Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Historischer Wahlsieg in Stuttgart

Grünen-Kandidat Kuhn wird Oberbürgermeister

Fritz Kuhn (2.v.r, Bündnis 90/Die Grünen), der Sieger bei der Wahl des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt Stuttgart (picture alliance / dpa / Marijan Murat)
Fritz Kuhn (2.v.r, Bündnis 90/Die Grünen), der Sieger bei der Wahl des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt Stuttgart (picture alliance / dpa / Marijan Murat)

Fritz Kuhn hat Geschichte geschrieben. Erstmals ist mit ihm ein Grüner als Oberbürgermeister einer Landeshauptstadt designiert. Als die ersten Ergebnisse aus den Wahlbezirken auf der Leinwand im Großen Ratssaal erschienen, fielen sich seine Parteifreunde in die Arme.

"Ich bin einer für ganz Stuttgart", betonte Kuhn: "Damit meine ich auch für alle, auch die, die nicht zur Wahl gegangen sind und die mich nicht gewählt haben." Die Wunden, die ein Wahlkampf naturgemäß schlage, müssten verheilen.

Kuhn hält seine Partei inzwischen für stark im Bürgertum verankert. Er kündigte an, die Stadt werde sich nicht an möglichen Mehrkosten für das Großprojekt "Stuttgart 21" beteiligen. Die Volksabstimmung zum Bahnhofsumbau werde er aber respektieren. Sein inhaltlicher Wunsch für Stuttgart sei eine Stadt, die nachhaltiger werde und ökonomisch gut dastehe.

CDU: Schwierigkeiten in Großstädten

Kuhn hatte sich im gestrigen zweiten Wahlgang mit rund 53 Prozent der Stimmen gegen den gemeinsamen Kandidaten von CDU, FDP und Freien Wählern, Sebastian Turner, durchgesetzt. Für Turner votierten etwa 45 Prozent. Der seit 16 Jahren regierende Oberbürgermeister Wolfgang Schuster von der CDU war nicht mehr angetreten.

Der Schriftsteller und "Stuttgart21"-Gegner Wolfgang Schorlau (picture alliance / dpa / Marijan Murat)Wolfgang Schorlau ist vom Wahlergebnis nicht überrascht (picture alliance / dpa / Marijan Murat)Für den Schriftsteller und "Stuttgart 21"-Gegner, Wolfgang Schorlau, ist das Ergebnis keine Überraschung: "Stuttgart ist die spannendste Stadt in Deutschland und ein demokratisches Labor" sagte er im Deutschlandradio Kultur. "Die Leute wollen einfach eine andere Politik, und so hat sich die Entwicklung angebahnt und das stimmt mich heiter." Schorlau wies darauf hin, dass nach Beginn der Bahnhofs-Bauarbeiten bereits drei Züge entgleist seien und das Dach des Bahnhofs nunmehr sturmgefährdet sei. "Die Bahn chaotisiert die Stadt, noch bevor es richtig losgeht. Den Bürgern blieb nichts anderes übrig, als neue Wege zu gehen. Genau das drückt die Wahl aus."

Thomas Strobl, CDU-Generalsekretär in Baden-Württemberg (picture alliance / dpa)Thomas Strobl, CDU-Generalsekretär in Baden-Württemberg (picture alliance / dpa)Bei den Christdemokraten herrscht derweil Katerstimmung. Baden-Württembergs CDU-Landeschef Thomas Strobl meinte, die CDU tue sich in Großstädten generell schwer: "Das haben dieses Jahr bereits Beispiele wie die Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt am Main gezeigt." Knapp ein Jahr vor der Bundestagswahl sei es nun Aufgabe der gesamten CDU, auch diesen Umstand zu analysieren und daraus Schlüsse zu ziehen, forderte Strobl.

