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Hoeneß: Kein Rücktritt

Bayern-Präsident prüft rechtliche Schritte gegen Berichterstattung

Derzeit wird geprüft, ob Hoeneß' Selbstanzeige wirksam ist (dpa / Andreas Gebert)
Derzeit wird geprüft, ob Hoeneß' Selbstanzeige wirksam ist (dpa / Andreas Gebert)

Uli Hoeneß schließt einen Rücktritt als Präsident des FC Bayern München wegen seiner Steueraffäre vorerst aus. Stattdessen will er sich gegen die Berichterstattung wehren. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich enttäuscht über das Fußball-Idol.

"Viele Menschen in Deutschland sind jetzt enttäuscht von Uli Hoeneß, die Bundeskanzlerin zählt auch zu diesen Menschen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Dieses Gefühl sei um so größer, da der FC-Bayern-Präsident auch für vieles Positive über den Fußball hinaus stehe und sich sehr für Integration einsetze. "Diese Verdienste bleiben natürlich, aber es ist jetzt durch die Tatsache der Selbstanzeige wegen Steuerbetruges eine andere, traurige Facette hinzugekommen."

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ließ derweil klarstellen, dass er nicht über Details der Steuerermittlungen gegen Hoeneß informiert gewesen sei. Er habe nach Hoeneß' Selbstanzeige "aus der Staatsregierung heraus" lediglich Kenntnis darüber erlangt, dass gegen den Präsidenten des deutschen Fußball-Meisters FC Bayern ermittelt werde. Einzelheiten über den Fall hätten nicht dazugehört, teilte die Staatskanzlei mit.

Am Samstag war publik geworden, dass sich Hoeneß, Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München, bereits im Januar selbst angezeigt hatte. Persönliche Konsequenzen will der 61-Jährige derzeit aber keine ziehen. "An einen Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender bei Bayern München denke ich nicht", sagte Hoeneß der Zeitschrift "Sport Bild" - diese Aussage schließt auch sein Amt als Präsident des Klubs ein, weil beide Ämter zusammenhängen.

Zur Sache selbst äußerte sich Hoeneß nicht und wies darauf hin, dass er sich in einem schwebenden Verfahren befinde. "Sie können sich vorstellen, dass mir vieles auf der Zunge liegt, aber ich muss erst mit den Behörden meine Hausaufgaben machen", sagte Hoeneß der "Süddeutschen Zeitung". Zugleich kündigte Hoeneß an, er wolle gegen "die Exzesse in einigen Berichterstattungen" anwaltschaftlich vorgehen, berichtet Korrespondent Michael Watzke im Deutschlandradio Kultur. Einer Münchner Zeitung kündigte der frühere Bayern-Manager an: "Für die wird das richtig teuer."

Steuerabkommen mit der Schweiz im Fokus

 Milliardendeal vor dem Aus: Rot-Grün will Steuerabkommen kippen (picture alliance / dpa / Robert Schlesinger)Das Steuerabkommen mit der Schweiz scheiterte im Bundesrat (picture alliance / dpa / Robert Schlesinger)In der Politik schlägt die Selbstanzeige hohe Wellen: Fünf Monate vor der Landtagswahl in Bayern und der Bundestagswahl versuchen die Oppositionsparteien, politisches Kapital aus der Angelegenheit zu schlagen. SPD und Grüne sehen sich bestätigt, 2012 das von der Bundesregierung geplante Steuerabkommen mit der Schweiz verhindert zu haben.
Uli Hoeneß hatte seine Selbstanzeige zu einem Konto in der Schweiz mit dem Scheitern des Abkommens begründet, schreibt die Zeitschrift "Focus". Nun ermittle die Staatsanwaltschaft München gegen den Sportfunktionär.

Die gescheiterte Vereinbarung hatte vorgesehen, Schwarzgelder deutscher Anleger in der Schweiz zugunsten des deutschen Fiskus zehn Jahre rückwirkend mit einem Satz zwischen 21 und 41 Prozent zu versteuern. Die Steuerflüchtlinge wären dabei anonym und straffrei geblieben. SPD und Grüne hatten das Vorhaben mit der Begründung gekippt, dass damit Steuerbetrug im Nachhinein legalisiert würde.

