Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Hilfe für Portugal, Zweifel an Griechenland

Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel

Die Finanzminister der Euro-Gruppe tagen in Brüssel (picture alliance / dpa)
Die Finanzminister der Euro-Gruppe tagen in Brüssel (picture alliance / dpa)

Heute beraten die Finanzminister der Euro-Zone in Brüssel über die Kredite für die angeschlagenen Euro-Länder. Die nächste Tranche für Griechenland steht im Juni an. Portugal soll 78 Milliarden Euro bekommen.

Zwischen den Finanzministern der Eurrozone wird über eine Umschuldung Griechenlands diskutiert. Das räumte der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager auf dem Ressortcheftreffen in Brüssel öffentlich ein: "Natürlich besprechen wir auch eine Umstrukturierung", sagte de Jager. "Aber in der Öffentlichkeit tun wir dies nur sehr widerstrebend."

Nach der Festnahme von IWF-Direktor Strauss-Kahn in New York befürchten griechische Medien, dass das Land "einen Freund verloren habe" und dass eine härtere Gangart des Währungsfonds gegenüber dem hoch verschuldeten Land bevorstehe. Privatisierungen in Höhe von erhofften 50 Milliarden Euro und die Entlassung von Beschäftigten staatlicher Unternehmen sind in der Diskussion bzw. nicht mehr tabu, berichtet Ulrich Pick im Deutschlandradio Kultur. (Audio)

Jürgen Koppelin, Obmann der FDP im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages (Deutscher Bundestag)Jürgen Koppelin (Deutscher Bundestag)Der FDP-Politiker Jürgen Koppelin glaubt nicht an eine Belastung der Beratungen durch die Abwesenheit von Strauss-Kahn in Brüssel. Weitere Hilfe für Griechenland sieht Koppelin kritisch: "Griechenland kann kein Fass ohne Boden sein. Wir müssen doch irgendwann mal sehen: Greift diese Hilfe?",fragte Koppelin im Deutschlandfunk.

Auf der Tagesordnung des Ministertreffens in Brüssel steht ein weiteres Rettungspaket für Athen, auch wenn darüber keine baldige Entscheidung zu erwarten ist. Die 17 Euro-Finanzminister haben nach Aussagen von EU-Diplomaten am Nachmittag das Hilfspaket für Portugal in Höhe von 78 Milliarden Euro beschlossen. Angesichts der verbreiteten Skepsis gegenüber Rettungshilfen für Euro-Länder hatte EU-Währungskommissar Olli Rehn Deutschland zur Unterstützung aufgerufen. Das Hilfspaket für Portugal sei notwendig, sagte Rehn der Zeitung "Die Welt".

Griechen sollen "Streitigkeiten beenden"


Mit Blick auf Griechenland zeigte sich der EU-Kommissar unzufrieden mit dem Reformkurs: "Griechenland muss die Wirtschaftsreformen beschleunigen und die vollständige Umsetzung des Privatisierungsprogramms sicherstellen." Es sei absolut notwendig, dass die politischen Parteien ihre Streitigkeiten beenden.

Noch bis Donnerstag ist die Expertengruppe der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Athen, um sich ein Bild von der tatsächlichen finanziellen Lage Griechenlands zu machen. Deren Bericht soll die Grundlage für die nächste Kredittranche, aber auch für mögliche weiterreichende Entscheidungen sein. "Es gibt keinen Grund, schon über Details oder gar neue Summe zu spekulieren", sagt Rehn im Beitrag von Volker Finthammer für Deutschlandradio Kultur (Audio).

Sven Giegold, Mitglied der Grünen Fraktion im Europaparlament (Bündnis 90 / Die Grünen NRW)Sven Giegold (Bündnis 90 / Die Grünen NRW)Der Europapolitiker der Grünen, Sven Giegold, hat vor einem Ausstieg Griechenlands aus der europäischen Währung gewarnt: Das wäre eine "Harakiri-Aktion" und "ökonomisch absolut unvernünftig". Giegold forderte niedrige Zinsen und Laufzeitverlängerungen für Kredite, um Griechenland "wieder auf einen nachhaltigen Pfad" zu bringen, sagte der Grünen-Politiker im Interview mit Deutschlandradio Kultur.

