Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Hoffnung auf Frieden für Kolumbien

Neue Verhandlungen - Konflikt dauert seit 1964 an

FARC-Mitglieder auf Patrouille (picture alliance / dpa / EFE / Christian Escobar Mora)
FARC-Mitglieder auf Patrouille (picture alliance / dpa / EFE / Christian Escobar Mora)

Vertreter der kolumbianischen Regierung und der linksgerichteten FARC-Guerilla sitzen wieder am Verhandlungstisch. Es ist der vierte Versuch, die Gewalt zu beenden, die bereits über 200.000 Menschen das Leben gekostet hat.

Ein Konferenzhotel in der Nähe der norwegischen Hauptstadt Oslo ist der Schauplatz der neuen Gespräche. Unterhändler sind bereits zusammengetroffen, heute - mit einer mehrtägigen Verzögerung - setzen die beiden Delegationen auch offiziell die Suche nach einer friedlichen Lösung des Kolumbienkonflikts fort, die seit dem letzten diplomatischen Versuch 2002 unterbrochen war.

Die Regierung wird durch den früheren kolumbianischen Vizepräsidenten Humberto de la Calle vertreten. Er sagte in einem Interview mit dem Sender RCN, er reise mit gemäßigtem Optimismus nach Norwegen und hoffe, mit guten Nachrichten zurückzukehren. Die Delegation der FARC wird von Luciano Marín angeführt, einem Mitglied des Farc-Sekretariats. Er und war auch an früheren Friedensverhandlungen beteiligt. Kuba und Norwegen vermitteln in dem Konflikt.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sprach von einer großen Chance für Kolumbien. Erstmals seit langer Zeit bestehe die Aussicht auf Frieden, sagt er in Berlin. Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos habe mit den Gesetzen zu Landrestitution und Opferentschädigung günstige Voraussetzungen geschaffen.

Viele offene Fragen

Zu den strittigen Teilfragen gehören die künftige Rolle der Aufständischen, der Drogenhandel, über den sich die Rebellen finanzieren, sowie ein Waffenstillstand. Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos lässt trotz der Friedensverhandlungen weitere Militäroperationen gegen die FARC durchführen.

Seit beinahe 50 Jahren dauert der Terror in Kolumbien an. Die FARC, die "Revolutionären Streitkräfte", sind die älteste Guerillaorganisation Südamerikas, seit 1964 bekämpfen sie den Staat. Schätzungen zufolge sind in dieser Zeit über 200.000 Menschen getötet worden. 1984 startete ein erster Friedensprozess, der ebenso ohne endgültigen Erfolg blieb wie weitere Versuche 1991 und 1999.

Ingrid Betancourt (Mitte) mit Kolumbiens Verteidigungsminister Juan Manuel Santos und ihrer Mutter Yolanda Pulecio bei der Ankunft in Bogota. (AP)Ingrid Betancourt (Mitte), eine der prominentesten Geiseln der FARC, nach ihrer Befreiung 2008 (AP)

Beobachter: FARC geschwächt

Die Rebellion entwickelte sich ursprünglich aus Bauernaufständen in der kolumbianischen Provinz. Ihr Ziel ist es, die Staatsführung zu entmachten und eine marxistisch orientierte Regierung zu installieren. Mittlerweile sehen Beobachter die FARC in einer geschwächten Position, da sie in den letzten Jahren mehrere Anführer und zahlreiche Kämpfer verloren hat. Zudem habe sie sich von ihren politischen Zielen entfernt und führe den Kampf vor allem in Verbindung mit Drogenhandel und Geiselnahmen fort.



Mehr auf dradio.de:

Kommentar: "Es wird lange dauern, bis Opfer und Täter ihren Frieden schließen" - Julio Segador glaubt dennoch, dass die Chancen besser denn je stehen
Mission Frieden - Norwegens Rolle als Schlichter in internationalen Konflikten
Späte Annäherung zwischen Kolumbien und den FARC-Rebellen - Neue Friedenshoffnungen in Kolumbien



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 14:35 Uhr Campus & Karriere

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:07 Uhr Kompressor

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Ehe für alle"Das entfernt sich vom christlichen Eheverständnis"

Markus Blume ist seit 2008 CSU-Abgeordneter im Bayerischen Landtag.  (dpa / M.C.Hurek)

Der CSU-Politiker Markus Blume hält die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare für "Gleichmacherei". Dies gehe vielen zu weit und entferne sich vom christlichen Eheverständnis, wonach die Ehe auf Mann und Frau angelegt sei, sagte Blume im Dlf. Die CSU befürworte aber die rechtliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften.

Ehe für alleDas Ideal der "Normalität" ist eine Zumutung

Zwei weibliche Hände berühren sich, sitzend, weißes Hochzeitskleid (imago / Christine Roth)

Die Ehe für alle ist gerade groß in der Diskussion - sie verspricht Normalität für Schwule und Lesben. Doch sollten sich diese überhaupt Normalität wünschen? Die Polit-Tunte Patsy l’Amour laLove findet: Auf keinen Fall.

Migranten in ItalienDie neuen Sklaven Europas

Migranten aus Afrika warten darauf, als Erntehelfer auf den Zitrusfeldern in Gioia Tauro in Kalabrien eingesetzt zu werden. In der Landwirtschaft Süditaliens schuften viele Flüchtlinge für einen Hungerlohn. (AFP/ Filippo Monteforte)

In Italien, das mit großem Einsatz Migranten aufnimmt, werden dieselben Migranten gnadenlos ausgebeutet. Große Teile der Landwirtschaft leben von diesen Ausgebeuteten. Nicht nur in Süditalien - aber dort funktioniert das System besonders perfide.

documenta-echo: Alina SzapocznikowFragiles für die Ewigkeit

Alina Szapocznikows Arbeit "Souvenir" im Nationalen Museum für Zeitgenössische Kunst in Athen. (documenta 14 / Yiannis Hadjiaslanis)

Wie kann man die Zeit festhalten? Den Körper in der Zeit? Das eigene Sein? Alina Szapocznikows Werk kreist um diese Fragen. Für ihre Arbeiten formte sie den eigenen Körper ab, zerlegte diesen Abdruck und setzte ihn neu zusammen.

Amelia Earharts versuchte ErdumrundungVerschwunden im Pazifik

Die Flugpionierin Amelia Earhart 1928 in Hollywood, Kalifornien. (imago / Cinema Publisher Collection)

Bei dem Versuch, die Erde im Flugzeug zu umrunden, verschwand Amelia Earhart auf rätselhafte Weise über dem Pazifik. Am 29. Juni 1937 landete sie zum letzten Zwischenstopp in Neuguinea. Bis heute suchen Forscher nach Spuren der verschollenen Pilotin.

ANTI-CAFÉSBezahlt wird pro Minute

Eine Stunde macht drei Euro im Café Be'kech in Berlin. In dieser Stunde könnt ihr so viel essen und trinken, wie ihr wollt. Denn dieses Anti-Café will auch sozialer Treffpunkt sein. Kann das funktionieren?

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Türkei-Deutschland  Ankara kritisiert Auftrittsverbot für Erdogan | mehr

Kulturnachrichten

Sony produziert nächstes Jahr wieder auf Vinyl  | mehr

 

| mehr