Die Grünen mit ihrem wertkonservativen Profil sind besser angepasst an die urbanen Mittelschichten der Großstädte - so lautet die Einschätzung des Politikwissenschaftlers Hans-Georg Wehling von der Universität Tübingen. Mit Stuttgart werde nun nach Freiburg die zweite von insgesamt vier Städten mit über 200.000 Einwohnern in Baden-Württemberg grün regiert. Jedes Jahr verliere die CDU ein bis zwei Prozent Wähler an die Grünen. Wolle die Partei in Zukunft noch mit den Grünen mithalten, müsse sie sich dringend modernisieren, sagte Wehling im Deutschlandfunk. Ein Problem stelle dabei jedoch der Personalmangel der Christdemokraten in Baden-Württemberg dar.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:00 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 16:30 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Schwere Unwetter in Deutschland"Wir behalten diese gefährliche Unwetterlage"

Nach einem Unwetter mit starken Regenfällen ist am 29.05.2016 eine Straße in Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg) überschwemmt. (dpa / picture-alliance / Jonas Heilgeist)

Blitze, Hagel, Sturmböen und Starkregen: Ein Unwetter hat weite Teile im Süden des Landes verwüstet und auch im Westen und Norden sieht es ziemlich düster aus. Schuld daran ist das Tief "Elvira", das seit vielen Tagen über Deutschland liegt. Die Stagnation der Wetterlage sei deshalb besonders gefährlich, "weil wir ja anders als bei einer Badewanne keinen Abfluss haben", sagte die Meteorologin Katja Horneffer im DLF.

Philosoph Wolfram Eilenberger"Die integrative Kraft des Sports ist ein Mythos"

Die deutschen Spieler Torwart Bernd Leno (hinten, l-r), Sebastian Rudy, Jonas Hector, Mario Gomez, Antonio Rüdiger, Samy Khedira und Jerome Boateng sowie (vorne, l-r) Leroy Sane, Julian Draxler, Mario Götze und Joshua Kimmich. (dpa / Christian Charisius)

Der Philosoph Wolfram Eilenberger sieht in Deutschland ein hohes Maß an Alltagsrassismus. Die angebliche Boateng-Äußerung von AfD-Vize Alexander Gauland nannte er im Deutschlandfunk unverantwortlich. Die "integrative Kraft des Sports" bezeichnete Eilenberger allerdings als Mythos: "Wir bilden uns ein, dass der Sport eine sehr starke integrative Kraft hat, während das nur in zwei, drei Sportarten der Fall ist."

Hass auf Schwule in RusslandWas tun? Nicht aufgeben!

Zwei Männer küssen sich. (picture alliance / dpa)

Die Situation der Homosexuellen in Russland ist prekär, und Präsident Putin kümmert das wenig. Markus Ulrich vom Lesben- und Schwulenverband sieht die Diskriminierung in einem größeren Zusammenhang: als Teil einer antidemokratischen Entwicklung.

Preisverfall"Ein Zurück zur Milchquote ist nicht die Antwort"

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt von der CSU in der Bundespressekonferenz. (picture alliance / dpa / Bern von Jutrczenka)

Viele Landwirte in Deutschland leiden unter dem Preisverfall der Milch. Vor einem Treffen in Berlin mit Vertretern der Milchindustrie und des Handels kündigte Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) rasche Hilfen für die Bauern an. Ein Zurück zur Milchquote werde es aber nicht geben, sagte Schmidt im DLF.

Griechenland-Hilfen"Die Wahrheit kommt nur scheibchenweise ans Licht"

Der CDU-Abgeordnete Klaus-Peter Willsch. (imago/Sven Simon)

Der CDU-Finanzpolitiker Klaus-Peter Willsch hält es weiterhin für sinnvoll, dass Griechenland geordnet aus der Euro-Zone austritt. Er sagte im DLF, es sei kaum überraschend, dass nun einen Schuldenschnitt gesprochen werde. Auch rechne er mit wachsendem Widerstand in der Unionsfraktion gegen weitere Hilfsprogramme für Athen.

NationalismusEU-Kritik ist die Angst vor einer fehlenden Identität

Die Flagge Großbritanniens und die der Europäischen Union (Facundo Arrizabalaga, dpa picture-alliance)

War vor der Europäischen Union wirklich alles besser? Wir haben keine wirkliche Idee mehr, was unsere Nationen eigentlich sind, meint Klaus Weinert. Die Angst vor Fremden ist nichts anders als die eigene Verunsicherung, die Suche nach Identität durch Rückzug in die eigenen vier Wände.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Chemie-Tarife  Erste Verhandlungen in Hessen vertagt | mehr

Kulturnachrichten

Datenbankserver des SZ-Magazins im Mai gehackt  | mehr

Wissensnachrichten

Sonne  Lichtphänomen in Manhattan | mehr