Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Hamas lässt israelischen Soldaten Schalit frei

Häftlingsaustausch in Nahost hat begonnen

Der freigelassene Gilad Shalit (l.) bei der ersten Begegnung mit seinem Vater Noam auf der Nof Air Force base in Israel.
Der freigelassene Gilad Shalit (l.) bei der ersten Begegnung mit seinem Vater Noam auf der Nof Air Force base in Israel. (picture alliance / dpa/Ariel Hermoni)

Israel und die radikal-islamische Palästinenserorganisation Hamas tauschen Gefangene aus. Für den israelischen Soldaten Gilad Schalit werden über 1000 palästinensische Häftlinge freigelassen. Bei der Aktion handelt es sich um den größten Gefangenenaustausch seit einem Vierteljahrhundert.

Schalit befand sich über fünf Jahre in der Gewalt der Hamas. Am 25. Juni 2006 war der damals 19-Jährige im Grenzgebiet zum Gazastreifen in einen Hinterhalt geraten und von der Hamas verschleppt worden. Zwei seiner Kameraden wurden bei dem Zwischenfall getötet. Zuvor waren jahrelange Vermittlungsbemühungen über einen Austausch Schalits erfolglos geblieben.

Nach einem Zwischenstopp in Ägypten wurde der 25-Jährige nach Israel gebracht, wo er zunächst von Benjamin Netanjahu, Verteidigungsminister Ehud Barak und Generalstabschef Benni Ganz empfangen werden soll.

Palästinenser warten in der Nähe des israelischen Militärgefängnisses Ofer auf die Freilassung palästinensischer GefangenerPalästinenser warten in der Nähe des Militärgefängnisses Ofer auf die Freilassung palästinensischer Gefangener. (picture alliance / dpa / Atef Safadi)Im Gegenzug des unter ägyptischer und deutscher Vermittlung zustande gekommenen Abkommens lässt Israel über 1000 Palästinenser in zwei Phasen frei. Nach israelischen Angaben sind in den Morgenstunden 477 Häftlinge aus dem Keziot-Gefängnis in der Negev-Wüste sowie aus dem Hasharon-Gefängnis im Zentrum des Landes an Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz übergeben worden.

Im Gazastreifen und im Westjordanland bejubelten tausende Menschen die Entlassung der ersten palästinensischen Gefangenen. In zwei Monaten soll eine weitere Gruppe von 550 Palästinensern freikommen. Einige der Freigelassenen werden in den Gazastreifen oder ins Westjordanland gebracht, andere direkt ins Exil geschickt.

Umstrittener Austausch

In Israel ist die Freilassung der Palästinenser umstritten. 450 der Häftlinge sind sogenannte Sicherheitsgefangene - wegen der Beteiligung an Terrorakten wurden sie zu hohen oder sogar lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt. Hinterbliebene von Terroropfern hatten vor dem Obersten Gericht gegen den Tauschhandel geklagt. Das Gericht wies die Einwände ab.

Shimon Stein, Botschafter a.D. des Staates Israel in DeutschlandShimon Stein, ehemaliger Botschafter Israels in Deutschland. (Deutschlandradio - Bettina Straub)Der frühere israelische Botschafter in Berlin, Shimon Stein, bezweifelt, dass der Gefangenenaustausch langfristig den Interessen seines Landes dient. Israel habe sich durch den Austausch erpressbar gemacht. "Nach der Befreiung ist vor der nächsten Entführung", warnte Stein im Deutschlandfunk.

Von einer Erpressbarkeit Israels kann nach Auffassung des palästinensischen Sozialwissenschaftlers Suleiman Abu Dayyeh nicht die Rede sein. Zwischen Israel und den arabischen Staaten habe es seit 1955 mehrere Gefangenenaustausche gegeben. Der aktuelle Austausch könne zu einer Entspannung im israelisch-palästinensischen Verhältnis beitragen, sagte Abu Dayyeh im Deutschlandfunk.

Der israelische Historiker und Journalist Tom Segev sieht dies kritischer: Der Austausch der Gefangenen könne zwar zu weiteren Schritten führen, das Grundproblem zwischen Israel und den Palästinensern sei aber dadurch nicht gelöst, sagte Segev im Deutschlandradio Kultur. Solange kein Frieden herrsche, werde es wahrscheinlich auch weiteren Terror geben.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:45 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:05 Uhr Klassik-Pop-et cetera

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:05 Uhr Im Gespräch

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Literarische SpurensucheRomane über die mittlere Generation Ost

Skateboard-Fahrer auf dem Berliner Alexanderplatz

Der Mauerfall ist der biografische Dreh- und Angelpunkt für die "mittlere Generation Ost". Wofür stehen Schriftsteller dieser Generation, was macht sie aus, welche Geschichten haben sie zu erzählen? Eine literarische Spurensuche.

GesichtserkennungWer lacht, zahlt

Ein Comedy-Theater in Barcelona hat Eintrittspreise abgeschafft. Stattdessen zahlen die Zuschauer pro Lacher - abgerechnet wird mit Hilfe von Gesichtserkennungssoftware.

Präsidentschaftswahl in RumänienKampf um ein Amt mit wenig Macht

Rümänische Fußgänger passieren eine Reihe Straßenlaternen, an denen Wahlplakate der Bewerber für die rumänische Präsidentschaftswahl hängen.

In Rumänien hat der Staatspräsident nur wenige Machtbefugnisse, wird am Sonntag aber direkt vom Volk gewählt. Für die Sozialdemokraten geht Premierminister Victor Ponta ins Rennen, mit dem scheidenden Amtsinhaber Basescu verbindet ihn eine herzliche Feindschaft. 

Outing von Tim CookDer Apple-Chef könnte ein Vorbild sein

Apple-Chef Tim Cook ist schwul, na und? Ist doch heutzutage kein Problem mehr. René Behr ist Vorsitzender des Bundesverbandes schwuler Führungskräfte Völklinger Kreis und Personalchef der Hugo Boss AG – und sieht das anders: Es gebe noch viel Aufklärungsbedarf.

SportstudiumHöchstleistung trotz Behinderung

Die englische Sportlerin Danielle Bradshaw sitzt auf der Tartanbahn des East Cheshire Harriers running club in Großbritannien.

Fünf Semester lang hat Marcel Wienands wie jeder andere seine Prüfungen im Sportstudium absolviert, als ihn eine rätselhafte Krankheit aus der Bahn warf. Er ließ sich trotz der daraus resultierenden Behinderung nicht irritieren und blieb bei seinem Fach. Das Sportstudium ist trotz Handicaps möglich.

Unisex-UnterwäscheFrauen lieben den Eingriff

Weite Jeans und Männerhemden - Frauen lieben den Boyfriend-Look. Das gilt jetzt auch für untendrunten: Frauen tragen da am liebsten Boxershorts - aus der Männerabteilung.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Steinmeier: Russland  muss in Ukraine-Politik Taten folgen lassen | mehr

Kulturnachrichten

Forscher wollen Goethes Gesamtwerk  online stellen | mehr

Wissensnachrichten

Zensur  Facebook will helfen Internetblockaden zu umgehen | mehr