Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Höhere Entschädigung für Gemüsebauern

EHEC-Erreger auf Gurke in Magdeburg nachgewiesen

Lebensmittelproben werden von einer Chemikerin auf den EHEC-Erreger mit einer Nährlösung getestet. (picture alliance / dpa - Roland Weihrauch)
Lebensmittelproben werden von einer Chemikerin auf den EHEC-Erreger mit einer Nährlösung getestet. (picture alliance / dpa - Roland Weihrauch)

Gestern waren es noch 150 Millionen Euro, heute sind es schon 210 Millionen: EU-Landwirtschaftskommissar Ciolos will Gemüsebauern mit mehr Geld für die Ausfälle aufgrund der EHEC-Krise entschädigen. Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerium meldet derweil den Fund eines Darmkeims in der Abfalltonne einer an EHEC erkrankten Familie.

Der Fund hat Aufsehen erregt, bringt aber bisher nicht weiter bei der Suche nach der Infektionsquelle für die EHEC-Epidemie: Auf einem weggeworfenen Stuck Gurke aus der Abfalltonne einer an EHEC erkrankten Familie in Magdeburg haben Experten den Darmkeim nachgewiesen. Das gab ein Sprecher des Gesundheits- und Sozialministeriums in Sachsen-Anhalt bekannt. Der Gurkenrest lag aber bereits seit eineinhalb Wochen mit anderen Abfällen in der Tonne, weshalb keine Rückschlüsse auf die Herkunft des Erregers gezogen werden könnten. Die Behörden warnen weiter davor, rohe Tomaten, Gurken, Salat und Sprossen zu essen.

Umsatz bei Gemüse rückläufig

Den Gemüsebauern und dem Lebensmittel-Einzelhandel bescheren diese Warnungen Umsatzverluste. Deshalb hatte die EU-Kommission am Dienstag nach einem Dringlichkeitstreffen der Landwirtschaftsminister 150 Millionen Euro Soforthilfe für die Gemüsebauern angeboten. Viele EU-Länder hatten die Hilfe aber als zu niedrig kritisiert. Heute legte EU-Landwirtschaftskommissar Ciolos nach und kündigte Entschädigunszahlungen in Höhe von 210 Millionen Euro an. Die EU-Mitgliedsstaaten müssen diesem Vorschlag noch zustimmen.

Unionsbundestagsfraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) forderte in der "Rheinischen Post" zusätzliche nationale Hilfen für die Gemüsebauern.

Krisenmanagement soll optimiert werden

In den vergangenen Tagen war immer wieder Kritik laut geworden, dass sich verschiedene Institutionen sowie Landes- und Bundesminister zu der Krise geäußert hatten und so zur Verunsicherung der Bevölkerung beigetragen hätten. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sagte deshalb heute nach dem Spitzentreffen von Bund und Ländern in Berlin, er und seine Länderkollegen hätten sich darauf verständigt, nach Bewältigung der Krise die Erfahrungen zu analysieren und nach möglichen Verbesserungen zu suchen. Allerdings sei jetzt "nicht der richtige Zeitpunkt für Strukturdiskussionen".

SPD-Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann nannte es ein "Armutszeugnis", dass die zuständigen Minister aus Bund und Ländern erst mehrere Wochen nach Auftreten der Fälle erstmals darüber berieten.

Vor der Konferenz hatte Gesundheitsminister Bahr im ARD-Morgenmagazin Forderungen nach einer neuen zentralen Bundesbehörde zur Seuchenbekämpfung zurückgewiesen. Vielmehr müsse die Kommunikation und Koordination zwischen den beteiligten Behörden und Institutionen verbessert werden, betonte der Gesundheitsminister. Bei der aktuellen EHEC-Krise sei "zu viel spekuliert" worden und das habe "die Menschen verunsichert".

Zugleich wies Bahr auf eine positive Entwicklung bei der Zahl der Neuinfektionen hin. Diese seien leicht rückläufig. Für eine Entwarnung sei es aber noch zu früh.

Auch die rheinland-pfälzische Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken fordert eine bessere Koordination, ein "klares EHEC-Bekämpfungsprogramm". Dafür müsse aber auf Bundesebene eine übergeordnete Struktur aufgebaut werden, "die enger ist und stringenter ist als das, was wir bisher haben", sagte Höfken im Deutschlandfunk.

Erst Kritik, dann Lob von der EU

EU-Gesundheitskommissar John Dalli nahm auch an den Beratungen teil. Zuvor hatte er in in einem Gastbeitrag für die Zeitung "Die Welt" die deutschen Behörden dazu aufgefordert, eng mit ausländischen Experten zusammenzuarbeiten.

