent. Die SPD erhält 23,1 Prozent. Die FDP schaffte mit 5,3 Prozent knapp den Sprung in den Landtag. Die Linkspartei, die das erste Mal für den Stuttgarter Landtag aufgestellt war, schaffte die Fünfprozent-Hürde nicht. Insgesamt waren 19 Parteien zur Wahl zugelassen. Die Wahlbeteiligung lag mit 66 Prozent deutlich höher als vor fünf Jahren (2006: 53,5 Prozent).<br /><br /></p><p><strong>Vorläufiges amtliches Endergebnis:</strong></p><p> <strong>CDU</strong> 39 Prozent<br /><strong>Grüne</strong> 24,2 Prozent<br /><strong>SPD</strong> 23,1 Prozent<br /><strong>FDP</strong> 5,3 Prozent<br /><strong>Linke</strong> 2,8 Prozent<br /><strong>Wahlbeteiligung:</strong> 66,2 Prozent<br /><br />Das reicht für eine knappe Mehrheit einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. Grün-Rot kommt zusammen auf 71 Sitze im Parlament und hätte damit vier Sitze mehr als Schwarz-Gelb (67 Sitze). Experten schlossen zunächst nicht aus, dass Schwarz-Gelb aufgrund der Überhangmandate doch noch eine Mehrheit im Landtag bekommen könnte. Das Wahlrecht des Bundeslandes begünstigt tendenziell die stärkste Partei. "Durch Überhangmandate kann es dazu kommen, dass eine Koalition die Mehrheit der Sitze hat, obwohl sie überhaupt nicht die Mehrheit der Stimmen hat", <a class="link_audio_beitrag" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/03/27/dlf_20110327_1942_aad5d887.mp3" title="Analyse Frank Decker(MP3-Audio)">erklärte Politikwissenschaftler Frank Decker im Deutschlandfunk.</a> <br /><br /></p><p><strong>Kretschmann: "Historische Wende"</strong></p><p><papaya:media src="45eee838213b7ba26cd8944f4e4b8ef7" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Der Spitzenkandidat der baden-württembergischen Grünen, Winfried Kretschmann, jubelt" popup="yes" />Die Grünen feierten ihr historisches Ergebnis mit einem badischen Bio-Crémant. Spitzenkandidat Winfried Kretschmann bedankte sich bei seinen Parteimitglieder für den grandiosen Wahlkampf: "Es hat uns richtig herausgefordert, wir wurden herausgefordert und wir haben herausgefordert. Und jetzt haben wir die historische Wende in diesem Land erreicht. Wir werden in diesem Land einen Politikwechsel einleiten, und wir werden den versprochenen Weg in die Bürgergesellschaft gehen, und wir werden den versprochenen Politikwechsel mit der Bevölkerung von Baden-Württemberg zusammen einleiten", sagte Winfried Kretschmann. <papaya:link href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/03/27/dlf_20110327_1833_3aaa4d0a.mp3" text="Stimmung in Baden-Württemberg (MP3-Audio)" title="Stimmung in Baden-Württemberg (MP3-Audio)" target="_self" /><br /><br /><a class="link_audio_beitrag" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/03/27/dlf_20110327_1810_7a9a4a75.mp3" title="Reaktionen auf die Prognose in Baden-Württemberg(MP3-Audio)">"Es ist ein historisches Ergebnis. Wir Grüne sind überglücklich und wissen, was für eine große Verantwortung wir haben.</a> Wir werden in den nächsten fünf Jahren dieses Land regieren wollen und das mit aller Kraft und aller Zuversicht tun", sagte der Grünen-Landesvorsitzende Chris Kühn im Deutschlandfunk.<br /><br />Die SPD verbuchte mit ihrem Spitzenkandidaten Nils Schmid zwar das schwächste Ergebnis in Baden-Württemberg, darf aber dennoch als Juniorpartner auf die Regierungsbeteiligung hoffen. "Das erste Wahlziel ist erreicht, Schwarz-Gelb ist weg. Das zweite Wahlziel ist auch erreicht: Wir werden mit den Grünen regieren. Jetzt warten wir mal ab, wie es sich noch austariert. Und die Linken sind nicht drin, die brauchen wir nicht. Also, alle drei Wahlziele sind erreicht, deswegen freuen wir uns alle", freute sich der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion Wolgang Drexler. <br /><br /></p><p><strong>CDU: Nach 58 Jahren in die Opposition</strong></p><p>Ganz anders dagegen bei der CDU. Dort ist die Stimmung nach dem Debakel am Tiefpunkt. Für die CDU ist es das schlechteste Ergebnis seit 1952 und die Partei muss nach 58 Jahren in die Opposition. Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) sprach von einem Wahlkampf mit besonderen Herausforderungen und einer ausgesprochenen Härte. "Dieses Ergebnis ist ein bitteres für die CDU in Baden-Württemberg. Es ist für uns eine neue Herausforderung. Wir müssen nun die Rolle, die uns der Wähler zugeteilt hat auch annehmen. Wir werden uns dann als CDU in dieser Opposition <a class="link_audio_beitrag "href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/03/27/dlf_20110327_1908_dac6f978.mp3" title="CDU: Neuanfang in Baden-Württemberg (MP3-Audio)">neu aufstellen, erneuern und dann auch wieder voll angreifen</a>", sagte sie im Deutschlandfunk.