Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

"Guardian" wegen Snowden unter Druck

Britische Regierung soll Vernichtung von Quellen erzwungen haben

Der britische "Guardian" hat viele Artikel über die Spähaffäre veröffentlicht. (dradio.de / hb)
Der britische "Guardian" hat viele Artikel über die Spähaffäre veröffentlicht. (dradio.de / hb)

Die britische Zeitung "The Guardian" hatte Geheimdokumente des Informanten Edward Snowden veröffentlicht. Die britische Regierung setzte die Blattmacher offenbar massiv unter Druck - Geheimdienstmitarbeiter sorgten dafür, dass Festplatten mit Snowden-Dokumenten zerstört wurden.

Unter Aufsicht von zwei Experten des britischen Geheimdienstes seien im Keller der Londoner Redaktion Computerfestplatten zertrümmert worden, schreibt der Chefredakteur, Alan Rusbridger,in einem Leitartikel für den "Guardian". "Das war einer der bizarrsten Momente in der Geschichte meines Blattes", zitiert ihn London-Korrespondentin Barbara Wesel im Deutschlandradio Kultur.

Mitten in der Arbeit der Redaktion an Dokumenten des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden sei er von "einem sehr hochrangigen Regierungsvertreter, der angab, die Meinung des Premierministers zu vertreten", kontaktiert worden. Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes hätten bereits vor einigen Wochen von der Zeitung die Zerstörung oder Aushändigung der Dokumente Snowdens gefordert. Andernfalls werde die Regierung juristisch gegen die Zeitung vorgehen. Ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums habe zudem gesagt: "Sie hatten Ihre Debatte. Es gibt keine Notwendigkeit, weiterzuschreiben."

Datenweitergabe bei Abflug in Berlin

Der "Guardian"-Journalist Glenn Greenwald hatte in den vergangenen Wochen wiederholt Dokumente Snowdens veröffentlicht, wodurch umfangreiche Ausspähprogramme des US-Geheimdienstes NSA bekannt wurden. Die Veröffentlichungen haben vor allem die US-Regierung stark unter Druck gesetzt.

Britische Behörden hatten am Sonntag auf dem Flughafen London-Heathrow den brasilianischen Lebenspartner Greenwalds, David Miranda; unter Verweis auf ein Anti-Terror-Gesetz für neun Stunden festgesetzt und befragt - nach einer Vorwarnung der US-Behörden. Miranda hatte einen Zwischenstopp in Heathrow auf seinem Flug von Berlin nach Rio de Janeiro. Wie die Informationen über die Flugdaten an die US-Behörden gelangten, ist nicht bekannt.

Die brasilianische Regierung hat in London offiziell gegen die stundenlange Festsetzung von David Miranda protestiert. Dessen Behandlung auf dem Flughafen Heathrow sei "nicht zu rechtfertigen", sagte Außenminister Antonio Patriota in einem Telefonat mit seinem britischen Kollegen William Hague, wie die Zeitung "O Globo" am Dienstag berichtete. Zudem wurde in Brasilien der britische Botschafter vorgeladen.

Mehr auf dradio.de:

Kommentar: Tobias Armbrüster fragt sich - , ob die beiden Ereignisse um den "Guardian" nichts weniger als eine neue Art der staatlichen Rollenverteilung kennzeichnen.

"Da bewegen sich Geheimdienste wie Mächte" - Geheimdienste seien Behörden und "müssen demokratisch kontrolliert werden", sagt der Journalist Hans Leyendecker

Kommentar: Lächerliche Aktion gegen den Guardian - Jens-Peter Marquardt fühlt sich an James-Bond-Filme erinnert



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:16 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 14:35 Uhr Campus & Karriere

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:07 Uhr Kompressor

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Kampf gegen lästige SchweißfleckenWarum Langzeitdeos nicht immer die beste Wahl sind

Regale mit Deodorants in einem Drogeriemarkt. (dpa / picture alliance / Norbert Försterling)

Sie versprechen einen Langzeitschutz von bis zu 72 Stunden ohne unangenehme Geruchsentwicklung: Langzeitdeos. Beim Kauf eines Deos sollten Kunden jedoch genau auf die Inhaltsstoffe achten. Denn auch wenn bisher der Zusammenhang zwischen Aluminiumsalzen und Brustkrebs nicht eindeutig wissenschaftlich belegt ist, Vorsicht ist dennoch geboten.

Ausstellung "After the Fact"Glauben, was man nicht sieht

Fotostill der Performance "A Room of One's Own: Women and Power in the New America (Ein eigenes Zimmer: Frauen und Macht im Neuen Amerika)" auf der Whitney Biennial 2008 (Photo Eduardo Aparicio. Courtesy der Künstlerin und Alexander Gray Associates / VG Bild-Kunst, Bonn, 2017)

Das "Postfaktische" und "Fake News" gelten als Schlüsselbegriffe der Zeit – und können als Umschreibungen von Propaganda gelesen werden. Wie Künstler diese kritisch reflektieren, zeigt die Ausstellung "After The Fact. Propaganda im 21. Jahrhundert" im Münchner Lembachhaus.

FAHRRADHELMHarte Schale ist nicht alles

Was muss ein Fahrradhelm können? Das klingt banal, ist es aber nicht. Denn die unschönen Kopfbedeckungen können und sollen uns bei einem Unfall das Leben retten. Und da ist das Material ganz schön gefordert. 

Europa-Abgeordneter David McAllister"Ich wünsche mir mehr Zusammenarbeit"

David McAllister in München mit Anzug und Krawatte (dpa/ Tobias Hase)

Vor dem Hintergrund der neuen amerikanischen Politik unter Präsident Donald Trump hat der Europa-Abgeordnete David McAllister zu mehr Zusammenarbeit innerhalb der EU aufgefordert. "Ich werbe dafür, dass es eine neue Initiative gibt, um die europäische Zusammenarbeit zu stärken", sagte McAllister im DLF.

Stephen Hawkings UmzugstippsKisten packen für den Mars

(Nasa)

Der Physiker Stephen Hawking schlug kürzlich vor, die Menschheit solle den Mars besiedeln, um die bevorstehende Unbewohnbarkeit der Erde zu überstehen. Was würde dann passieren? Sehr wahrscheinlich nicht das Erhoffte, meint Science-Fiction-Lektor Sascha Mamczak.

Privatisierung der AutobahnenWer hat das Sagen über 13.000 Kilometer?

Unzählige Autos fahren bei Nacht auf einer Autobahn und erzeugen rote und gelbe Lichtspuren.  (imago/McPHOTO)

Lange haben SPD und CSU in der Großen Koalition gegen eine Privatisierung von Autobahnen gekämpft. Dass Bund und Länder, Union und Sozialdemokraten sich jetzt doch auf die Gründung einer Autobahngesellschaft des Bundes einigen konnten, liegt daran, dass sie darin keine Privatisierung sehen. Am Donnerstag soll der Bundestag ein dickes Gesetzespaket verabschieden.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Sellering-Nachfolge  Oppermann bestätigt Nominierung Schwesigs | mehr

Kulturnachrichten

Kulturpreis Deutsche Sprache für Norbert Lammert  | mehr

 

| mehr