Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Guttenberg schlägt zurück

Streit über Luftangriff bei Kundus

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will im Amt bleiben. (AP)
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will im Amt bleiben. (AP)

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor Guttenberg lehnt persönliche Konsequenzen wegen seiner Informationspolitik über den Luftangriff bei Kundus ab - und attackiert die Opposition. SPD, Linke und Grüne müssten aufpassen, sich nicht selbst dem Vorwurf der Täuschung auszusetzen, sagte der CSU-Politiker.

Die Opposition sei bereits am 6. November darüber unterrichtet worden, dass auch Taliban-Kämpfer Ziel des Angriffs bei Kundus gewesen seien. Zu Guttenberg bekräftigte in der ARD, dass der Bundeswehr-Generalinspekteur ihn weder korrekt noch umfassend unterrichtet habe und Wolfgang Schneiderhan deshalb zurückgetreten sei. Dagegen sagte Schneiderhan ebenfalls in der ARD, dass zu Guttenberg alle maßgeblichen Informationen gekannt habe. Außer einem Bericht des Internationalen Roten Kreuzes habe ihm auch der Untersuchungsbericht der NATO-Truppe ISAF vorgelegen (Michael Groth berichtete in den "Informationen am Mittag" im Deutschlandfunk über die Kundus-Affäre).

Kritik kam von der Opposition: Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel forderte den Verteidigungsminister auf, die Vorwürfe in der Kundus-Affäre aufzuklären oder zurückzutreten. Für zu Guttenberg dürften "keine anderen Maßstäbe" gelten als für seinen Vorgänger Franz Josef Jung (CDU).

SPD-Außenexperte Rolf Mützenich warf zu Guttenberg eine zu schleppende Aufklärung vor. "Ich glaube, er macht es sich etwas leicht. Er versucht, andere Verantwortliche zu benennen, ohne selbst Verantwortung tragen zu wollen", sagte Mützenich im Deutschlandfunk. Guttenberg besuche zu viele Talkshows und liefere zu wenig Substanz.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin verwies im ZDF auf die unterschiedlichen Aussagen zu Guttenbergs und Schneiderhans. Dieser Punkt werde im Bundestagsuntersuchungsausschuss "sehr spannend". Falschaussagen vor dem Gremium seien strafbar. Sollten Schneiderhan und Ex-Staatssekretär Peter Wichert bei ihren Aussagen bleiben, "dann ist Guttenberg nicht zu halten".

Der ehemalige Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Walther Stützle, warnte dagegen vor zu schnellen Rücktrittsforderungen. Dies sei "auch mangelnder Respekt gegenüber dem Parlament", sagte Stützle im Deutschlandfunk (MP3-Audio).

Nach einem ARD-Bericht gab es für das Bundeswehrlager bei Kundus "keine unmittelbare Bedrohung" und auch keine "Feindberührung". Dies habe Oberst Georg Klein jedoch als Grund angegeben, als er die Bombardierung durch die US-Luftwaffe angeordnet habe.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichete, Klein habe Schneiderhan bereits am 5. September informiert, dass er am Tag zuvor befohlen habe, die beiden entführten Tanklaster sowie an den Fahrzeugen befindliche Aufständische "durch den Einsatz von Luftstreitkräften zu vernichten". Dieser Bericht sei dem damaligen Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) einen Tag später vorgelegt worden und sei kurz darauf in der Führungsetage des Ministeriums allgemein bekannt gewesen. Allerdings ist unklar, ob die Informationen auch das Kanzleramt erreichten.

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm dementierte Berichte, wonach die gezielte Tötung von Menschen das Ergebnis einer neuen verschärften Strategie sei, die das Kanzleramt gebilligt habe. Die Vorstellung, dass es jenseits des Bundestagsmandats eine andere Strategie gebe, sei abwegig, sagte Wilhelm der "Süddeutschen Zeitung" (der Chefredakteur der "Leipziger Volkszeitung", Bernd Hilder, berichtete dagegen im "Mediengespräch" im Deutschlandradio Kultur über eine neue Eskalationsstrategie in Afghanistan).

