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Hartnäckige Zweifel

Neue Verschwörungstheorie um den Mord an John F. Kennedy

John F. Kennedy wenige Minuten vor dem Attentat in Dallas am 22.11.1963. (AP)
John F. Kennedy wenige Minuten vor dem Attentat in Dallas am 22.11.1963. (AP)

Der Mord an John F. Kennedy gibt Welt seit Jahrzehnten Rätsel auf. Wer hat den Präsidenten erschossen und in wessen Auftrag? Der deutsche Dokumentarfilmer Wilfried Huismann ("Rendezvous mit dem Tod", am 6. Januar um 20.45 Uhr in der ARD) verspricht nun, neue Antworten auf alte Verschwörungstheorien geben zu können. Unser USA-Korrespondent Siegfried Buschschlüter wirft einen Blick zurück.

Jahr um Jahr, meistens zum Jahrestag, schlägt die Erinnerung an den Mord John F. Kennedys die Amerikaner in ihren Bann. Es sind die Bilder, die in dramatischer Folge zeigen, wie Kennedy am Kopf getroffen wird.

[Tonmitschnitt]

Szenen eines Amateurfilms von Abraham Zapruder, der Augenzeuge des Anschlags wurde, [Tonmittschnitt] und die Originaltöne der schicksalhaften Minuten jenes 22. November 1963 in Dallas, Texas, von CBS-Moderator Walter Cronkite und New York Times Reporter Tom Wicker - Bilder und Stimmen, die Jahr um Jahr aufrütteln und immer wieder in Frage stellen, was die Warren-Kommission als Ergebnis ihrer Untersuchung im September 1964 bekannt gab. Lee Harvey Oswald sei der alleinige Attentäter, für eine Verschwörung gebe es keine Beweise.

So hartnäckig hielten sich die Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Untersuchungsberichts, dass das US-Repräsentantenhaus zwölf Jahre später eigene Ermittlungen aufnahm. Ergebnis: für eine Verwicklung der Sowjetunion oder Kubas gebe es in der Tat keine Beweise. Oswald sei der Mörder, doch habe mit großer Wahrscheinlichkeit eine zweite Person auf Kennedy geschossen, ihn jedoch verfehlt. Und möglicherweise habe die Mafia ihre Hand im Spiel gehabt.

Aber auch dieser Untersuchungsbericht vermag Skeptiker und Zweifler nicht zu überzeugen. Unter ihnen Lyndon Johnson und Kennedys Bruder, Robert. Johnson glaubte nie, dass Osswald allein gehandelt habe, vermutete Fidel Castro könnte sich wegen der wiederholten Attentatsversuche der CIA gegen ihn gerächt haben. Auch Jahre später wollte Johnson internationale Verbindungen hinter dem Attentat nie ganz ausschließen.

1997 wurde bekannt, dass Robert und Jacqueline Kennedy an eine Verschwörung in Dallas glaubten. So berichteten die beiden Historiker Timothy Naftali und Aleksandr Fursenko in ihrem Buch zur Kubakrise "One Hell of a Gamble”, dass Bobby and Jackie Ende 1963 einen Vertrauten nach Moskau geschickt hatten, um die Kreml-Führung von ihrem Verdacht eines politischen Komplotts in den USA zu unterrichten. Bobby Kennedy wollte den Sowjets auf diese Weise vermitteln, dass er im Falle eines Siegs bei den Präsidentschaftswahlen den Kurs seines ermordeten Bruders fortsetzen wolle.

Einen neuen Höhepunkt erreichten die Verschwörungstheorien 1991 mit Oliver Stones umstrittenen Film "JFK”. Er stellt die Ermordung Kennedys als Werk einer düsteren Machenschaft von CIA und Pentagon dar, die einen Abzug der USA aus Vietnam verhindern sollte.

Stones Film veranlasste den Kongress, ein Gesetz zur Veröffentlichung der Unterlagen zur Ermordung John F. Kennedys zu verabschieden. Das Ergebnis: neue Bücher mit neuen Szenarien. Unter anderem "Live by the Sword” von Enthüllungsreporter Gus Russo. Er schreibt, dass Robert Kennedys Geheimpläne, Fidel Castro zu stürzen, umfassender gewesen seien als bisher angenommen. Um Castro und seine Politik zu schützen, so schreibt Russo in dem 1998 erschienenen Buch, habe Oswald Kennedy ermordet, möglicherweise mit Havannas Hilfe.

Daran glaubt Washington Post Reporter Jefferson Morley allerdings nicht. Castro und seine Berater hätten von Mord als politischer Taktik nichts gehalten, schrieb er Ende November letzten Jahres. Morley vermutet, dass die CIA die Ermordung Kennedys durch Oswald ausschlachten wollte, um auf diese Weise den Sturz Castros zu beschleunigen. Zu diesem Zweck habe ein verdeckt in Miami arbeitender CIA-Agent eng mit kubanischen Exilstudenten zusammengearbeitet. Sie waren die ersten, die am Tag nach dem Mord Oswald und Castro in einer Sonderausgabe ihrer Monatsschrift als "Mutmaßliche Attentäter” anprangerten. CIA-Agent George Joannides habe die Veröffentlichung finanziert.

Morleys Antrag auf Freigabe der Unterlagen zu Joannides wurde von der CIA noch in diesem Sommer aus Gründen der nationalen Sicherheit abgelehnt. Damit, so schrieben knapp zwei Dutzend Publizisten und Journalisten im August in einem offenen Brief an die Monatsschrift "The New York Review of Books” verstoße die CIA gegen den Willen des Kongresses und fördere die Zunahme von Verschwörungstheorien.

Soviel steht fest: solange die CIA, mehr als 40 Jahre nach dem Kennedy-Attentat, etwas zu verbergen hat, wird auch die Wahrheit im Verborgenen bleiben.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:13 Uhr

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