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Hochfrequenzhandel erobert die Börsen

Behörden fordern stärkere Kontrolle des Aktienkaufs in Millisekunden

Von Benjamin Hammer

Deutsche Börse in Frankfurt am Main - alle vier Sekunden zeigen die Anzeigetafeln einen neuen Stand des Deutschen Aktien Index (DAX) an (AP)
Deutsche Börse in Frankfurt am Main - alle vier Sekunden zeigen die Anzeigetafeln einen neuen Stand des Deutschen Aktien Index (DAX) an (AP)

Ein Börsenhändler kann, wenn er schnell ist, vier oder fünf Mal pro Minute Aktien handeln. Computern ist er damit hoffnungslos unterlegen. Die schaffen Millionen Transaktionen pro Minute. Rund die Hälfte aller Aktien werden mittlerweile so gehandelt. Doch der Hochfrequenzhandel steht in der Kritik.

Die Börse in Frankfurt am Main, alle vier Sekunden klackern die Anzeigetafeln und zeigen einen neuen Stand des Deutschen Aktien Index an. Lächerlich langsam ist das in einer Zeit, in der Millionen von Transaktionen im Bruchteil einer Sekunde getätigt werden.

Der Hochfrequenzhandel erobert die Börsen weltweit. Zum Beispiel mit dem sogenannten Arbitragehandel. Computer durchforsten dabei Aktien, die an mehreren Börsen gehandelt werden. Sobald es auch nur einen winzigen Kursunterschied zwischen den Standorten gibt, schlagen die Computer zu. Kaufen und Verkaufen - blitzschnell und das in hoher Stückzahl. Der Gewinn pro Sekunde ist überschaubar, pro Tag ist er ordentlich und pro Jahr macht die Branche Milliardengewinne.

Peter Knapp profitiert vom Aufschwung der Branche. Er leitet in Deutschland die Geschäfte von Interxion, die Firma betreibt etwa in London Rechenzentren für die ultraschnellen Händler. Es ist ein Geschäft, bei dem jede Millisekunde zählt.

"Die Schnelligkeit in den Transaktionen entscheidet sich durch die Nähe. Es kann durchaus einen Unterschied machen ob eine Glasfaserleitung hundert Meter oder einen Kilometer entfernt ist. Daher versuchen wir auch als Unternehmen möglichst nah an den Handelsplätzen zu sein. Also es ist sehr wohl auch eine Investitionsschlacht, die sich nicht jeder leisten kann."

Unfair sei das, meinen einige Analysten an der Frankfurter Börse. Darunter Oliver Roth, Analyst bei der Bank Close Brothers Seydler.

"Weil ja einige Wenige, Ausgesuchte, die sich große Computer leisten können und leistungsstarke Leitungen leisten können, dass die letztendlich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der großen Masse haben und sich, wenn man so will, auf Kosten der Masse finanzieren."

Auffällig ist, dass Hochfrequenzhändler immer dann sehr aktiv werden, wenn es an den Börsen zu hohen Kursschwankungen kommt. Im turbulenten August verdreifachten die schnellen Händler ihre Transaktionen in den USA, schätzt der US-Marktforscher Tabb. Am 8. August rauschte der Dow Jones in die Tiefe. Allein an diesem Tag, so eine Schätzung, machten die Hochfrequenzhändler in den USA einen Gewinn von 60 Millionen US-Dollar. Es sind solch turbulente Tage wie der 8. August, an denen der Hochfrequenzhandel die Stabilität an den Finanzmärkten gefährdet. Das sagt Nikolaus Hautsch, Ökonom an der Humboldt Universität in Berlin.

"Weil man sich in so sehr nervösen Phasen noch viel weniger einig darüber ist in welche Richtung der Preis eigentlich laufen sollte, ob rauf oder runter. Und dadurch, dass diese Prozesse so schnell ablaufen, kann es sein, dass dadurch diese Prozesse dann überschießen. Das heißt, in bestimmten Phasen ist der Mensch der Maschine nach wie vor überlegen und wird meiner Meinung nach auch immer überlegen sein und das darf man nicht vergessen."

Vor dem Mikrofon wollten sich Vertreter des Hochfrequenzhandels nicht äußern. Am Telefon verweisen sie auf den Nutzen ihrer Computer. Die würden helfen, dass Aktien schneller gehandelt werden könnten, brächten also Liquidität für den gesamten Handel, die Preisfindung werde erleichtert. Diese Argumente stimmen, meint auch der Ökonom Hautsch von der Humboldt Uni. Aber nur, solange der Markt nicht in großer Unruhe sei.

Bei der Deutschen Börse verweist man auf Sicherungssysteme. Sogenannte Volatilitätsunterbrechungen würden den Hochfrequenzhandel aussetzen, wenn ein Aktienwert zu stark schwanke.

Zu selten komme es jedoch zu diesen Sicherungen, meinen Kritiker. Und – das ist die Ironie an der Geschichte – auch die Sicherungssysteme laufen voll automatisch: auf einem Computer.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:44 Uhr

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