Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Herkulesaufgaben für den neuen ZDF-Intendanten

Thomas Bellut und das Fernsehen im digitalen Zeitalter

Von Ludger Fittkau

ZDF-Intendant Thomas Bellut (picture alliance / dpa / Hannibal Hanschke)
ZDF-Intendant Thomas Bellut (picture alliance / dpa / Hannibal Hanschke)

Thomas Bellut hat das Ruder als neuer ZDF-Intendant jetzt in der Hand. Es erwarten ihn drängende Aufgaben: 75 Millionen Euro muss der Sender in den nächsten Jahren sparen. Das trifft besonders freie Mitarbeiter und möglicherweise auch die Digitalkanäle, mit denen junge Leute für das Programm gewonnen werden sollen.

Fernsehen im Zeitalter des Internets – das ist für Thomas Bellut schon lange eine Herausforderung. Schließlich war der neue Intendant des ZDF zuvor schon ein Jahrzehnt Programmdirektor des Mainzer Senders:

"Es hat sich einfach was verändert. Und da muss man jeden Tag, ob man jetzt einen öffentlich-rechtlichen oder einen privaten Fernsehkanal leitet, nachgucken, wohin sich das verändert hat."

Doch Thomas Bellut ist auch Realist. Der 57-Jährige neue Chef des ZDF weiß zwar, dass er seinen Sender für jüngeres Publikum attraktiv machen muss. Denn das Durchschnittsalter der Zuschauer liegt bei über 60 Jahre. Aber Bellut weiß auch: Es hat keinen Sinn, den Jüngeren hektisch hinter zu laufen. Denn wie die Internetgeneration künftig das Fernsehen nutzen wird und mit dem Surfen im Netz kombiniert, weiß heute noch niemand wirklich, so Thomas Bellut in einer Diskussionsrunde bei den letzten Mainzer Tagen der Fernsehkritik:

"Haben wir uns genug eingestellt, auf die Jüngeren? Das beschäftigt mich ständig. Ich bin der Meinung, dieser Spruch: Irgendwann kriegen wir Dich, der gilt nicht mehr. Niemand weiß genau, wie sich die Internetgeneration verhalten wird, wenn sie mal älter wird. Interessiert mich ehrlich gesagt auch wenig. Fernsehen ist ein Jetzt-Medium und ich gucke mir jeden Tag an, wie sich unser Publikum verhält. Natürlich hat man immer das Gefühl, man strengt sich nicht genug an, die jüngere Generation zu erreichen."

Doch Thomas Bellut hat bei dieser Anstrengung auch jetzt schon Erfolge aufzuweisen. 2009 etablierte er beispielsweise die freche Satiresendung "Heute Show" mit Oliver Welke. Nicht nur mit ihrer Nachbereitung des großen Zapfenstreichs für Christian Wulff findet die Sendung längst viele Lacher bei unter 50-Jährigen:

"Ich sage mal so, wenn es nach der Stimmung in der Bevölkerung ginge, dann hätte Beate Klarsfeld Christian Wulff zum Abschied eine geschallert. Nur der Chef des Stabsmusikkorps, des Echten, der sieht das alles viel entspannter:
Frage: Spielt dass eigentlich für sie oder für ihre Musiker ne Rolle, wer das ist, wer da steht, für den sie musizieren?
Antwort: Nicht wirklich. Wir stellen uns hin und es ist abends sowieso dunkel."

Vor einer ernsten Herausforderung steht der neue ZDF-Intendant Thomas Bellut bei der Frage, wie er es verhindern kann, dass es auf den digitalen Kanälen dunkel wird, über die ZDF-Programme "Neo", Kultur" und "Info" ausgestrahlt werden. Denn Medienpolitiker von CDU und SPD wie der ZDF-Verwaltungsratsvorsitzende Kurt Beck drängen gerade darauf, dass ZDF solle die Zahl seiner digitalen Kanäle wieder reduzieren. Ob Thomas Bellut alle drei Programme verteidigen wird, ist fraglich. Dabei will er gerade mit ihnen gezielt Jüngere ansprechen, die über das Hauptprogramm schwer zu erreichen sind:

"Ja, das ist die Strategie, die dahinter steckt. Sowohl bei 'Neo', als auch bei 'Info' und jetzt auch bei 'Kultur'. Alle drei sind ja jünger als das Hauptprogramm, deutlich jünger. Das hat was mit der Empfangbarkeit über die digitalen Kanäle zu tun, das machen halt eher die Jüngeren. Aber das zeigt auch das kompakte Angebot eines Genres. Eines auf eine Altersgruppe zielendes kompaktes Programm, das hat seine positiven Auswirkungen."

