Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Hilfe für die Helfer

Der Bundestag hat der Familienpflegezeit zugestimmt

Eine alte Dame geht in Berlin vor einer Seniorentagespflege auf der Straße entlang. (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)
Eine alte Dame geht in Berlin vor einer Seniorentagespflege auf der Straße entlang. (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)

1,6 Millionen Menschen werden zurzeit zu Hause gepflegt. Das geht nur mit Hilfe der Familie und geht oft zu Lasten des Berufs. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder will im Gesetz zur Familienpflegezeit pflegenden Angehörigen ermöglichen, die Arbeitszeit bei gleichem Gehalt zu reduzieren.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bezieht sich nicht mehr nur auf die Kinderbetreuung, sondern zunehmend auch auf die Pflege von Angehörigen. Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums sagen Dreiviertel der Berufstätigen, dass sie ihre Familienmitglieder so weit wie möglich selbst zu Hause versorgen wollen. Doch diese Arbeit nimmt Zeit in Anspruch, die mit einer Vollzeitbeschäftigung kaum zu vereinbaren ist. Ein Großteil aller Pflegearbeit wird zu Hause geleistet, das gilt für zwei Drittel der 2,4 Millionen Pflegefälle. Für Stefan Görres, Direktor des Instituts für Pflegeforschung der Uni Bremen ist die Familie damit der "Pflegedienst der Nation".

Der Bundestag hat heute der Gesetz zugestimmt, das Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) angestoßen hatte. Sie will es mit der sogenannten Familienpflegezeit ermöglichen, dass Beschäftigte, die die Betreuung von älteren Angehörigen übernommen haben, ihre Arbeitszeit maximal zwei Jahre reduzieren können. In dieser Zeit bekommen sie das volle Gehalt, gedeckt wird der Vorschuss über die KfW-Bankengruppe. Mit diesen Arbeitszeitkonten hätten die Unternehmen kein Risiko, sagte Schröder. Ihr Modell sei auch für den Mittelstand attraktiv.

Familienministerin Kristina Schröder (CDU) (AP)Familienministerin Kristina Schröder (CDU) (AP) Kritiker des Konzepts, wie die familienpolitische Sprecherin der SPD, Caren Marks, warfen Schröder vor, dass das Gesetz ungenügend sei. Es gebe keinen Rechtsanspruch auf die Familienpflegezeit. In der Bundestagsdebatte äußerte sich auch die pflegepolitische Sprecherin der Linksfraktion, Katrin
Senger-Schäfer kritisch, da es sich nicht an Geringverdiener richte. Diese könnten keine Lohneinbußen verkraften, wenn sie Angehörige pflegen möchten.

Bundesfamilienminister Schröder verteidigte dagegen ihre Pläne im Bundestag sowie im Interview mit dem Deutschlandfunk. Sie wies darauf hin, dass es auch bei der Altersteilzeit keinen Rechtsanspruch gegeben habe. Dennoch hätten viele Menschen diese in Anspruch genommen.

Parallel zum Gesetz der Familienpflegezeit arbeitet Gesundheitsminister Daniel Bahr an der Reform der Pflegeversicherung. Auch sie soll die Situation von pflegenden Angehörigen verbessern, die zwei Drittel der Betreuungsarbeit leisten und damit im Alltag vor großen Herausforderungen stehen. Noch ist sich die schwarz-gelbe Koalition allerdings nicht einig.
Ende September wollte Bahr die Eckpunkte seines Pflegekonzepts vorstellen, er hat diesen Termin allerdings verschoben. Gesundheitspolitiker der Koalition hatten 2011 zum Jahr der Pflege ausgerufen.

Mehr zum Thema:

20.10.2011 Bundesfamilienministerin Kristina Schröder im Interview im Deutschlandfunk.
20.10.2011 DLF Reportage Podium: Pflegende Angehörige
20.09.2011 DLF Hintergrund Politik - Die verschobene Reform

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:45 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Corso - Kultur nach 3

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Debatte über Sexismus in der CDU"Das würde männlichen Kollegen schlichtweg nicht passieren"

Anne Wizorek spricht auf der Internetkonferenz republica am 7. Mai 2015 in Berlin (imago stock&people)

Die CDU-Politikerin Jenna Behrends ist nach eigenen Angaben vom Berliner Parteichef Frank Henkel als "große süße Maus" bezeichnet worden. Das sei kein Graubereich mehr, sondern Sexismus, sagte die Aktivistin Anne Wizorek im DLF. Sie nannte es erschreckend, dass sich die Frauen-Union nicht mit Behrends solidarisch zeige.

Erstes TV-Duell Clinton - TrumpPolitprofi trifft auf Seiteneinsteiger

Donald Trump und Hillary Clinton (AFP)

Mit rund 100 Millionen Zuschauern rechnen die Fernsehsender, wenn Hillary Clinton und Donald Trump in der Nacht zu Dienstag in ihrer ersten Fernsehdebatte gegeneinander antreten. Für die demokratische Kandidatin wie auch für ihren republikanischen Gegenspieler ist der Druck enorm.

ELEKTROAUTOSNoch liefern die Stinker die Waren

Laster und Transporter stinken unsere Städte und Autobahnen voll. Warum sind die ganzen Speditionen und Paketdienste eigentlich nicht mit Elektrofahrzeugen unterwegs?

Auschwitz-Überlebender Jehuda Bacon"Der eindrucksvollste Mensch, dem ich bisher begegnet bin"

Der Mediziner und Autor Manfred Lütz sitzt in einem Radiostudio vor einem Mikrofon. (deutschlandradio / Nahar)

Der Autor Manfred Lütz hat Gespräche mit dem Auschwitz-Überlebenden Jehuda Bacon geführt und war tief beeindruckt: Bacon sehe selbst in den bösesten Menschen noch etwas Gutes, "den göttlichen Funken auch im SS-Mann", sagte Lütz im Deutschlandfunk.

InternetDie selbstverletzte Würde des Netz-Nutzers

Das Archiv der Stasiunterlagenbehörde in Berlin. Die Zukunft der Behörde ist ungewiss. (dpa / picture-alliance / Klaus-Dietmar Gabbert)

Wer lässt sich schon freiwillig überwachen? Alle? Im Internet geben Millionen Menschen Privatheit und Menschenwürde öffentlich preis. Im Vergleich zur heutigen Situation seien die Abhörmethoden der DDR-Stasi völlig veraltet gewesen, meint der Schriftsteller Rolf Schneider.

Friedensvertrag in KolumbienErlösung nach 52 Jahren Terror

Frauen und Kinder malen ein Wandbild mit einer Taube an der Straße nach Planadas in Kolumbien. (AFP/ Guillermo Legaria)

Nach über 50 Jahren Bürgerkrieg in Kolumbien wollen Regierung und Rebellen heute einen Friedensvertrag unterschreiben. Der vom deutschen Außenministerium entsandte Grünen-Politiker Tom Koenigs spricht von einem "historischen Moment".

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Syrien  Aleppo weiter unter Dauerbeschuss - Bundesregierung nennt Angriffe "barbarisch" | mehr

Kulturnachrichten

Neuer Musik-Direktor des Zürcher Kammerorchesters  | mehr

Wissensnachrichten

Tiere in der Stadt  Berlin ist eine Wildschwein-Insel | mehr