Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Hamburg unterzeichnet Vertrag mit Muslimen

Bürgermeister Scholz würdigte den Schritt als "Meilenstein" in Deutschland

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz würdigte die Unterzeichnung als "Meilenstein" in Deutschland.
Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz würdigte die Unterzeichnung als "Meilenstein" in Deutschland. (picture alliance / dpa / Angelika Warmuth)

Es ist ein Novum in der Geschichte des Zusammenlebens von Nicht-Muslimen und Muslimen in Deutschland. Der Vertrag zwischen Hamburg und Vertretern der islamischen Glaubensgemeinschaft bestätigt verfassungsrechtlich und gesetzlich garantierte Rechte und Pflichten.

Der Erste Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Vertreter von drei muslimischen Verbände sowie der Alevitischen Gemeinde Deutschland setzten im Rathaus der Hansestadt ihre Unterschriften unter die Dokumente. Sie bestätigen verfassungsrechtlich und gesetzlich garantierte Rechte und Pflichten. Eine konkrete Änderung besteht darin, dass die höchsten islamischen und alevitischen Feiertage den Status kirchlicher Feiertage erhalten - vergleichbar mit dem Buß- und Bettag. Das geht unter anderem einher mit dem Recht auf berufliche Freistellung. Außerdem schaffen die Verträge die Basis, Vertreter der Gemeinschaften an der Entwicklung des schulischen Religionsunterrichts zu beteiligen und künftig muslimische und alevitische Religionslehrer einzusetzen.

Scholz würdigte die Unterzeichnung als "Meilenstein" in Deutschland. Zekeriya Altug, der Vorstandschef des Hamburger Landesverbands der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB), sagte, es sei "ein historischer Tag für Hamburg, aber auch für Deutschland". Außer der DITIB unterschrieben als weitere muslimische Verbände der Rat der islamischen Gemeinden Hamburg (Schura) und der Verband der islamischen Kulturzentren (VIKZ). In Hamburg leben nach offiziellen Angaben etwa 130.000 Muslime. Die Aleviten geben ihre Zahl selbst mit 50.000 an.

Es gibt auch Kritik an den Verträgen

Imam Ibrahim Sökmen (Vorbeter beim islamischen Gebet) hält am Dienstag (08.03.2011) in der Moschee Eyüp Sultan Camii in Hamburg seine Gebetskette.Die Unterstützung für die Muslime ist breit gelagert, allerdings gibt es auch kritische Stimmen (picture alliance / dpa / Angelika Warmuth)Der Vertrag muss nun von der Bürgerschaft bestätigt werden. Dort zeichnet sich allerdings eine breite Zustimmung ab. Lediglich die FDP äußerte bislang Kritik an dem vom früheren Bürgermeister Ole von Beust (CDU). "Solche Verträge widersprechen grundsätzlich dem freiheitlichen Weltbild, das die größtmögliche Trennung zwischen Religion, bzw. Kirchen und Staat befürwortet", sagt Anna von Treuenfels, Vize-Fraktionschefin der FDP in der Bürgerschaft dem "Hamburger Abendblatt".

Unterstützung kommt wiederum aus den Kirchen. Die evangelische Bischöfin Kirsten Fehrs begrüßte die Unterzeichnung und erklärte, jetzt müssten die Verträge mit Leben gefüllt werden. Der katholische Weihbischof Hans-Jochen Jaschke ergänzte, es sei wichtig, dass die Vertreter der verschiedenen Religionen miteinander sprechen und sich gegenseitig beistehen.

Auch Bremen steht vor einem Vertragsabschluss

Die bereits im August der Öffentlichkeit vorgestellten Hamburger Verträge stießen in mehreren anderen Bundesländern auf Interesse. Bremen steht nach Angaben der dortigen Senatskanzlei kurz vor dem Abschluss eines Vertrags mit den dortigen islamischen Gemeinden. "Bürgerinnen und Bürger islamischen Glaubens bilden einen bedeutenden Teil der Bevölkerung Bremens", sagte Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) der Nachrichtenagentur AFP. Eine Vereinbarung könne Integrationsbemühungen und Zusammenleben unterstützen.



Mehr auf dradio.de

Kommentar: Der Islam gehört zu Hamburg- Der Vertrag mit muslimischen Dachverbänden und der alevitischen Gemeinde
Religionen - Hamburg und die Muslime
Die Vielfalt des Islam berücksichtigen- Islamwissenschaftlerin: Religiöse und migrationspolitische Fragen stärker trennen

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:01 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 09:10 Uhr Das Wochenendjournal

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:05 Uhr Im Gespräch

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Literarische SpurensucheRomane über die mittlere Generation Ost

Skateboard-Fahrer auf dem Berliner Alexanderplatz

Der Mauerfall ist der biografische Dreh- und Angelpunkt für die "mittlere Generation Ost". Wofür stehen Schriftsteller dieser Generation, was macht sie aus, welche Geschichten haben sie zu erzählen? Eine literarische Spurensuche.

GesichtserkennungWer lacht, zahlt

Ein Comedy-Theater in Barcelona hat Eintrittspreise abgeschafft. Stattdessen zahlen die Zuschauer pro Lacher - abgerechnet wird mit Hilfe von Gesichtserkennungssoftware.

Präsidentschaftswahl in RumänienKampf um ein Amt mit wenig Macht

Rümänische Fußgänger passieren eine Reihe Straßenlaternen, an denen Wahlplakate der Bewerber für die rumänische Präsidentschaftswahl hängen.

In Rumänien hat der Staatspräsident nur wenige Machtbefugnisse, wird am Sonntag aber direkt vom Volk gewählt. Für die Sozialdemokraten geht Premierminister Victor Ponta ins Rennen, mit dem scheidenden Amtsinhaber Basescu verbindet ihn eine herzliche Feindschaft. 

Outing von Tim CookDer Apple-Chef könnte ein Vorbild sein

Apple-Chef Tim Cook ist schwul, na und? Ist doch heutzutage kein Problem mehr. René Behr ist Vorsitzender des Bundesverbandes schwuler Führungskräfte Völklinger Kreis und Personalchef der Hugo Boss AG – und sieht das anders: Es gebe noch viel Aufklärungsbedarf.

SportstudiumHöchstleistung trotz Behinderung

Die englische Sportlerin Danielle Bradshaw sitzt auf der Tartanbahn des East Cheshire Harriers running club in Großbritannien.

Fünf Semester lang hat Marcel Wienands wie jeder andere seine Prüfungen im Sportstudium absolviert, als ihn eine rätselhafte Krankheit aus der Bahn warf. Er ließ sich trotz der daraus resultierenden Behinderung nicht irritieren und blieb bei seinem Fach. Das Sportstudium ist trotz Handicaps möglich.

Unisex-UnterwäscheFrauen lieben den Eingriff

Weite Jeans und Männerhemden - Frauen lieben den Boyfriend-Look. Das gilt jetzt auch für untendrunten: Frauen tragen da am liebsten Boxershorts - aus der Männerabteilung.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Steinmeier: Russland  muss in Ukraine-Politik Taten folgen lassen | mehr

Kulturnachrichten

Forscher wollen Goethes Gesamtwerk  online stellen | mehr

Wissensnachrichten

Zensur  Facebook will helfen Internetblockaden zu umgehen | mehr