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Historikerstreit um Rolle des Auswärtigen Amtes in der NS-Zeit

Die Studie "Das Amt und die Vergangenheit" und ihre Bewertung

Oktober 1933: Joseph Goebbels und der damalige Außenminister Konstantin Freiherr von Neurath bei einer Sitzung des Völkerbundes in Genf. (AP)
Oktober 1933: Joseph Goebbels und der damalige Außenminister Konstantin Freiherr von Neurath bei einer Sitzung des Völkerbundes in Genf. (AP)

Die neue Studie über die Rolle des Auswärtigen Amtes in der Zeit des Nationalsozialismus hat zu einem Historikerstreit über Beginn und Ausmaß der Beteiligung deutscher Diplomaten am Holocaust geführt.

Im Deutschlandfunk übte der Historiker Hans Mommsen massive Kritik an der Publikation "Das Amt und die Vergangenheit". Die darin enthaltene Schilderung der Entwicklung des Auswärtigen Amtes bezüglich der Judenverfolgung enthalte "massive Fehler". So sei es falsch zu behaupten, das Auswärtige Amt sein bereits im September 1941 in den Holocaust eingeschaltet gewesen. Außerdem entstehe der "Gesamteindruck, als ob das Auswärtige Amt die entscheidende oder wichtige treibende Kraft in der Durchsetzung des Holocaust gewesen ist. Das ist einfach nicht richtig", so Mommsen.

Er bezichtigte die als Autoren der Studie verantwortliche Historikerkommission der "Fehlinterpretation" und einer "pauschalen ideologiegeschichtlichen Vorabbewertung". Das Buch hinterlasse bei ihm "eine sehr große Verlegenheit, ich könnte auch sagen Entsetzen". Es wäre, so der Historiker, besser gewesen, wenn sich die Historikerkommission "noch mit einem historischen Proseminar befasst hätte" und wenn einige Holocaustspezialisten "wenigstens mal mit der Korrektur des Textes" befasst gewesen wären. Bei der Publikation handele es sich, so Mommsen im Deutschlandfunk, um ein "Menetekel für den Übergang in eine staatlich dirigierte Geschichtswissenschaft".

Interview Hans Mommsen: "Das Amt und die Vergangenheit" löst bei Historiker Entsetzen aus

Dem widersprach im Deutschlandfunk der israelische Historiker Moshe Zimmermann. Der Mitautor der Studie bekräftigte noch einmal seine Erkenntnisse: "Wir haben nicht gesagt, dass Ribbentrop oder das Auswärtige Amt entscheidender waren als die Polizei, Himmler und so weiter. Aber sie waren von einer großen Bedeutung. Ich verstehe nicht, weshalb man versucht, heute die Leute im Auswärtigen Amt zu exkulpieren. Man versucht, sie darzustellen, als wären sie Figuren am Rande des Geschehens, am Rande der Politik, Leute, die eigentlich nichts unternehmen konnten. Das ist nicht der Fall, und das ist unser Punkt."

Hinter der Kritik verschiedener Kollegen an der Studie "Das Amt" vermutet Zimmermann zum einen eine politische Absicht: "Man versucht hier, irgendetwas zu korrigieren, um das Ansehen des Auswärtigen Amtes von damals zu retten, und das tut man auf einer sehr unfairen Art und Weise. Man versucht, uns in der Kommission Ignoranz oder Dokumentenfälschung vorzuwerfen."

Die Angriffe gegen die Historikerkommission hätten, so Zimmermann, aber noch einen anderen Hintergrund: "Meines Erachtens kommen die Vorwürfe nicht, weil der Inhalt nicht stimmt, oder weil die historische Arbeit nicht sauber war, sondern weil man beleidigt war, weil man selbst nicht zur Kommission gehörte. Deswegen versucht man, zu diskreditieren und damit eigentlich das Werk zu ruinieren."

Interview Moshe Zimmermann: "Ich wundere mich über Herrn Mommsen"


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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

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