Einem Nato-Untersuchungsbericht zufolge waren bei dem Luftangriff bis zu 142 Menschen getötet worden, darunter zahlreiche Zivilisten.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:34 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 16:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 16:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 16:00 Uhr Einhundert

Aus unseren drei Programmen

Ruben Östlund über seinen Film "The Square" Der Kunstszene den Spiegel vorhalten

Ein einen Affen mimender Künstler (Terry Notary) steht auf einem Tisch, die chic gekleideten Gäste blicken erschrocken zu ihm auf (Alamode-Film)

Die Kunstszene interessiere sich nur noch für das, was in ihrem Kosmos passiere, kritisiert der schwedische Regisseur Ruben Östlund. Das nehme er mit seinem Film "The Square" auf die Schippe. Ebenso den harten Kampf der Künstler um die kurze Aufmerksamkeit ihres Publikums.

Alltäglicher Sexismus"Dumme Sprüche sind Teil einer Vergewaltigungskultur"

Stefanie Lohaus, Missy Magazine (Deutschlandradio Kultur )

Bei sexualisierter Gewalt gehe es um die Ausübung von Macht, sagte die Kulturwissenschaftlerin Stefanie Lohaus im Dlf. Es diene dazu, Frauen sozusagen auf ihren Platz zu verweisen, sie zu verunsichern. Hier grundsätzlich etwas zu verändern, werde sehr lange dauern, ein Hashtag werde da so schnell nichts ändern.

Zeitreise von Amerikas Sklaven zu #blacklivesmatterBlack America

Menschen demonstrieren in Ferguson gegen die Ermordung des Schwarzen Michael Brown. (dpa / picture alliance / Larry W. Smith)

Bei seiner Wahl begrüßte das schwarze Amerika Barack Obama wie einen lang ersehnten Heilsbringer. Auf einer ehemaligen Sklavenplantage in Georgetown und in der Chicagoer South Side geht der Autor der Frage nach: Hat sich in der Obama-Zeit etwas verändert oder nicht?

Der jüdische EruvWas die Schnur an Manhattans Straßenlaternen bedeutet

Straße in Manhattan, durch die Luft gespannt und an einer Laterne befestigt ist ein dünner Nylonfaden. (Kai Clement)

Der Eruv spannt sich in einem Teil Manhattans von Laternenmast zu Laternenmast. Der Nylonfaden ist fast unsichtbar und erleichtert doch das Leben vieler orthodoxer Juden, die hier leben. Korrespondent Kai Clement war bei der wöchentlichen Kontrolle dabei.

Die Krim nach der AnnexionLeben mit Sanktionen

Ein Bogen wird an der Brücke über die Meerenge von Kertsch errichtet. Die Brücke soll einmal 19 Kilometer lang werden und Russland mit der Halbinsel Krim verbinden. (imago / Sergei Malgavko / TASS)

Das Leben auf der Krim dreieinhalb Jahre nach der russischen Annexion: Güter müssen aufgrund der Sanktionen per Flugzeug oder Fähre aus Russland angeliefert werden, was sie teuer macht. Die Tourismussaison war ein Flop. Doch die meisten Menschen sind guter Dinge. Gegen Kritiker wird allerdings mit aller Härte vorgegangen.

Pro Quote Bühne "Das Publikum hat ein Recht auf Qualität und Vielfalt"

Die Schauspieler Marcel Kohler und Lorna Ishema bei einer Fotoprobe zum Theaterstück "Unterwerfung" 2016 im Deutschen Theater in Berlin (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)

Theater werden zu 80 Prozent von Männern geleitet. Nur bei den Souffleusen, also im Niedriglohnbereich, ist das Verhältnis umgekehrt. Angelika Zacek vom Verein Pro Quote Bühne fordert die Häuser auf, in der nächsten Spielzeit 50 Prozent Regisseurinnen zu engagieren.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Berlin  Demonstration gegen AfD im Bundestag | mehr

Kulturnachrichten

Regisseursverband DGA schließt Weinstein aus | mehr

 

| mehr