<br /><br />Verhalten waren auch die Reaktionen aus der CDU-Parteizentrale in Berlin. Applaus gab es nur, als die <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="203978" text="Hochrechnungen für Rheinland-Pfalz" alternative_text="Hochrechnungen für Rheinland-Pfalz" /> bekannt gegeben wurden. Dort erreichte die Spitzenkandidatin Julia Klöckner mit 35,2 Prozent immerhin einen Achtungserfolg. <a class="link_audio_beitrag" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/03/27/dlf_20110327_1846_aaa230e2.mp3" title="Stimmung CDU-Parteizentrale (MP3-Audio)">(Stimmung in der CDU-Parteizentrale)</a> <br /><br /></p><p><strong>Westerwelle: Haben verstanden</strong></p><p>Die Liberalen nannten die Atompolitik und die Ereignisse in Japan als Gründe für das schlechte Ergebnis. "Entscheidend ist das Thema Energiepolitik gewesen. Es ist das Thema, das die Menschen bewegt hat. Es war eine Abstimmung über die Zukunft der Atomkraft. Wir haben verstanden und deswegen ist dies auch ein Ergebnis, das nicht nur in den Landesverbänden, sondern auch in Berlin besprochen werden muss", <a class="link_audio_beitrag" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/03/27/dlf_20110327_1915_9ac45d6d.mp3" title="Guido Westerwelle zur Wahlniederlage der FDP (MP3-Audio)">kündigte FDP-Chef Guido Westerwelle nach dem Abschneiden seiner Partei bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg an.</a> <br /><br /></p><p><strong>Wutbürger wählen Mappus ab</strong></p><p><papaya:media src="b01d9c2feb75cd1fc47dae2521e204fe" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Stefan Mappus" popup="yes" />Stefan Mappus (CDU) stellte sich bei der Landtagswahl 2011 erstmals dem Bürgervotum. Er hatte das Amt des Ministerpräsidenten im Februar 2010 von Günther Oettinger übernommen, der als EU-Kommissar nach Brüssel berufen wurde. Der vormalige Umwelt- und Verkehrsminister galt als Hoffnungsträger der CDU. Nun muss er nach einem Jahr die Villa Reizenstein wieder räumen. Dort könnte künftig der Grünen-Chef Winfried Kretschmann einziehen - als erster grüner Ministerpräsident in der Geschichte des Landes.<br /><br /></p><p><strong>Stuttgart 21 und Atompolitik</strong></p><p><papaya:media src="09c63449850276140cb408adcdbf6261" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Stuttgart 21 und die Wahl" popup="yes" />Der grüne Spitzenkandidat konnte vor allem bei den beiden bestimmenden Themen, dem Bahnprojekt Stuttgart 21 und der Atompolitik, die Wähler auf seine Seite ziehen. Ganz im Gegenteil zu Stefan Mappus. Der unterschätzte bei Stuttgart 21 lange den Widerstand gegen die Tieferlegung des Bahnhofs, bis es am 30. September 2010 zur Eskalation zwischen Polizei und Demonstranten mit Pfefferspray und Wasserwerfern kam.<br />Beim Thema Atompolitik machte er zuerst mit dem Anteilskauf am Energiekonzern EnBW von sich reden, seit der Atomkatastrophe in Japan und dem Kraftwerksmoratorium der Bundesregierung verlor die schwarz-gelbe Regierung in Stuttgart beim Thema Atompolitik an Vertrauen.<br /><br /></p><p><strong>Ergebnisse der Landtagswahl 2006</strong></p><p>Bei der Landtagswahl 2006 hatte die CDU unter Ministerpräsident Günther Oettinger 44,2 Prozent erhalten. Die SPD verbuchte mit 25,2 Prozent ihr zweitschlechtestes Wahlergebnis nach 1996 in Baden-Württemberg. Die Grünen wurden mit 11,7 Prozent drittstärkste Partei. Die FDP erreichte damals mit 10,7 Prozent das beste Ergebnis seit 1968. Die Wahlbeteiligung erreichte den historischen Tiefststand von 53,4 Prozent (2001: 62,6).<br /><br /><strong>Mehr zum Thema:</strong><br /><papaya:addon addon="13ce92bc07c8e837729a6ac5022b9a1b" portal="71" text="Alles zu den Landtagswahlen 2011" alternative_text="Alles zu den Landtagswahlen 2011" /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="124592" text="Interview der Woche mit Stefan Mappus" alternative_text="Interview der Woche mit Stefan Mappus" /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="124631" text="Interview der Woche mit Winfried Kretschmann" alternative_text="Interview der Woche mit Winfried Kretschmann" /></p>
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:41 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 14:10 Uhr Deutschland heute

