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Helau, Herr Bundespräsident!

Vom Wulff-Wagen zum Ja für Gauck in der Mainzer Fastnacht

Von Ludger Fittkau

Christian Wulff als Karnevalswagen-Motiv (picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)
Christian Wulff als Karnevalswagen-Motiv (picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)

In Mainz ist der eindeutige Karnevalsstar in diesem Jahr der Wulff-Motivwagen. Auch deshalb, weil die Wagenbauer ihn schon vor Wulffs Rücktritt so vorbereitet hatten, dass man problemlos darauf reagieren konnte.

In den vier Jahreszeiten außerhalb der Fastnacht ist Werner Egger seit 22 Jahren Lkw-Fahrer. Doch heute, am Rosenmontag, trägt er eine Narren-Mütze des Mainzer Carneval Vereins und lenkt den momentan vielleicht bekanntesten Motivwagen am Rhein durch die Mainzer Innenstadt: Den Wulff-Wagen:

"Ja gerade der Wulff, der Motivwagen Wulff ist brandaktuell. Ich habe es gerade heute erlebt, dass viel fotografiert wird. Man sieht auch, wie viel Leute stehen bleiben und Bilder machen hier."

Werner Egger hatte den Wulff-Wagen schon am Sonntag-Nachmittag am Mainzer Fassnachtsbrunnen auf den Schillerplatz vorbei direkt vor die Haupttribüne auf der Ludwigsstraße bugsiert. Von den Stufen der Tribüne aus, auf der heute Mittag die Prominenz den Rosenmontagszug genießt, wird Christian Wulff, der als k.o.- geschlagener Boxer in den Seilen eines Box-Rings hängt, fleißig fotografiert. Auch der Mainzer Mustafa Harauri gehört zu den Hobby-Fotografen:

"Weil das das Thema zurzeit ist und jeder spricht über Wulff."

Die Mainzer sind zufrieden mit dem Wagenbauer Dieter Wenger. Der hatte den Wulff-Wagen so gebaut, dass der zurückgetretene Bundespräsident in Windeseile von einem angeschlagenen zu einem k.o.-gegangenen Boxer wurde:

"Gelungen, super, ja.

Gut getroffen und schnell reagiert, noch rechtzeitig vor Fassenacht erledigt.

Ging ja gestern schon durch die Presse, Fernsehen, überall. Aber, ist gut gelungen, finde ich.

Das hat sich die ganze Zeit schon angebahnt, ich glaube, die Fassnachter mussten sich drauf einstellen, dass es jetzt schon passiert, bis Aschermittwoch warten die nicht.

Seit Donnerstagabend konnte man es ahnen, und dann sind die direkt an die Wagen gegangen, abends."

Genauso, wie die Büttenredner an ihre Rede-Texte. Auch die Reaktionen der Traditionsredner Till oder Guddi Gutenberg auf den Wulff-Rücktritt bei der ZDF-Fernsehfastnacht "Mainz bleibt Mainz" am Freitag finden bei den Straßen-Fastnachtern in der Mainzer Innenstadt Lob:

"Verschiedene haben da entweder was weggelassen oder sie haben – wie der eine da, ein spezielles Statement abgegeben, es war toll."

Wagenbauer Dieter Wenger versucht aber im Vorfeld des heutigen Rosenmontagszugs, das Interesse der Fastnachter auch auf die anderen politischen Motivwagen des Zuges zu lenken. Zu Recht, denn auch zu anderen Themen hat der Mainzer Rosenmontagszug Bissiges zu bieten:

"Wir haben ja viele andere Themen, die 'Döner-Morde', die Rettungsschirme, hochaktuelle Themen, nachdem Griechenland ja jetzt zugestimmt hat dem Sparpaket, der Schirmladen von Angie. Oder nehmen sie das Unwort des Jahres, das sind die Döner-Morde, da sind wir voll dabei, also ist nicht nur Wulff."

Wer für die Wulff-Nachfolge geeignet ist oder wer nicht - das diskutieren die Mainzer Narren auf der Straße wie Parteigremien oder Redaktionskonferenzen. Im Vorfeld der Entscheidung werden die gleicher Namen genannt, wie überall in der Republik.
Dass Petra Roth, die Oberbürgermeisterin aus der großen Nachbarstadt Frankfurt am Main als geeignete Kandidatin genannt wird – das gefällt vielen Fassnachtern auf den Mainzer Straßen besonders. Bis auf Mustafa Harauri:

"Eigentlich nicht, für mich kommt eher Gauck infrage, aber muss man abwarten."

Doch nicht nur Mustafa Harauri ist am Ende damit zufrieden, dass es doch Joachim Gauck ist, auf den sich alle Parteien einigen können:

"Präsident der Herzen hieß es ja nach der letzten, verlorenen Wahl.

Er verbindet Ost und West für uns überzeugend."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:47 Uhr

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