Negativ für das Arbeitsklima im Mainzer Sender wirkt sich zurzeit die Tatsache aus, dass das ZDF in den nächsten Jahren 75 Millionen Euro einsparen muss. Bis 2016, das ist jetzt schon klar, werden 300 Vollzeitstellen wegfallen. Auch viele freie Mitarbeiter werden sich einen neuen Job suchen müssen. Thomas Bellut wird also nicht lange Zeit haben, sich in seine neue Chefrolle einzuarbeiten. Sein großer Vorteil in dieser Situation könnte sein: Er kennt das ZDF seit mehr als drei Jahrzehnten.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:49 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 22:05 Uhr Atelier neuer Musik

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 22:00 Uhr Die besondere Aufnahme

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 19:00 Uhr Club der Republik

Aus unseren drei Programmen

Pastorentöchter und gute Hirten Von der Kunst des Regierens

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Kanzlerkandidat Martin Schulz (SPD) in einer Bildkombo (AFP Photo / Odd Andersen / Fred Tanneau)

Bis zum letzten Moment kämpfen die Parteien um die Wähler. Programme, Themen und Personen sollen noch schnell in den Köpfen der Bürger verankert werden. Aber was heißt es genau, gut zu regieren? Wir fragen den Soziologe Ulrich Bröckling.

Techcrunch-KonferenzUS-Start-ups entdecken künstliche Intelligenz

Blaupause für einen roboterhaften vitruvianischen Mann (imago/Ikon Images)

Die Start-up-Konferenz Techcrunch Disrupt in San Francisco ist ein Spiegelbild der angesagten Themen im Silicon Valley. Etwa 100 Unternehmen präsentierten hier ihre Themen. Immer mehr Geschäftsideen setzen dabei auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz.

Raubkunst im Humboldt Forum?Haus der Weißen Herren

Benin Büsten im Museum Dahlem (Lorenz Rollhäuser)

Wie viel koloniale Arroganz steckt in der Planung des Humboldtforums? Eine Recherche in Deutschland und Nigeria.

Bundestagswahl 2017Brauchen wir eine Wahlpflicht?

Auf einem Schild steht "Zum Wahllokal", darunter ein roter Pfeil. (imago / CHROMORANGE)

Am Sonntag ist es wieder soweit: Rund 61,5 Millionen Bürger sind aufgerufen, einen neuen Bundestag zu wählen. Aber wie viele werden ihr Wahlrecht wahrnehmen? Immer weniger machen ihr Kreuzchen. Wie kann man der Wahlunlust entgegensteuern?

Die EU und der Brexit"Das Ziel ist, kein Scheitern zu sehen"

Sir Sebastian Wood, britischer Botschafter in Deutschland. (pa/dpa/Carstensen)

Am 1. April 2019 soll es soweit sein: Dann verlässt Großbritannien die EU. Die Uhr ticke, sagte der britische Botschafter Sebastian Wood im Dlf. Nun gehe es darum, über die Zukunft zu sprechen und dabei die Interessen der Bürger und Unternehmen zu berücksichtigen. Ziel sei es, einen guten Deal für beide Seiten auszuhandeln.

Unabhängigkeitsreferendum im Irak"Daumenschrauben für Bagdad"

Jochen Hippler, Politologe und Friedensforscher an der Universität Duisburg (Imago / Metodi Popow)

"Ich halte es für ziemlich ausgeschlossen, dass nach dem Referendum wirklich die Unabhängigkeit ausgerufen wird", sagte der Politologe Jochen Hippler im Dlf. Die Abstimmung der nordirakischen Kurden am Montag sei eher ein Hebel, um Bagdad zu Zugeständnissen zu bewegen. Die Eskalationsgefahr sei aber hoch.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Nordkorea  US-Luftwaffe zeigt Präsenz im Luftraum | mehr

Kulturnachrichten

Berliner Volksbühne bleibt besetzt  | mehr

 

| mehr