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"Haut ab, Neonazis, wir wollen Euch hier nicht!"

Remagen will Aufmarsch an brauner Kultstätte behindern

Von Ludger Fittkau, Landeskorrespondent Rheinland-Pfalz

Mit Plakaten wie "Nazis, haut ab!" könnte auch in Remagen am Totensonntag das Treffen von Rechtsradikalen gestört werden. (picture alliance / dpa)
Mit Plakaten wie "Nazis, haut ab!" könnte auch in Remagen am Totensonntag das Treffen von Rechtsradikalen gestört werden. (picture alliance / dpa)

Rechtsradikale bereiten im rheinland-pfälzischen Remagen einen Aufmarsch vor. Am Totensonntag wollen sie auf dem Gelände eines ehemaligen Kriegsgefangenenlagers für deutsche Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg eine Trauerfeier "für die Opfer der Besatzer" abhalten. Doch es gibt Gegenwehr in der Region.

Bürger:
"Ich meine, hier ist die Politik gefragt. Gesetze zu machen, dass so was unterbunden wird. Die Liberalität und die Freiheit, die hat ihre Grenzen. Da muss man dann auch mal sagen: So, ihr Chaoten, ihr kommt hinter Schloss und Riegel."

Bürgerin:
"Leider kann man sie ja nicht verbieten, und wenn man mal überlegt, was das kostet- dieses Polizeiaufgebot. Unser Land hat kein Geld für das Wichtigste. Und für solche Aufmärsche muss die Polizei zur Verfügung stehen. Von überall werden sie ja herangezogen - unsäglich."

Freundlich empfangen werden sie nicht - die rund 300 Neonazis, die sich in Remagen angesagt haben. Ihr Ziel: eine kleine Kapelle am Rheinufer. Hier legen Rechtsradikale seit Jahren Kränze nieder. Die Kapelle erinnert an bis zu 300.000 deutsche Soldaten, die hier in den Rheinwiesen unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges einige Monate lang gefangen gehalten wurden - unter katastrophalen humanitären Bedingungen. Etwa 1200 Soldaten starben an Krankheiten und Unterernährung. Alte Remagener können sich noch gut an das Elend erinnern, das die Neonazis nun für ihre Zwecke instrumentalisieren:

Bürgerin:
"Das war auch ein unsägliches Leid, da fehlen einem die Worte."

Bürger:
"Natürlich war das schlimm - das waren die Folgen des Zweiten Weltkrieges."

Seit einigen Jahren aber machen Neonazis die kleine Kapelle auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers zum Kultort. Auch weil in ihr eine Madonnaskulptur des ehemaligen NS-Staatsbildhauers Adolf Wamper steht. Wamper schuf monumentale Skulpturen für das Naziregime - etwa 1936 auf dem Berliner Olympiagelände. Wie sein Kollege und persönlicher Freund Arno Breker wurde Wamper von Hitler 1944 auf eine Liste sogenannter "gottbegnadeter Künstler" gesetzt, um dadurch auch vor einem Kriegseinsatz verschont zu werden. Der Bildhauer geriet dennoch in US-Kriegsgefangenschaft - im Lager Remagen. Dort schuf Adolf Wamper eine aus Lehm geformte "Schwarze Madonna", die Skulptur wurde schließlich 1987 in der Kapelle auf dem Gelände des Lagers aufgestellt.

Ein breites Remagener "Bündnis für Frieden und Demokratie" blockiert nun unter anderem mit einem Gottesdienst den Neonaziaufmarsch an der Kapelle. Die Lokalzeitung hat Plakate für Toleranz und gegen Hass gedruckt und die Bürger aufgefordert, sie in die Fenster zu hängen. Bürgerin:

"In der Rheinzeitung, da war ja ein Plakat, wir haben es aufgehängt."

Metergroße Plakate hängen auch in den Fenstern der Fachhochschule Koblenz, die direkt gegenüber der Kapelle auf dem ehemaligen Lagergelände ihren "Rhein-Ahr-Campus" betreibt. Die Hochschule bleibt während des Neonaziaufmarsches geschlossen. Eine Studentin mit Kopftuch, die ihren Namen nicht nennen will, wundert es nicht, dass die Rechtsradikalen keinen Respekt vor den Angehörigen der Opfer des rassistischen Terrors aus ihrem Spektrum zeigen - und einfach zu Hause bleiben. Bürgerin:

"Also - die haben sich nie geschämt. Jetzt sollen sie sich schämen?"

Kurt Beck, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident, richtet eine klare Ansage an die Adresse der Neonazis. Sie lautet wörtlich: Haut ab - wir wollen Euch hier nicht!

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:45 Uhr

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