Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Haftstrafe wegen Oben-Ohne-Protest in Tunesien

Deutsche und französische Femen-Aktivistinnen verurteilt

Die drei Aktivistinnen wurden kuzerhand festgenommen (picture alliance / dpa / Images de Tunisie)
Die drei Aktivistinnen wurden kuzerhand festgenommen (picture alliance / dpa / Images de Tunisie)

Wegen ihrer Protestaktion mit freiem Oberkörper in Tunesien sind eine deutsche und zwei französische Femen-Aktivistinnen zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

Die Frauen sollten wegen unsittlichen Verhaltens vier Monate und einen Tag im Gefängnis verbringen, sagte Souheib Bahri, einer ihrer Anwälte. Die Frauen hatten Ende Mai vor dem Justizpalast in Tunis lautstark gegen die Inhaftierung einer anderen Femen-Aktivistin protestiert. Vor Gericht sagte eine der Frauen aus, die Aktion habe sich nicht gegen die tunesischen Wertvorstellungen gerichtet, sie sei vielmehr eine Form des politischen Protests gewesen. Tunesische Juristen machten dagegen geltend, dass Nacktauftritte auch in Deutschland als exhibitionistische Handlungen mit Gefängnisstrafen von bis zu einem Jahr verfolgt werden könnten.

Die Chefin der Frauenrechts-Organisation, Inna Schewtschenko, bezeichnete den Urteilsspruch als politische Entscheidung. "Wir sind nach diesem sehr harten Urteil sehr wütend", sagte sie. Die Femen-Mitglieder würden ihre Aktionen in Tunesien ausweiten und vervielfachen. Das Land sei "diktatorisch". Auch der französische Anwalt der Aktivistinnen, Patrick Klugman, nannte den Urteilsspruch extrem hart. Es handele sich um einen schweren Angriff auf die freie Meinungsäußerung, sagte Klugman der Nachrichtenagentur AFP.

Merkel hatte sich eingeschaltet

Das Gerichtsverfahren gegen die Philosophiestudentin Josephine M. aus Hamburg und die Französinnen Margaret S. und Pauline H. war auch Thema beim Besuch des tunesischen Ministerpräsidenten Ali Larayedh in Berlin in der vergangenen Woche. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte mit Blick auf den Prozess die Achtung der Grundrechte an. Bei ihrem Treffen mit Larayedh machte sie nach eigenem Bekunden deutlich, dass man auf einen fairen und vernünftigen Umgang im rechtsstaatlichen Verfahren hoffe.

Die Protestaktion der drei Frauen am 29. Mai richtete sich gegen die Inhaftierung der Femen-Aktivistin Amina Sboui. Die Tunesierin war am 19. Mai in Gewahrsam genommen worden, weil sie gegen eine Versammlung von Salafisten protestierte und auf eine Mauer nahe einem Friedhof in Kairouan das Wort Femen geschrieben hatte.


Mehr zum Thema auf dradio.de

"Natürlich sind wir auf Konfrontation gebürstet"- Femen-Aktivistin Karla verteidigt den "Oben-ohne-Protest" gegen die Unterdrückung von Frauen
Neuer Fall von Blasphemie?- Die Aktivistinnen der ukrainischen Protestbewegung Femen sägen in Kiew ein Holzkreuz um
Sexy FEMENismus- Die ukrainische Protestbewegung von Studentinnen weitet sich aus

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:05 Uhr Wirtschaft und Gesellschaft

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:05 Uhr Studio 9

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Atomkatastrophe vor 32 JahrenDie Kinder von Tschernobyl

Kinder winken auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen (Niedersachsen) zur Begrüßung, nachdem sie zuvor aus der Republik Belarus (Weissrussland) eingetroffen sind (picture alliance/ dpa/ Holger Hollemann)

Nach der Nuklearkatastrophe in Tschernobyl gründeten sich Hilfsvereine, die Kinder in deutsche, österreichische und Schweizer Gastfamilien holten. Noch heute reisen Jungen und Mädchen aus dem verstrahlten Gebiet regelmäßig nach Deutschland. In der Heimat haben sie mit den Folgen des GAUs zu kämpfen.

Frank Schätzing über künstliche Intelligenz"Sie kann uns das Paradies bereiten oder uns alle abmurksen"

Ein Porträt von Bestsellerautor Frank Schätzing (imago / Future Image)

In seinem neuen Buch "Die Tyrannei des Schmetterlings" beschäftigt sich Frank Schätzing mit künstlicher Intelligenz. Schätzing hält KI für das derzeit interessanteste Forschungsfeld überhaupt - und fragt sich, was noch vom Menschen bleibt, wenn die von ihm gebauten Maschinen Bewusstsein entwickeln.

Aus für den EchoGut für die Glaubwürdigkeit, schlecht für den Jazz

Die Echo-Trophäe (Bild aus dem Jahr 2015) (dpa-Bildfunk / Matthias Balk)

Der Echo ist Geschichte. Politisch wird das begrüßt, doch es sind auch andere Töne zu hören: Martin Krüger, Präsident des Deutschen Musikrats, bedauert das Aus für den Musikpreis.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Verhandlungen über US-Strafzölle  Kompromiss scheint möglich | mehr

Kulturnachrichten

WDR setzt externe Gutachterin ein  | mehr

 

| mehr