Skandal um IWF-Chef überschattet das Treffen

Dominique Strauss-Kahn kommt aus der New Yorker Polizeistation (picture alliance / dpa)Dominique Strauss-Kahn kommt aus der New Yorker Polizeistation (picture alliance / dpa) Dass der IWF ohne seinen in New York festgenommenen Chef Dominique Strauss-Kahn an dem Treffen teilnimmt, ist laut Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kein großes Handicap: Die Lösung der Probleme in der Eurozone sei dadurch nicht belastet, sagte Schäuble.

Bislang hatte der IWF-Chef aber an jeder Sitzung teilgenommen, in der Rettungspakete für Euro-Länder beschlossen wurden. Der IWF trägt bislang ein Drittel der Finanzhilfen für in Schieflage geratene Euro-Staaten.
IWF-Chef muss sich Vorwürfen in New York stellen (MP3-Audio aus Informationen am Morgen)


Weitere Beiträge zur Schuldenkrise im Deutschlandradio:

Hintergrund: Teure Hilfe für Griechenland

Interview: Landesbank-Chefanalyst Hellmeyer lobt Griechenlands Sparanstrengungen

Kommentar: Fettspritze statt Skalpell

Interview mit Volker Wissing, FDP: "Der Schirm ist auf jeden Fall groß genug"

Interview mit Oliver Luksic, FDP: "Besser ein Ende mit Schrecken"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:42 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:35 Uhr Kultur heute

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

GesellschaftGlücklichsein gegen den Terror

Ein kleines Mädchen wirft vor Freude die Arme in die Luft. (imago stock&people)

Ist es egoistisch, in Zeiten von Terror und Gewalt auch Glück zu empfinden?

Papst in AuschwitzIn aller Stille

Papst Franziskus berührt mit dem rechten Arm die sogenannte "Schwarze Wand" in Auschwitz. (picture alliance / dpa / Radek Pietruszka / PAP)

Papst Franziskus hat im früheren deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz der Opfer der Nationalsozialisten gedacht. Anders als seine Vorgänger verzichtete er auf öffentliche Worte. Stattdessen betete Franziskus lange und traf sich mit Überlebenden.

Rücktritt von Schweinsteiger"Es war mir eine Ehre"

Bastian Schweinsteiger applaudiert dem Publikum bei der EM 2016 (imago sportfotodienst)

Der Weltmeistertitel bleibt sein krönender Abschluss: Kapitän Bastian Schweinsteiger beendet nach 120 Länderspielen seine Karriere in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Er habe den Bundestrainer gebeten, ihn in Zukunft bei der Nominierung nicht mehr zu berücksichtigen.

Politologin Gesine Schwan"Ich lebe, um die Welt besser zu machen"

Gesine Schwan im Studio von Deutschlandradio Kultur (Stefan Ruwoldt / Deutschlandradio)

Um Demokratie und Rechtsstaat gegen Populisten zu verteidigen, müssen alle mittun: Das verlangt die Politologin Gesine Schwan. Sie komme aus einer konfliktreichen Familie, in der beim Essen viel über politisches Engagement und den Weltfrieden diskutiert wurde.

HaarigDie Frisur der Macht

Was haben Angela Merkel, Theresa May und Hillary Clinton gemeinsam? Sie sind einflussreiche Politikerinnen – und sie tragen alle eine ähnliche Frisur. Einen Bob. Ist das nur Zufall? Haben sie alle den gleichen Friseur? Oder müssen wir die nächste Verschwörungstheorie ausrufen?

SPD-Vize Ralf Stegner"Ein richtig klasse Parteitag" der US-Demokraten

Ralf Stegner, stellvertretender Vorsitzender der SPD (picture alliance / dpa / Christian Charisius)

Vize-SPD-Chef Ralf Stegner war beim Nominierungsparteitag der US-Demokraten dabei. Er sieht die Partei gut aufgestellt für den anstehenden Wahlkampf. Hillary Clinton habe mit ihrer Rede gezeigt, dass sie eine gute Chance habe, Präsidentin zu werden.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Türkei  Zahl der Festnahmen steigt auf 18.000 | mehr

Kulturnachrichten

Porträt von Elizabeth I. für über zwölf Millionen Euro versteigert  | mehr

Wissensnachrichten

Beziehungen  Bei Streiten an die Zukunft denken | mehr