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Hilfreicher Service oder datenrechtlicher Albtraum?

Der Online-Service Google Street View soll noch 2010 in Deutschland starten

Googles "Auge" mal nicht auf einem Autodach, sondern auf einem Rad montiert - im Zoo von Sydney. (AP)
Googles "Auge" mal nicht auf einem Autodach, sondern auf einem Rad montiert - im Zoo von Sydney. (AP)

Der Internetkonzern Google will seinen umstrittenen Kartendienst Street View bis Jahresende auch in Deutschland starten - zunächst für die 20 größten Städte. Weiterhin regt sich großer Widerstand, so rät der Eigentümerverband "Haus & Grund" Immobilienbesitzern Widerspruch einzulegen.

Der oberste Datenschützer stößt sich vor allem an der kurzen Widerspruchsfrist von vier Wochen.

Laut Pressemitteilung auf der Google-Webseite sollen Mieter und Hausbesitzer ab Anfang nächster Woche unter google.de/streetview die Möglichkeit bekommen, mit einem Onlineformular Widerspruch einzulegen. Dies müsse innerhalb einer Frist von etwa vier Wochen geschehen. Die entsprechenden Gebäude werden dann im Netz unkenntlich gemacht.

Peter Welchering, Fachjournalist für Themen rund ums Internet, liefert Tipps für den Umgang mit dem Internet-Onlinedienst.

Besonders vierwöchige Widerspruchsfrist in der Kritik

Während der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar im Deutschlandfunk forderte, die Widerspruchsfrist zu verlängern, verteidigt Google-Sprecherin Lena Wagner die Dauer. Schon seit Mai 2009 könne man Einspruch einlegen, lediglich das Online-Tool sei neu und das vierwöchige Zeitfenster erforderlich, "damit wir garantieren können, dass wirklich kein Haus in Street View drin ist, was nicht in Street View drin sein soll".

Ganz grundsätzlich kritisiert Passaus Oberbürgermeister Jürgen Dupper das Vorgehen des US-Konzerns und die Toleranz aufseiten der Behörden:
"Solange sich natürlich die Gesetzgeber auf allen Ebenen zuförderst verstehen als oberste Wirtschaftsförderer, solange werden immer wieder die Interessen des Individuums unter die Räder kommen. Das ist doch ganz logisch. Wenn ich mich damit vereinbare zu sagen, man kann doch Google nicht zumuten, von jedem Bundesbürger oder Hausbesitzer die Einwilligung einzuholen, wenn ich solche Standpunkte vertrete, wird es immer so ausgehen."

Der freie Journalist Peter Welchering wirft Google im Deutschlandfunk-Kommentar sogar 'Vernebelungsaktionen' vor.

Ilse Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (CSU) (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Verbraucherschutz-Ministerin Ilse Aigner (CSU) fordert, alle Widersprüche müssten bearbeitet sein, bevor Street View startet. (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner forderte Google auf, alle Bedenken gegen Street View zu berücksichtigen. Der Kartendienst dürfe erst dann freigeschaltet werden, wenn sämtliche Widersprüche der Bürger umgesetzt worden seien, sagte die CSU-Politikerin in Berlin. Zudem müsse Google sein Versprechen halten, dass die Bedenken auch per Brief oder Fax geäußert werden könnten.

Der hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Casparsagte, die Ankündigung von Google komme ziemlich plötzlich. Er habe die Verantwortlichen bereits gebeten, die Widerspruchsfrist hinauszuschieben. Es handle sich um ein sehr komplexes Verwaltungsverfahren, das eine umfassende Vorabinformation der Bürger erfordere. Die Details des Verfahrens müssten erst noch geklärt werden, und zwar auch mit den Bundesländern. Caspar betonte jedoch, dass das Ausfüllen des von Google bereitgestellten Onlineformulars, mit dem man einer Veröffentlichung des Fotos seines Hauses widersprechen könne, "nicht trivial" sei.

Und so funktioniert Street View

US-Internethändler nutzen Google-Streetview bereits für das so genannte Geoscoring. (Google Maps)US-Internethändler nutzen Google-Streetview bereits für das so genannte Geoscoring. (Google Maps)Mit dem Dienst kann der Computernutzer Straßen, Plätze und Sehenswürdigkeiten in einer 360-Grad-Ansicht erleben. Die Orte wurde von Google Bild für Bild aufgenommen. Es handelt sich somit nicht um Livebilder oder Filme. Gesichter und Autokennzeichen würden bei Street View automatisch verfremdet, teilte das Unternehmen auf seiner Internetseite mit.

In diesen Städten startet Street View

Die 20 betroffenen Städte sind nach Angaben von Google: Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal.

Weitere Informationen zum Thema:
Bundesdatenschutzbeauftragter: Fragen und Antworten zu Google Street

Weitere Beiträge zu Google bei dradio.de:
10.8.2010 - Google: Start von Street View in Deutschland bis Jahresende<br> Aigner will Google-Zusagen zu dem Internetdienst prüfen
Hintergrund, 14.2.2010 - Das andere Gesicht des freundlichen Riesen <br> Googles Geschäftsmodell auf dem Prüfstand (DLF)
Hintergrund, 21.5.2009 - Wem gehört das Wissen? <br> Der Streit um Google und das Urheberrecht im Netz (DLF)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr

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