Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Handelsbarrieren zwischen Europa und Lateinamerika sollen fallen

Bundeskanzlerin Merkel bei Gipfeltreffen: Partnerschaft jetzt "auf Augenhöhe"

Gruppenfoto vom EU-Lateinamerika-Gipfel
Gruppenfoto vom EU-Lateinamerika-Gipfel (picture alliance / dpa / Carlos Vera)

Mit einem Aufruf zur Zusammenarbeit bei der Überwindung der europäischen Finanzkrise ist in Santiago de Chile der EU-Lateinamerika-Gipfel zu Ende gegangen.

Chiles Staatschef Sebastián Piñera sagte in seiner Abschlussrede, wenn eine Hälfte der Welt in Rezession lebe, könne die andere Hälfte kein anhaltendes Wachstum erreichen. Bundeskanzlerin Angela Merkel appellierte an die lateinamerikanischen Staaten, den Weg für ein Freihandelsabkommen mit der EU freizumachen.

Europa will vom Wirtschaftsboom in Lateinamerika profitieren

Vom derzeitigen lateinamerikanischen Wirtschaftsboom mit Wachstumsraten um die fünf Prozent haben Europas Firmen bislang wenig profitiert. Das soll sich ändern - dafür wollte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor Ort in Chile höchst persönlich sorgen. Beim EU-Lateinamerikagipfel in Santiago de Chile forderte sie Mercosur-Staaten wie Brasilien und Argentinien auf, endlich den Weg für ein Freihandelsabkommen mit der EU freizumachen. "Wir verhandeln schon seit 13 Jahren. Von europäischer Seite wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass wir vorankommen", betonte sie am Rande des Gipfels.

Gegenseitige Vorwürfe der Marktabschottung

Europa sucht und braucht neue Märkte, um die Rezession im eigenen Wirtschaftsraum zu beenden; dafür sollte der Gipfel Impulse geben. "Auch in Zeiten, in denen wir Schwierigkeiten haben, darf niemand denken, dass er durch Protektionismus diese Schwierigkeiten besser bewältigen wird", sagte sie bereits am ersten Gipfelabend. Vor allem die wirtschaftsstarken Schwellenländer Brasilien und Argentinien schützen sich zunehmend vor ausländische Importen, teilweise hatte es Enteignungen von einigen europäische Investoren gegeben.

Allerdings gab es umgekehrt auch den Vorwurf, die EU schotte vor allem ihre Agrarmärkte gegen Importe aus Lateinamerika ab. Boliviens Staatschef Evo Morales warnte zudem bereits vor der Eröffnung des Gipfels, "wenn wir uns dem Markt unterwerfen, gibt es wirtschaftliche und soziale Probleme, während die Armut weiter wächst".

Alles nur Lippenbekenntnisse?

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso pochte darauf, "rechtliche Transparenz zu garantieren und die Anerkennung internationaler Investitionsregeln herzustellen". Staatliche Willkür wie vergangene Enteignungen müssen ein Ende haben. Deshalb war häufig die Rede von Nachhaltigkeit sowie von sozial- und umweltverträglichen Investitionen.

Die Europäer hatten vor allem die Sorge im Gepäck, dass die Chinesen die Europäer im Handel mit den lateinamerikanischen Länder überholt hätten. Zumindest der Gipfelgastgeber, Chiles Staatspräsident Piñera, beruhigte konziliant: "China ist unser größter Handelspartner, aber Europa ist viel mehr als einer der beiden wichtigsten Handelspartner. Wir teilen eine Kultur mit Europa. Wir streben eine nachhaltige Allianz mit der EU an."