Der Bund der Steuerzahler mahnte unterdessen erneut internationale Abkommen an. Nur so könne Steuerhinterziehung flächendeckend bekämpft werden, sagte Verbandspräsident Reiner Holznagel der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Mit vielen Ländern gebe es bereits entsprechende Vereinbarungen. Es fehle jedoch ein Abkommen mit der Schweiz.

Der CSU-Europapolitiker Markus Ferber sieht wiederum gute Chancen für eine europäische Einigung zum Austausch von Bankdaten. Ferber sagte im Deutschlandfunk, nach dem Einlenken Luxemburgs sperre sich nur noch Österreich gegen mehr Transparenz. Dies könne sich aber nach der Nationalratswahl ändern.

Bericht: Hoeneß umging Steuer

Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" zufolge hat Hoeneß seit mehr als zehn Jahren versteuertes Geld in Millionenhöhe bei einer in Zürich ansässigen Bank deponiert. Anscheinend, schreibt die SZ, hat er dem deutschen Fiskus allerdings nicht die anfallende Kapitalertragsteuer gezahlt.

Für ihn läuft es momentan alles andere als gut: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (picture alliance / dpa / Jens Wolf)Peer Steinbrück (picture alliance / dpa / Jens Wolf)SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagte im ARD-Fernsehen: "Herr Hoeneß und viele andere haben darauf vertraut, dass der Vertrag unterzeichnet wird - und sie damit in der Anonymität bleiben und ihr Verhalten quasi nachträglich legalisiert wird." Der Grünen-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Jürgen Trittin, sprach von einem "Geldwaschabkommen". Der bayerische SPD-Landtagsspitzenkandidat Christian Ude warf der CSU in der "Welt am Sonntag" vor, dass die Partei "so viele Sympathien für Steuerhinterzieher hegt, obwohl sie sonst so für Law and Order auftritt".

Bayerns Finanzminister Markus Söder konterte: "Die Vorwürfe der Opposition sind eine Unverschämtheit und reiner Wahlkampf", sagte der CSU-Politiker. Bayerns Steuerverwaltung sei erfolgreicher und erziele bessere Ergebnisse als die Kollegen in anderen Ländern. Mit dem Steuerabkommen mit der Schweiz hätte man alle Steuersünder erwischt. "Das hat die SPD verhindert."

Bosbach: "Wenn sie Steuern zahlen, sind sie immer noch steinreich"

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach. (dapd/ Axel Schmidt)Für das deutsch-schweizerische Steuerabkommen: Wolfgang Bosbach (dapd/ Axel Schmidt)Auch der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach bemängelte im Deutschlandfunk, dass noch kein deutsch-schweizerisches Steuerabkommen umgesetzt wurde. So sei man derzeit auf den Diebstahl von Steuer-Daten angewiesen. Andernfalls blieben Hinterzieher anonym und der Staat komme nicht an deren Geld. Zugleich bekräftigte Bosbach, der Vorsitzender des Bundestags-Innenenausschusses ist, dass Steuerhinterziehung kein Kavaliersdelikt sei. "Wenn sie Steuern zahlen, sind sie immer noch alle steinreich", sagte er über "Steinreiche" wie Uli Hoeneß.

Als Konsequenz aus der Affäre Hoeneß fordert auch die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International ein Steuerabkommen mit der Schweiz. Im Deutschlandfunkbemängelte die Sportbeauftragte der Organisation, Sylvia Schenk, dass in Steueroasen keine Informationen über Hinterzieher herausgegeben würden. Fahndungsbehörden müssten wissen, wer wo Geld angelegt habe.

Hoeneß als Steinbrück-Berater

Die Leipziger Volkszeitung meldet unterdessen, dass Hoeneß in der Amtszeit von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück dessen Berater gewesen sei. So kam Steinbrück mit seiner kleinen Prominenten-Beraterrunde, darunter Hoeneß und auch Margot Käßmann, mindestens zwei Mal jährlich zusammen. Das erste Treffen fand am 20. Dezember 2006 statt. In die Zeit dieser Promi-Beratung fiel unter anderem das sich später als eher untauglich erwiesene Steuerhinterziehungsbekämpfungsgesetz.


Mehr zum Thema:

Nach Hoeneß: Wieder Streit über Steuerabkommen - Bericht von Korrespondent Frank Capellan

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:10 Uhr

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