Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Gül zum türkischen Präsidenten gewählt

Armee will sich für Trennung von Staat und Religion einsetzen

Der türkische Außenminister Abdullah Gül wird Staatspräsident (AP Archiv)
Der türkische Außenminister Abdullah Gül wird Staatspräsident (AP Archiv)

Das türkische Parlament hat den islamisch-konservativen Politiker Abdullah Gül zum neuen Staatspräsidenten gewählt. Der AKP-Politiker Gül erhielt im dritten Wahlgang 339 Stimmen der insgesamt 550 Abgeordneten. Die Regierungspartei AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan stellt 341 Abgeordnete. In der vergangenen Woche hatte der bisherige Außenminister Gül die in den ersten beiden Wahlgängen noch erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit verfehlt.

Gül ist der erste Präsident des säkular orientierten Staates, der sich offen zu seiner islamischen Überzeugung bekennt. Die türkische Armee hatte vor dem Wahlgang noch einmal bekräftigt, sich weiterhin entschlossen für die Trennung von Staat und Religion einzusetzen. Die Streitkräfte seien entschlossen, die Demokratie und die Trennung von Staat und Religion zu verteidigen, erklärte Generalstabschef Yasar Büyükanit auf der Internetseite des Generalstabs. Gegner werfen Gül vor, er wolle als Präsident eine Islamisierung der Türkei vorantreiben.

Der Chef der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, beglückwünschte Gül. Er hoffe nun auf "neuen Schwung" für den Beitrittsprozess der Türkei zur Europäischen Union und auf "Fortschritte in einer Reihe von Schlüsselbereichen".

In den kritischen Äußerungen aus den Reihen des türkischen Militärs sieht der CSU-Politiker Ingo Friedrich keine Putschdrohung. Die Warnungen seien berechtigt und müssten in einem demokratischen Staat auch gehört werden. "Wir müssen die Entwicklung gerade hinsichtlich der Trennung von Staat und Religion aufmerksam und intensiv verfolgen", sagte das Präsidiumsmitglied des Europäischen Parlaments im Deutschlandfunk. (Text/ MP3-Audio)

Im Frühjahr hatte die Opposition Güls erste Kandidatur um die Nachfolge von Ahmet Necdet Sezer durch einen Boykott zu Fall gebracht und eine Staatskrise ("Hintergrund Politik", DLF, vom 30. April 2007) ausgelöst. Die Folge waren vorgezogene Wahlen, aus denen die AKP gestärkt hervorging.


Programmtipp: Über das Wahlergebnis und Reaktionen darauf berichten die Nachrichten- und Informationssendungen, darunter die "Ortszeit" (17.07 Uhr, Deutschlandradio Kultur) und die "Informationen am Abend" (18.10 Uhr, Deutschlandfunk).

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:24 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:05 Uhr Gottesdienst

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 10:30 Uhr Sonntagsrätsel

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Dein Sonntag

Aus unseren drei Programmen

Kultur des TodesWenn der Friedhof stirbt

Jahrhundertelang war er der einzige Ort, um die Toten zu bestatten. Doch allmählich stirbt der Friedhof selbst. Immer mehr Menschen finden ihn als letzte Ruhestätte zu teuer und die strengen Vorgaben nicht zeitgemäß. Sie lassen ihre Asche lieber übers Meer verstreuen, sich unter einem Baum beerdigen oder neben dem geliebten Haustier.

Soziologe Khosrokhavar über Terror in EuropaWarum der Dschihadismus weiter andauern wird

Der iranisch-französische Soziologe Farhad Khosrokhavar ist Studienleiter an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris. (AFP / Damien Meyer)

Seit fast 30 Jahren erforscht Farhad Khosrokhavar das Phänomen der Radikalisierung unter Moslems. Europa werde das nächste Jahrzehnt mit dschihadistischem Terror leben müssen, ist sich der iranisch-französische Soziologe sicher.

Unruhen in IndienDie Wut der Jugend von Kaschmir

Jugendliche werfen Steine auf ein indisches Polizeiauto während der Unruhen in Srinagar, der Sommerhauptstadt des indischen Teils Kaschmirs. (picture alliance / dpa / Farooq Khan)

Seit dem 8. Juli gehören Tote und Verletzte zum traurigen Alltag im indischen Teil Kaschmirs. Damals erschossen Soldaten den Kämpfer Burhan Wani. In den Augen der indischen Regierung ein Terrorist, für viele Jugendliche ein Held und Märtyrer. Seitdem gehen seine Anhänger regelmäßig demonstrieren - doch immer seltener geht es dabei friedlich zu.

Holocaust-ZeitzeugeMax Mannheimer ist tot

Der Holocaust-Zeitzeuge Max Mannheimer (dpa / picture-alliance / Andreas Gebert)

Der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer ist im Alter von 96 Jahren in einer Münchner Klinik gestorben. Er galt als wichtige Stimme für die sechs Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten Juden.

Yvonne Hofstetter: "Das Ende der Demokratie"Big Data in der Politik

Blick in die Zukunft? - Was kann künstliche Intelligenz (dpa)

Die Big Data-Unternehmerin Yvonne Hofstetter warnt in ihrem neuen Buch davor, welche Konsequenzen künstliche Intelligenz für die Politik haben könnte: Es drohe das "Ende der Demokratie". Und sie zeigt Auswege an, wie eine digitale Zukunft human gestaltet werden kann.

MedizinWach, wacher, Kaffeeschock

Kaffee ist eigentlich eine Art Psychostimulanzie, die sich auf den ganzen Körper auswirkt: der Blutdruck steigt, wir können uns besser konzentrieren und sind aktiver. Nur manchmal trinken wir eine Tasse zu viel - Dr. Johannes Wimmer weiß, was dann zu tun ist.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Flüchtlingspolitik  Tauber (CDU) sieht keinen Dissens mit CSU | mehr

Kulturnachrichten

Überraschung beim Filmfestival in San Sebastián  | mehr

Wissensnachrichten

"Spectacles"  Snapchat macht jetzt Sonnenbrillen | mehr