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Hoffen auf den "Großen Nachfolger"

Nordkorea setzt auf den Sohn Kim Jong Ils

Kim Jong Un, designierter Staatschef Nordkoreas und dritter Sohn des verstorbenen Kim Jong Il (picture alliance / Kyodo/MAXPPP)
Kim Jong Un, designierter Staatschef Nordkoreas und dritter Sohn des verstorbenen Kim Jong Il (picture alliance / Kyodo/MAXPPP)

Kim Jong Un gilt als der sichere Nachfolger des kürzlich verstorbenen Staatschefs Kim Jong Il. Das nordkoreanische Fernsehen huldigt ihm, der Rest der Welt zeigt sich skeptisch. Welchen Weg der wahrscheinliche Anführer einschlagen wird, ist noch unklar.

Japans Premierminister Yoshihiko Noda betonte, er hoffe, dass die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel durch den Tod des Diktators nicht beeinträchtigt werde. Die USA und Japan vereinbarten, die Entwicklung genau zu beobachten. Hintergrund sind die sogenannten Sechs-Parteien-Gespräche zur atomaren Aufrüstung Nordkoreas, die seit drei Jahren auf Eis liegen. Diese Verhandlungen werden zwischen den beiden koreanischen Staaten sowie den USA, Russland, China und Japan geführt.

China, stärkster Verbündeter des Regimes von Pjöngjang, versprach, "zu Frieden und Stabilisierung auf der koreanischen Halbinsel und im nordkoreanischen Gebiet" beizutragen. Auch aus chinesischer Sicht scheint also die Lage nach dem Tod von Kim Jong Il unsicher zu sein. Staatspräsident Hu Jintao besuchte am Dienstag die nordkoreanische Botschaft in Peking. Er bekundete sein Beileid.

Auch Südkorea verkündete öffentlich sein Beileid. Eine offizielle Delegation werde zwar nicht ins Nachbarland reisen. Möglicherweise würden aber die Familien des früheren südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung und des ehemaligen Hyundai-Chefs Chung Mong Hun kommen. Nicaragua und Kuba haben dem kommunistischen Land ihr Beileid ausgesprochen. Im sozialistischen Kuba wurde eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.

USA und Südkorea versetzen Streitkräfte in Alarm

Nordkoreas Staatschef aufgebahrt in einem Glassarg, ein Bild aus dem nordkoreanischen Staatsfernsehen (picture alliance / dpa / YNA Yonhap)Nordkoreas Staatschef aufgebahrt in einem Glassarg, ein Bild aus dem nordkoreanischen Staatsfernsehen (picture alliance / dpa / YNA Yonhap)Der "Geliebte Führer" war am Samstag gestorben. Die Staaten warten nun auf die ersten Entscheidungen des "Großen Nachfolgers", wie der Sohn Kim Jong Ils, Kim Jong Un, genannt wird. Sein genaues Alter ist unbekannt, er wird auf etwa 28 Jahre geschätzt. Politisch gilt er als unerfahren. Als erste Reaktion haben Südkorea und die USA ihre Streitkräfte in Alarm-Bereitschaft versetzt. Die USA haben 28.000 Soldaten an der Grenze zu Nordkorea stationiert.

Die Internationale Atomenergie-Agentur (IAEA) hat angekündigt, wieder Inspektoren in das Land zu entsenden. IAEA-Chef Yukiya Amano nannte den erneuten Einsatz von UN-Kontrolleuren in Nordkorea wichtig für die atomare Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel. Ob Nordkorea wirklich Atomwaffen besitzt, ist unklar.

In Nordkorea selber wird staatlich verordnet getrauert. Der Sarg Kim Jong Ils wurde in demselben Mausoleum aufgebahrt, in dem auch der einbalsamierte Leichnam des Vaters Kim Il Sung steht. Der designierte neue Staatschef Kim Jong Un verharrte einige Minuten am Sarg, begleitet von Musik. Das offizielle Begräbnis soll am 28. Dezember stattfinden, ausländische Staatsgäste sollen aber nicht eingeladen sein.

Koschyk: "Es gibt Erosionserscheinungen"

 Hartmut Koschyk, CDU/CSU (Deutscher Bundestag)Hartmut Koschyk, CDU/CSU (Deutscher Bundestag)Hartmut Koschyk (CSU), Vorsitzender des deutsch-koreanischen Forums, das die Regierungen Deutschlands und Südkoreas 2002 ins Leben gerufen haben, hält politische Veränderungen in Nordkorea für möglich. "Ich habe Nordkorea in den letzten Jahren immer wieder besucht und auch dort festgestellt, dass es Erosionserscheinungen gibt, und ich habe deshalb ein Fragezeichen, ob es dem knapp 30-jährigen Kim Jong-Un gelingt, die Macht so zu übernehmen, wie es 1994 seinem Vater noch gelungen ist", sagte Koschyk im Deutschlandfunk.

Nordkorea sei umgeben von Ländern, die im Wandel seien. Die Grenzen zum Verbündeten China seien durchlässiger geworden, einigen Nordkoreanern gelinge es, ins Nachbarland zu reisen. "Dort erhalten sie freie Informationen, dort wissen sie, was auf der Welt los ist", meinte Koschyk. "Freie Gedanken, eine freie Wirtschaftsordnung, Religionsfreiheit - das alles wird auch auf Dauer vor Nordkorea nicht haltmachen."

Weiterführende Informationen auf dradio.de:

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il ist tot - USA kündigen Überprüfung der Beziehungen an

Abgeschottet vom Rest der Welt - Nordkorea im Fokus der Öffentlichkeit (DLF)

Nordkorea "ist allein in keiner Weise mehr überlebensfähig" - CSU-Politiker Koschyk sieht erste Anzeichen für einen Wandel

Politologe: Nordkorea ist "ein Zombie-Staat" - Hanns Maull über die Abhängigkeit des Landes von China

"Der bizarre Personenkult wird bleiben" in Nordkorea - SPD-Politiker rechnet nach Tod Kim Jong Ils nicht mit Politikwechsel

Unsicherheit nach dem Tod von Nordkoreas Machthaber - Die Volkswirtschaft des Landes ist eine unbekannte Zone

"Der Shogun war unser Himmel" - Nordkorea nach dem Tod Kim Jong Ils

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:46 Uhr

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