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:07 Uhr Kompressor

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Brexit-Verhandlungen"Hand ausstrecken haben wir ja dauernd gemacht"

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn (AFP/Matthew Mirabelli)

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn hat das britische Versprechen begrüßt, EU-Bürger nach dem Brexit nicht auszuweisen. "Alles andere wäre ja eine Kampfansage an die Europäische Union gewesen", sagte Asselborn im Dlf. Die knallharte europhobe Stimmung wie vor der britischen Parlamentswahl sei verflogen.

Muslimische DistanzierungsritualeGuter Moslem, böser Moslem

Männer beten auf einer Kundgebung gegen Islamophobie und Rassismus in Berlin. (imago / Christian Ditsch)

Ein Zeichen gegen den Terror wollten Muslime setzen, sich vom Extremismus distanzieren. Doch im Streit um das richtige Signal offenbaren die Verbände der muslimischen Community vor allem eins: ihre chronische Selbstbeschäftigung, meint Islamwissenschaftler Fabian Köhler.

SNAPCHATSnapMaps soll Instagram abhängen

Snapchat hat mit Instagram-Stories harte Konkurrenz. Jetzt hat Snap Inc. das Startup Zenly gekauft. Einen Kartendienst.

Vermeintliches WundermittelMediziner lehnt Methadon in der Krebstherapie ab

Durch ein Mikroskop ist der Anreicherungsprozess von Nanopartikeln in Krebszellen zu sehen. (Jan Woitas/dpa-Zentralbild)

Ein Wundermittel gegen Krebs? Derzeit wird in den Medien über den Einsatz von Methadon im Kampf gegen Krebs diskutiert. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Lukas Radbruch, hält davon allerdings wenig.

documenta-echo: Irena HaidukUniformen für die Freiheit

Sechs schwarz gekleidete frauen schreiten in zwei Dreierreihen vor dem Fridericianum. Auf dem kopf balancieren sie jeweils ein Buch. (Deutschlandradio / Änne Seidel)

Ein schlichtes Kleid, dazu ergonomische Schuhe: "Yugoform" nennt die serbische Künstlerin Irena Haiduk die Kleidung, die sie auf der documenta zum Kauf anbietet - eine bequeme Uniform für die arbeitende Frau und Teil ihrer documenta-Arbeit "Seductive Exacting Realism".

Vor 50 JahrenKZ-Kommandant Franz Stangl wird an die BRD ausgeliefert

Der ehemalige Kommandant der Vernichtungslager Treblinka und Sobibor, Franz Stangl (r) wird am 23. Juni 1967 von einem Polizeibeamten zum Flughafen nach Rio de Janeiro (Brasilien) gebracht, um an die Bundesrepublik ausgeliefert zu werden. Franz Stangl, der nach dem Zweiten Weltkrieg über Italien und Syrien 1951 nach Brasilien emigrierte und dort unter seinem Namen in einem Zweigwerk des Volkswagenwerkes arbeitete, wurde von Simon Wiesenthal aufgespürt und 1967 an die Bundesrepublik ausgeliefert. (picture alliance / dpa / UPI)

Franz Stangl war für den Tod von nahezu einer Million Juden verantwortlich. Nach Kriegsende flüchtete der KZ-Kommandant nach Syrien, kurz darauf nach Brasilien. Nach jahrelanger Suche wurde er gefasst und vor 50 Jahren an die Bundesrepublik Deutschland ausgeliefert.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

EU-Streit um Flüchtlinge  Juncker hat wenig Hoffnung auf Lösung | mehr

Kulturnachrichten

Ist Robert Del Naja doch Banksy?  | mehr

 

| mehr