Doch nun ist der Kommissar voll des Lobes für die deutschen Behörden: Einige EU-Experten hätten sich in den vergangenen Tagen ein Bild von den Bemühungen zur Eindämmung der Krise gemacht und seien von den Anstrengungen beeindruckt gewesen, sagte Dalli nach dem Spitzentreffen. Nun sei nicht der Moment für Kritik. Nach der Krise müssten aber mögliche Lehren abgesprochen werden. Nötig sei eine enge Kooperation und Koordination.

Links zum Thema bei dradio.de:

Sommer ohne Salat <br> Wie Behörden über EHEC informieren (DLF)
Was EHEC für Europa bedeutet <br> Deutschland ist in der aktuellen Krise kein Vorbild (DLF)
Der Gemüsegarten Europas ist geschockt - <br> In der Vorderpfalz sind viele Bauern durch die EHEC-Krise in ihrer Existenz bedroht

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:42 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 03:05 Uhr Weltzeit

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Erster Auftritt als BundespräsidentSteinmeier zeigt klare Kante

Der neue Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht am 22.03.2017 bei der gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat nach seiner Vereidigung im Deutschen Bundestag in Berlin.  (dpa/Michael Kappeler)

Frank Walter Steinmeier hat in seiner Antrittsrede die Kontroverse um den türkischen Präsidenten in der Mittelpunkt gestellt - verbunden mit dem Aufruf, den deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel freizulassen. Ein riskantes Manöver für das neue deutsche Staatsoberhaupt.

Leipziger BuchmesseDas Lesen kann beginnen!

Auf der Leipziger Buchmesse 2016: Ein Frau liest  (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

In Leipzig wird heute Abend die Buchmesse eröffnet. Bis Sonntag präsentieren mehr als 2.000 Aussteller ihre Neuerscheinungen. Unser Literaturkritiker Kolja Mensing hat alle redaktionellen Vorbereitungstreffen hinter sich - und befindet sich nun "im Rausch".

Auftritte türkischer MinisterErdogans verschleierte Kehrtwende

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan spricht in Istanbul. (AFP / OZAN KOSE)

Die Ansage der Bundesregierung, den Türken die Stimmabgabe in Deutschland im Falle von Rechtsverstößen zu verbieten, stelle für Ankara ein echtes Problem dar, kommentiert Christian Buttkereit. Denn dieser sei auf diese Stimmen angewiesen.

Julia Samoilowa Ukraine verbietet russischer ESC-Kandidatin Einreise

Die im Rollstuhl sitzende Sängerin Julia Samoilowa tritt am 07.03.2014 in Sotschi (Russland) bei der Eröffnungsfeier der Paralympischen Winterspiele 2014 auf.  (dpa picture-alliance/AP Ekaterina Lyzlova)

Der ukrainische Geheimdienst hat der russischen ESC-Teilnehmerin Julia Samoilowa die Einreise verboten. Dadurch kann die Sängerin im Rollstuhl voraussichtlich nicht beim Eurovision Song Contest (ESC) im Mai in Kiew auftreten.

AskeseVerzicht oder nicht?

Ein Mönch sitzt im Antaiji Kloster neben einer Gitarre und genießt die völlige Ruhe. (Norbert Hübner)

Enthaltsamkeit dient in modernen Gesellschaften oft nicht mehr der spirituellen Erhebung, sondern der Leistungssteigerung. Fundamentalisten des innerweltlichen Glaubens rennen in die Muckibude, ans Cardio-Gerät, aufs Indoor-Fahrrad. Ein Plädoyer fürs Fasten durch Laster.

Konzertfilm "Rammstein - Paris"Brutalo-Trash im Kino

Band Rammstein bei der Filmpremiere "Rammstein Live in Paris" in der Berliner Volksbühne: Richard Zven Kruspe, Paul Landers, Oliver Riedel, Christian Lorenz, Christoph Schneider und Till Lindemann. (imago/Tinkeres)

Martialische Musik und brutale Ästhetik – das ist das Erfolgsrezept von Rammstein. Der schwedische Regisseur Jonas Akerlund hat aus mehreren Konzerten der Band in Paris einen Film gemacht. Ab Donnerstag kommt "Rammstein - Paris" für nur drei Tage in 100 deutsche Kinos.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Anschlag in London  Polizei spricht jetzt von fünf Toten | mehr

Kulturnachrichten

Ukraine verbietet russischer ESC-Kandidatin Einreise  | mehr

 

| mehr