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Hoffen in Ostholstein

Streitthema Fehmarnbeltquerung im Schleswig-Holsteiner Wahlkampf

Von Thorsten Jabs

Der geplante Fehmarnbelt-Tunnel wird der Umwelt, dem Tourismus und den Anwohnern schaden, sagen dessen Gegner. (picture alliance / dpa)
Der geplante Fehmarnbelt-Tunnel wird der Umwelt, dem Tourismus und den Anwohnern schaden, sagen dessen Gegner. (picture alliance / dpa)

Was für andere Bundesländer Stuttgart 21 oder Flughäfen sind – ist für Schleswig-Holstein die Fehmarnbeltquerung: die geplante Verbindung zwischen der dänischen Insel Lolland und der deutschen Insel Fehmarn. Seit Jahren kämpfen Aktionsbündnisse gegen das Projekt an sich und die damit verbundenen Streckenplanungen - und hoffen nun auf einen Regierungswechsel.

Fehmarn – Die Sonneninsel in der Ostsee. So wirbt das Urlaubsziel um Feriengäste. Doch der geplante knapp 18 Kilometer lange Bahn- und Straßentunnel durch den Fehmarnbelt wirft lange Schatten. Ein Kritiker war und ist Otto-Uwe Schmiedt. Der parteilose Bürgermeister hat das Projekt von Anfang an begleitet – begleiten müssen, wie er sagt:

"Wir haben einen sehr weisen Stadtvertretungsbeschluss, in dem drin steht: 'Die Stadt spricht sich gegen das Vorhaben aus, allerdings wenn’s dann kommt, dann soll man den größten Nutzen davon kommunal ziehen.' Und im Moment bewege ich mich im zweiten Teil des Beschlusses, da ja der Staatsvertrag doch ne relative Verbindlichkeit für das Projekt konstruiert hat."

Anfang 2009 wurde der Staatsvertrag ratifiziert. Die Kosten von mehr als fünf Milliarden Euro für den Tunnel übernehmen die Dänen. Der Bau soll 2015 beginnen. Auf deutscher Seite ist der Bund hauptverantwortlich und soll für die Hinterlandanbindung sorgen. Der Bundesrechnungshof schätzt für die Verbindung zwischen Puttgarden und Hamburg knapp 1,6 Milliarden Euro. Malte Siegert leitet das NABU-Wasservogelreservat Wallnau auf Fehmarn und ist im Aktionsbündnis engagiert. Er sieht auch Fehler bei CDU und FDP in Kiel:

"Die Landesregierung hat sich vor den Karren spannen lassen, letztendlich der dänischen Interessen. Sie hat sich zu wenig abgegrenzt und sie hat überhaupt nicht darauf geachtet, dass diese erheblichen ökonomischen aber auch ökologischen Kollateralschäden dieses Projekts vernünftig mit in den Blick genommen worden sind."

Ähnlich klingt die Kritik rund 80 Kilometer südlich kurz vor Lübeck. Kerstin Fischer ist die Vorsitzende der Umwelt- und Naturschutzinitiative Ratekau:

"Wir können das nicht akzeptieren, dass so viel kaputt gemacht werden soll für so einen geringen Nutzen, der versprochen wird und der dann womöglich noch nicht mal uns hier in Ostholstein zugute kommt."

Probleme bereitet zum einen die Fehmarnsundbrücke. Die Verbindung zum deutschen Festland soll zweispurig und eingleisig bleiben. Die übrige Strecke ist dagegen vierspurig und zweigleisig geplant. Die Kritiker warnen vor einem Nadelöhr. Zum anderen gibt es Streit um die Bahnverbindung erklärt Otto-Uwe Schmiedt:

"Jetzt soll durch die Gärten der Ostseeheilbäder ein intensiver europäischer Bahnverkehr laufen. Das funktioniert so nicht. Es gehört jetzt wirklich auf den Tisch, alle Alternativen zu prüfen. Dazu gehört auch eine entsprechende Raumordnungsanalyse. Und die muss dazu führen, dass ne ganz neue Trasse, zum Beispiel entlang der Autobahn oder möglichst sozialverträglich, entwickelt wird."

Nach Schätzungen der Bahn werden täglich rund 150 Güter und Personenzüge auf der Trasse rollen. Beim Kreis Ostholstein heißt es: Schäden für Umwelt, Anwohner und die Tourismusbranche sollen vermieden werden. Man hofft, dass die Region profitiert – durch Gewerbestandorte, bessere Infrastruktur und mehr Touristen. Die Randlage könnte überwunden werden. Die Lokalpolitik sieht sich als Vermittler – auch im Dialogforum, dass das Land im letzten Jahr eingerichtet hat. Für Malte Siegert eine reine Alibiveranstaltung.

"Wenn man vernünftige Bürgerbeteiligung machen möchte, dann muss man das machen, bevor Verträge unterschrieben sind und nicht danach. Wenn man den Leuten auch direkt sagt: 'Wir reden mit Euch nicht mehr über die Frage, ob dieses Projekt gebaut wird, sondern nur noch wie es umgesetzt wird.'"

Auch Kerstin Fischer ist enttäuscht:

"Diese Farce, die da abläuft, das ist es, was so erschreckend ist. Also die würden uns im Moment rosa Schienenstränge versprechen wenn sie uns damit ruhig halten könnten. Und das ist es, was so unglaublich aufbringt."

Zumindest für die Ostholsteiner dürfte das Thema "Fehmarnbeltquerung" bei der Landtagswahl eine Rolle spielen. Die Hoffnung der Gegner ruht auf Artikel 22 des Staatsvertrages. Denn nur wenn die Kosten wesentlich steigen, könnte neu verhandelt werden. SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig kündigte an, im Falle seines Wahlsieges mit dem Bund noch einmal darüber reden zu wollen. Das wünscht sich auch Kerstin Fischer. Bei CDU-Kandidat Jost de Jager sieht sie diesen Zug bereits abgefahren.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:51 Uhr

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