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Guttenberg hat vorsätzlich getäuscht

Prüfkommission der Universität Bayreuth findet in Guttenberg-Arbeit eine Fülle von Plagiaten

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bei seiner Rücktrittserklärung in Berlin. (picture alliance / dpa)
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bei seiner Rücktrittserklärung in Berlin. (picture alliance / dpa)

Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat bei seiner Doktorarbeit wissenschaftliche Standards grob verletzt und vorsätzlich getäuscht. Zu diesem Ergebnis kommt die Untersuchungskommission der Universität Bayreuth in ihrem Abschlussbericht.

Angesichts der Fülle von Plagiaten könne man nicht mehr von Bagatellverstößen sprechen, so die Kommission. Guttenberg selbst hatte in seiner Stellungnahme eine massive Überforderung eingeräumt. Ihm sei seine vielfache Belastung über den Kopf gewachsen.

Der Ex-Wissenschaftsminister Bayerns, Thomas Goppel (CSU), erklärte, er halte eine Rückkehr zu Guttenbergs in die Politik nach dem Entzug seiner Doktorwürde für äußerst unwahrscheinlich. Dieser habe "die entscheidende falsche Vorgehensweise zu verantworten", sagte Goppel im Deutschlandfunk.

Der Ex-Chefredakteur des CSU-nahen Bayernkuriers, Wilfried Scharnagl, äußerte Kritik an der Uni Bayreuth. Sie hülle ihre eigene Rolle in der Causa Guttenberg "in den Mantel des Schweigens". Drei Professoren hätten die Fehler in zu Guttenbergs Doktorarbeit übersehen, monierte Scharnagl im Deutschlandfunk.

Die Universität Bayreuth will Konsequenzen ziehen und einheitliche Qualitätsmaßstäbe für Promotionsverfahren erarbeiten. Die Staatsanwaltschaft Hof ermittelt gegen Guttenberg wegen Verstößen gegen das Urheberrecht. Es liegen mehr als 100 Anzeigen vor.

Die Einleitung der Dissertation von Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg mit dem Titel "Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU" (AP)Die Einleitung der Dissertation Guttenbergs. (AP)

Stellensuche im Netz

Das Internetprojekt GuttenPlag-Wiki hatte mit einer akribischen Detektivarbeit viele Plagiatsstellen in Guttenbergs Arbeit aufgespürt und auf einer Website veröffentlicht. Dafür wurden die - anonymen - Betreiber heute für den Grimme Online Award nominiert.

Aufgrund der Veröffentlichungen des GuttenPlag-Wikis hatten die Oppositionsparteien aber auch Teile der Wissenschaft den Druck auf Guttenberg erhöht, von seinen Ämtern zurückzutreten. Im Internet versammelten sich aber auch Befürworter des damaligen Ministers. So gründete sich in dem Netzwerk Facebook eine Gruppe mit dem Titel: "Wir wollen Guttenberg zurück".

Doktorendämmerung

Im Zuge der Guttenberg-Affäre kamen auch Verdachtsmomente gegen weitere Prominente aus dem Bereich Politik auf. So erkannte heute die Uni Konstanz der Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) ihren vor drei Jahren verliehenen Doktortitel ab. Erhebliche Teile der Arbeit von Veronica Saß enthielten Plagiate, teilte die Hochschule mit. Die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin schweigt bislang zu Vorwürfen, in ihrer Doktorarbeit an der Uni Heidelberg abgeschrieben zu haben.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:42 Uhr

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