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Hoeneß zeigt sich wegen Schweiz-Konto an

Ermittlungen wegen Verdachts der Steuerhinterziehung

Uli Hoeneß erstattete Selbstanzeige (picture alliance / dpa / Lennart Preiss)
Uli Hoeneß erstattete Selbstanzeige (picture alliance / dpa / Lennart Preiss)

Uli Hoeneß hatte eigentlich auf auf das Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz gehofft: Aber weil das Gesetzesvorhaben im Bundesrat scheiterte, sah der Manager des FC Bayern keine andere Möglichkeit und erstattete beim Finanzamt Selbstanzeige.

Die Behörde prüft unter anderem, ob die Selbstanzeige beim Finanzamt wirksam und vollständig ist. Wie viel Geld Hoeneß in der Schweiz angegeben hat, dazu wollte sich die Oberstaatsanwaltschaft München nicht äußern. Nach Recherchen des Nachrichtenmagazins "Focus" hat der Bayern-Präsident die Anzeige bestätigt. Diese hänge "mit einem Konto von mir in der Schweiz" zusammen. Er habe die "Angelegenheit ursprünglich" über das Deutsch-Schweizer Steuerabkommen regeln wollen, das dann "bekanntlich Mitte Dezember 2012 nicht zu Stande gekommen" sei. Wie die"Süddeutsche Zeitung"berichtete, habe er ebenso, wie viele andere Hinterzieher Amnestien verstreichen lassen, mehrere Gelegenheiten verpasst und bis zuletzt gepokert.

Die Anzeige hatte Hoeneß im vergangenen Januar über seinen Steuerberater eingereicht. Daraufhin durchsuchten die Behörden nach Angaben des "Focus" sein Anwesen am Tegernsee im vergangenen Monat. Hoeneß betonte, er arbeite mit seinen Anwälten und Beratern "in vollem Umfang" mit den Behörden zusammen und vertraue voll und ganz auf deren Arbeit. Die Staatsanwaltschaft prüft gegenwärtig "Wirksamkeit und Vollständigkeit der Selbstanzeige".

Mehrere hundert Millionen Euro

Hoeneß soll nicht nur durch seine Arbeit als Sportfunktionär, sondern auch als Eigentümer einer Wurstfabrik reich geworden sein. Wie die Münchner Abendzeitung berichtet, soll er mehrere hundert Millionen Euro in der Schweiz geparkt haben.

Steuersenkung? Nicht mit den Ländern (dpa / Armin Weigel)Steuererklärung (dpa / Armin Weigel) Durch seine Selbstanzeige könnte Uli Hoeneß nun einer saftigen Strafe entgehen. Denn auf Steuerhinterziehung stehen in Deutschland nicht nur Geldstrafen, sondern auch bis zu fünf Jahre Haft. Die wird in der Regel verhängt, wenn mehr als 100.000 Euro hinterzogen wurden.

Durch eine Selbstanzeige können Steuersünder straffrei gehen. Allerdings nur, wenn sie nachweislich keine Kenntnis davon hatten, dass die Behörden bereits gegen sie ermitteln. In einem solchen Fall setzt das Finanzamt eine bestimmte Frist, in der der Steuersünder seine Schuld begleichen muss. Bei der Münchner Abendzeitung heißt es, zeitgleich mit der Selbstanzeige habe Hoeneß mehr als fünf Millionen Euro an das Finanzamt überwiesen.

Glaubwürdigkeit massiv erschüttert

Wenn jemand aus dem Glashaus mit Steinen werfe, dann habe Hoeneß möglicherweise sogar mit Ziegelsteinen geworfen, so unser Korrespondent Michael Watzke im Deutschlandfunk: "Er hat ja immer wieder gegen Korruption, auch in der FIFA gewettert, da wäre seine Glaubwürdigkeit sehr stark angekratzt. Ich denke, man will beim FC Bayern jetzt erst einmal Ruhe vor dem Halbfinalspiel gegen Barcelona bewahren und in den nächsten Wochen wird er sich dann sicherlich auch mit Fragen nach seinem Amt oder seinem Rücktritt auseinandersetzen müssen", so Watzke.

SPD nutzt das Verfahren zum Angriff auf CSU

Peer Steinbrück in der Debatte über den erweiterten Euro-Rettungsschirm (dpa / picture alliance / Wolfgang Kumm)Peer Steinbrück will keinen Promi-Bonus für Hoeneß (dpa / picture alliance / Wolfgang Kumm)Durch die Causa Hoeneß fühlt sich vor allem die SPD bestätigt. Gemeinsam mit den Grünen hatte sie im Dezember des vergangenen Jahres verhindert, dass das Deutsch-Schweizer Steuerabkommen durch den Bundesrat kam. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagte der "Rheinischen Post": "Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt, sondern kriminell. Für Hoeneß darf es keinen Promi-Bonus geben, aber auch keinen Promi-Malus und keine Vorverurteilung." Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß, erklärte, Hoeneß habe darauf gehofft, dass seine Steuerhinterziehung durch das Abkommen legalisiert werde und er dabei anonym bleiben könne. Der bayerische SPD-Spitzenkandidat Christian Ude sagte der "Welt am Sonntag", er verstehe seit Jahren nicht, warum die CSU so viele Sympathien für Steuerhinterzieher hege, obwohl sie sonst für Law and Order auftrete. Dass Hoeneß wiederum Sympathien für die CSU hege, finde in den kommen Wochen vielleicht eine Erklärung,so Ude.

Seehofer wusste von den Ermittlungen

Zuvor hatte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bestätigt, dass er von den Ermittlungen gegen Hoeneß schon seit längerem wisse. Was nun weiter geschehe, das müssten die Justiz-und Finanzbehörden nun regeln, so Seehofer.

Steuerabkommen wurde von der Schweiz ratifiziert

Mit dem Steuerabkommen hatte die Bundesregierung gehofft, deutsches Schwarzgeld in der Schweiz besteuern zu können. Dafür sollten die Spareinlagen aus den vergangenen zehn Jahren von 2013 an pauschal mit 21 bis 41 Prozent versteuert werden. Danach sollten für deutsche Vermögen in der Schweiz die gleichen Steuersätze wie in Deutschland gelten. Die Schweiz hatte das Abkommen zwar ratifiziert, die Opposition ließ es aber im Bundesrat durchfallen. Nach Ansicht von SPD und Grünen bot es Steuerhinterziehern noch immer zu viele Schlupflöcher.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:10 Uhr

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