Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Hoffnungsträgerin der Christdemokraten

Julia Klöckner soll stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende werden

Von Ludger Fittkau

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Julia Klöckner bei einer Pressekonferenz vor der rheinland-pfälzischen Landtagswahl in Mainz 2011. (picture alliance / dpa)
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Julia Klöckner bei einer Pressekonferenz vor der rheinland-pfälzischen Landtagswahl in Mainz 2011. (picture alliance / dpa)

Als rheinland-pfälzische Landesvorsitzende ist es Julia Klöckner gelungen, einen tief zerstrittenen Landesverband wieder flottzukriegen und Kurt Beck bei der Landtagswahl rund zehn Prozent abzunehmen. Jetzt soll sie auch auf Bundesebene in der Union ein stärkeres Gewicht bekommen.

Julia Klöckner will einen politischen Spagat schaffen. Die CDU soll als konservative Volkspartei ihre Wähler auf dem Land nicht verlieren - doch gleichzeitig attraktiver werden für junge, urbane Wählerschichten. Der "Cappuccino- Fraktion" auf dem Prenzlauer Berg will sie jedoch nicht zwanghaft hinterherlaufen, sagt die ehemalige Deutsche Weinkönigin aus dem Winzerdorf Guldental an der Nahe, die in wenigen Tagen 40 Jahre alt wird:

"Ja, ich selbst trinke auch Cappuccino in Guldental, keine Frage. Wir haben in den Städten natürlich einen hohen Anteil von Singlehaushalten, eine hohe Anzahl von Alleinerziehenden. Da sind natürlich ganz spezifische Bedürfnisse da. Aber wir sollten nicht den Fehler machen, von diesen spezifischen Bedürfnissen auf alle zu schließen. Es gibt auch andere Bedürfnisse. Und es ist Aufgabe einer Volkspartei, eine möglichst hohe Allgemeinwohl-Abdeckung zu bekommen. Das heißt eine Schnittmenge und nicht nur eine Gruppe als Klientel im Blick zu haben. Und unter dem Strich glaube ich nicht, dass drei, vier Prozentpunkte, die wir vielleicht am Prenzlauer Berg hinzugewinnen, uns mehr bringen, als wenn wir plötzlich zehn Prozent im ländlichen Raum verlieren würden."

Den ländlichen Raum beackert die ehemalige Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium nun seit rund zwei Jahren recht erfolgreich, seit sie in Rheinland-Pfalz gegen Kurt Beck in den Landtagswahlkampf zog. Dem dienstältesten Ministerpräsidenten nahm sie rund zehn Prozent der Stimmen ab und zwang Beck in eine Koalition mit den bis dahin ungeliebten Grünen. Als künftige Merkel-Stellvertreterin im CDU-Bundesvorstand will Julia Klöckner auch als Bindeglied zur katholischen Kirche fungieren:

"Ich sehe mich in der Tat schon als Vermittlerin zur katholischen Kirche, weil ich nicht nur in meiner Heimatgemeinde aktiv bin als Lektorin, sondern auch im Zentralkomitee der Katholiken aktiv bin. Und eines meiner Schwerpunktthemen im Bundestag war das Thema Bioethik, Bewahrung und Schutz des Lebens. Und da haben wir natürlich einen sehr engen Schulterschluss mit der katholischen Kirche."

Julia Klöckner genießt in der CDU auch deshalb großen Respekt, weil sie es geschafft hat, den jahrzehntelang zerstrittenen rheinland-pfälzischen Landesverband wieder zu einen und an Rhein und Mosel zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz zur SPD zu machen. Klöckner ist nun bereit, die zurzeit arg gebeutelten CDU-Nachbarverbände in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg stabilisieren zu helfen, wenn die es wünschen:

"Und wenn ich Richtung Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen schaue, dann muss ich wirklich sagen, dass die Spitzenleute in der Partei wirklich alle Hände voll zu tun haben, Natürlich, nach einem Regierungswechsel die Partei zusammenzuhalten. Und wo ich kann, helfe ich. Ich bin viel in Rheinland-Pfalz unterwegs, aber auch in Baden-Württemberg und NRW zu Veranstaltungen."