Gipfelerklärung: Abkehr vom Protektionismus

Am Ende bekannten sich die Vertreter der 60 Teilnehmerstaaten aus der EU und der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC) bekannten sich zum Abbau von Handelsbarrieren. In der Gipfelerklärung wurde eine Abkehr vom Status quo vereinbart: statt "Protektionismus in all seinen Formen" seit ein "offenes und nicht-diskriminierendes multilaterales Handelssystem", das auf klaren Regeln basiere, das Ziel. Nach Angaben von EU-Handelskommissar Karel De Gucht haben beide Seiten vereinbart, bis zum Jahresende neue Angebote vorzulegen. Dabei gehe es um die Öffnung von Wirtschaftssektoren, die von Dienstleistungen bis zur Landwirtschaft reichen.

Die Bundeskanzlerin will bei ihrem nunmehr vierten EU-Lateinamerika-Gipfel eine Entwicklung beobachtet haben. Das Verhältnis sei "jetzt eine strategische Partnerschaft auf Augenhöhe, die jetzt zum Wohle unserer beiden Regionen weiter entwickelt werden muss".

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:05 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Corso - Kultur nach 3

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Nudossi aus RadebeulNugat mit Ostalgie-Geschmack

Der Geschäftsführer der Sächsischen und Dresdner Back- und Süßwaren GmbH & Co. KG, Karl-Heinz Hartmann, aufgenommen am 04.07.2012 in Radebeul.

Quer durch Deutschland zieht sich auch 25 Jahre nach dem Fall der Mauer eine deutsche-deutsche Nugatgrenze. Im Osten gibt es fast überall eine Nusscreme zu kaufen, die in westlichen Supermärkten nur selten in den Regalen steht. Sie trägt den ostalgischen Namen Nudossi - und wird in Sachsen produziert.

MahlzeitBitter: Aromastoffe in Babykost

Ein kleines Mädchen löffelt ohne Hilfe allein und mit großem Appetit seinen Möhrenbre aus einer Plastikschüsseli.

Der europäische Diätverband wünscht sich eine Zulassung von Aromastoffen für Säuglings- und Kleinkindernahrung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält dagegen.

Cannabis am Steuer Wie breit die Polizei erlaubt

Ab einem Nanogramm THC pro Milliliter Blut ist Schluss - dann kann die Polizei Fahrer aus dem Verkehr ziehen. Das Problem: Es ist gar nicht so einfach, das in Joints umzurechnen.

Warhol-Verkäufe"Es ging um eine Form von Dekorierung"

Die Andy Warhol Kunstwerke (l-r) "Triple Elvis" (1963) und "Four Marlon" (1966). Die Westdeutschen Spielbanken wollen in New York zwei ihrer wichtigsten Bilder versteigern lassen und erhoffen sich dafür 100 Millionen Euro.

Die Warhol-Bilder der NRW-Spielbank WestSpiel seien nicht Werke in öffentlicher Hand, sondern die eines Betriebs, sagte Andreas Bialas (SPD) im DLF. WestSpiel habe die Bilder auch nicht zur Kunstförderung erworben, sondern zur Raumdekoration, sagte er weiter im Hinblick auf die Kritik an einem geplanten Verkauf.

Bedingungsloses GrundeinkommenNiemand arbeitet mehr für sich selbst

Die Miniatur-Figur eines Rentners, der die Arme verschränkt hat, sitzt auf einem Stapel Euromünzen.

Dass die Menschenwürde darin begründet liegt, für sich selbst sorgen zu können, darin sieht Philip Kovces einen Fundamentalirrtum der Neoliberalen. Liberal hieße: Ermöglichen statt Erzwingen - zum Beispiel durch ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Erdogans Regierungs-PalastZwanzigmal größer als der Elysee

Am 29.10.2014 wird in Ankara der gigantische Neu-Regierungssitz des türkischen Präsidenten Recep Tyaip Erdogan eingeweiht. Zwanzigmal würde der Pariser Elysee-Palast hineinpassen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Großbritannien und Niederlande  protestieren gegen EU-Nachzahlungen | mehr

Kulturnachrichten

Muslim zeigt Kabarettist Dieter Nuhr  wegen Islamsatire an | mehr

Wissensnachrichten

Umwelt  Herbstlaub als Biokohle? | mehr