Als stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU wird Julia Klöckner künftig auch wieder mehr auf der Berliner Politikbühne zu sehen sein. Selbst, wenn sie ihren Cappuccino wohl auch künftig lieber in Guldental an der Nahe trinken wird als auf dem Prenzlauer Berg. Gerüchte in Mainz, sie werde nach der Bundestagswahl wieder ganz nach Berlin wechseln, hat Julia Klöckner bereits dementiert. Mindestens bis 2016 will sie in Mainz bleiben - dann ist nämlich wieder Landtagswahl in Rheinland-Pfalz.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:02 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Fazit

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Klangkunst

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Vom Amok zum Dschihad? Wenn junge Menschen den Krieg erklären

Maskierte Jugendliche stehen am 08.10.2014 in Hamburg vor der Al-Nour Moschee. Bei einer Ausschreitungen zwischen Kurden und radikalen Muslimen sind in Hamburg mehrere Menschen verletzt worden. Foto: Markus Scholz/dpa (picture alliance / Markus Scholz)

Sie sind Kinder unserer Gesellschaft und erklären dem Abendland den Krieg: Warum ziehen junge Europäer in den Djihad? Treibt sie religiöser Fanatismus? Forscher gehen der Frage nach, ob sich Erkenntnisse aus der Amok-Forschung auf den Islamismus in Europa übertragen lassen.

Medikamentenfunde am ukrainischen Mannschaftshotel"Nichts, was man sich mal einfach so einschmeißen sollte"

Ein Tropfen an der Nadel einer Spritze (dpa / picture-alliance / Patrick Seeger)

Journalisten des Recherchezentrums Correctiv haben in der Mülltonne am Hotel der ukrainischen Fußballmannschaft in Frankreich Medikamente, Spritzen und Infusionsbesteck gefunden. Dabei handle es sich zwar nicht um verbotene Substanzen, aber um "hartes Zeug, das normalerweise nicht eingesetzt werden müsste", sagte Correctiv-Journalist Daniel Drepper im DLF.

Nach Anschlägen in der Türkei"Die innere Einstellung ist entscheidend"

Seit den Anschlägen in der Türkei nimmt die Zahl der Touristen ab. Schlecht für die türkische Tourimusbranche, die darum richtig krasse Schnäppchen anbietet: Eine Woche, 4-Sterne-Hotel, Vollpension, mit Flügen für 300 Euro. Ist es moralisch richtig solche Schnäppchen zu buchen? Wir haben mit Rainer Erlinger drüber gesprochen.

Australiens FlüchtlingspolitikAus der Hölle in die Hölle

Unterstützer von Flüchtlingen protestieren im australischen Brisbane gegen die Unterbringung von Flüchtlingen auf der Insel Nauru. (picture alliance / dpa / Dan Peled)

Australien geht erbarmungslos mit Flüchtlingen um: Wer das Land überhaupt erreicht, wird auf eine öde Insel gesperrt. Hier herrschen grauenerregende Zustände - und manche Menschen müssen dort jahrelang ausharren.

CETA-Handelsabkommen"Gründe für einen Rücktritt Junckers gibt es viele"

Hunko mit ernstem Blick vor einer grauen Wand mit der Aufschrift "racc". (Yuri Mashkov / DPA I ITAR-TASS )

Das Vorgehen von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Streit um das CETA-Handelsabkommen stößt auch bei der Partei Die Linke auf scharfe Kritik. Es sei verheerend, so kurz nach dem Votum der Briten für den Brexit die nationalen Parlamente bei der Zustimmung zu CETA auszuschalten, sagte der Linken-Abgeordnete Andrej Hunko im Deutschlandfunk.

LebensmittelchemieHeiß, heißer, glutenfrei?

Wer kein Gluten verträgt, muss auf Lebensmittel verzichten, die das Klebereiweiß enthalten: oft sind das Getreideprodukte. Die Lebensmittelchemikerin Carmen Lamacchia hat eine Lösung gefunden, Gluten wieder verträglich zu machen - mithilfe von Hitze.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Piräus  Hafen geht an chinesischen Reederei-Konzern | mehr

Kulturnachrichten

Anne Birkenhauer erhält Paul-Celan-Preis 2016  | mehr

Wissensnachrichten

Neu-Mitglieder  Oscars bald nur noch 89 Prozent weiß | mehr