Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Hollywood entdeckt den deutschen Widerstand

"Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat" kommt heute ins Kino

In dem bereits im Vorfeld viel diskutierten Film "Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat" spielt Hollywood-Star Tom Cruise die Hauptrolle des Hitler-Attentäters. Kritiker zeigen sich positiv überrascht vom künstlerischen Ergebnis. Vorher war debattiert worden, ob Cruise beispielsweise an Originalschauplätzen wie dem Bendlerblock in Berlin drehen dürfe.

Der US-Schauspieler Tom Cruise und seine Ehefrau Katie Holmes vor der Europapremiere des Filmes "Operation Walküre" in Berlin (AP)Tom Cruise und seine Ehefrau Katie Holmes vor der Europapremiere in Berlin (AP)"Wir haben wirklich von diesem Abend geträumt", sagte Cruise am Dienstagabend bei der Europa-Premiere des Films in Berlin. Als US-Amerikaner habe ihn an der Geschichte des Widerstandskämpfers Claus Schenk von Stauffenberg gereizt, dass es in seiner Heimat nahezu unbekannt sei, dass es in Nazi-Deutschland Widerstand gegeben habe - sogar von hohen Militärs.

Dennoch reißt auch die Kritik an Cruise nicht ab. So reagierte die Scientology-Expertin Ursula Caberta in der "Leipziger Volkszeitung" kritisch auf die Premierenfeier des Films. Es sei für sie eine "unerträgliche Inszenierung", wie der bekennende Scientologe in Deutschland hofiert werde.

"Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat" (NUR IM ZUSAMMENHANG MITZ DEM FILMSTART)

"Ein guter Film, ein guter Thriller"

Um die Spannung zu erreichen, hätten die Filmemacher nicht einmal die historische Realität verfälschen müssen: In den wahren Ereignissen stecke bereits ein Thriller, meinte der "SZ"-Filmkritiker Tobias Kniebe im Deutschlandfunk.

Action á la Hollywood gebe es aber nicht in diesem Film über das Attentat vom 20. Juli 1944, sagte Filmkritiker Peter Claus in der Sendung "Fazit" von Deutschlandradio Kultur. Es käme auch kein Kriegsgeschehen ins Bild. Stattdessen erlebe der Zuschauer die Diskussionen der Protagonisten um das Für und Wider eines Attentats, um die Möglichkeiten, Hitlers Wahnsinn zu stoppen - und auch ihre Ängste. (MP3-Audio)

"Es ist ein überraschend ruhiger Film", räumte der Historiker Peter Steinbach, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, am Dienstag im "Radiofeuilleton" von Deutschlandradio Kultur ein, der noch 2007 im Deutschlandradio Kultur den Dreh in Berlin kritisiert hatte. Allerdings falle die Deutung des Widerstands weit hinter den Stand der Forschung zurück. Der von Tom Cruise gespielte deutsche Offizier verkörpere in "Operation Walküre" als Einziger das Gute, dabei sei er von einer Gruppe Gleichgesinnter getragen worden. Sein Kollege Johannes Tuchel, ebenfalls Leiter der Gedenkstätte, appellierte in der "Ortszeit" von Deutschlandradio Kultur für einen gelassenen Umgang mit dem Film.

Die Verfilmung des Attentats liefere zwar kein psychologisch ausgefeiltes Bild der Widerständler, dafür aber einen "Thriller mit wahren Persönlichkeiten", der die Spannung bis zum Schluss halte, urteilte Filmkritikerin Hannelore Heider in den "Filmen der Woche" in Deutschlandradio Kultur.

"Operation Valkyrie" feierte im Dezember 2008 in New York seine Weltpremiere und wurde vom amerikanischen Publikum gut aufgenommen, berichtete Lena Bodewein im "Radiofeuilleton" von Deutschlandradio Kultur.

Codewort "Walküre"

"Walküre" war das Codewort für die Attentäter des 20. Juli 1944. Der Name Graf Schenk von Stauffenberg ist untrennbar mit dem missglückten Attentat auf Adolf Hitler verbunden. Dabei stand der Offizier am Anfang seiner militärischen Laufbahn treu zu den Nationalsozialisten. Als Stabschef des Allgemeinen Heeresamtes hatte er Zugang zu den Lagebesprechungen und damit direkt zu Hitler.

Am 20. Juli 1944 zündete er im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" in Ostpreußen einen Sprengsatz. Das Attentat scheiterte, weil die Sprengkraft Hitler nicht unmittelbar traf. Stauffenberg wurde von regimetreuen Offizieren verhaftetet und gemeinsam mit seinen Verbündeten noch in der Nacht im Hof des Bendlerblocks in Berlin erschossen. Stauffenberg starb im Alter von 36 Jahren. Lesen Sie mehr dazu im Kalenderblatt vom Deutschlandfunk.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:32 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 13:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 13:05 Uhr Breitband

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Endlich Samstag

Aus unseren drei Programmen

Philosoph zur BundestagswahlWer taktisch wählt, handelt unverantwortlich

Eine Briefwählerin macht ein Kreuz auf einem Wahlzettel für die Bundestagswahl 2017.  (dpa / picture alliance / Sebastian Gollnow)

Am Sonntag wird gewählt, und es gibt viele, die noch unentschieden sind und sich fragen: Soll man das Kreuz auf dem Wahlschein getreu seiner Überzeugung machen – oder strategisch vorgehen? Für den Philosophen Dieter Thomä liegt die Antwort auf der Hand: Wer taktisch wählt, handelt fahrlässig.

Gemeinsam starkSammelklagen in Europa

Justitia, die Symbolfigur der Gerechtigkeit vor der europäischen Flagge (imago/Westend61)

In Deutschland haben Verbraucher bisher kaum Möglichkeiten, ihr Recht gegenüber Großkonzernen geltend zu machen. Allerdings werden entsprechende Verfahren gerade diskutiert. In Frankreich und Österreich ist man da weiter: Dort gibt es bereits Beispiele, die auch als Modell für eine deutsche Lösung dienen könnten.

Theresa Mays Brexit-Rede Der Anfang ist gemacht

Großbritanniens Premierministerin May in Florenz (22.9.17) (AFP PHOTO / POOL / Jeff J Mitchell)

Mit ihrer Grundsatzrede zum Brexit habe Premierministerin Theresa May den Hardlinern in ihrem Land einiges zugemutet, kommentiert Friedbert Meurer. Der Brexit werde faktisch um zwei Jahre verschoben. Wie es danach weitergehe, sei zwar noch unklar, aber deshalb sollte Brüssel den Briten jetzt nicht die kalte Schulter zeigen.

Protest gegen Stahlkonzern-FusionAus Angst wird Wut

Mitarbeiter von Thyssenkrupp demonstrieren am 22.09.2017 in Bochum (Nordrhein-Westfalen) vor einem Werkstor. (dpa /Marcel Kusch)

Die Fusion der Stahlkonzerne ThyssenKrupp und Tata Steel stößt bei den deutschen Beschäftigten auf deutlichen Widerstand. Sie fühlen sich vom Vorstand hintergangen. Dabei ist die Frage, wie es in Zukunft um ihre Arbeitsplätze steht, nur ein Grund für die Proteste, zu denen sich Tausende in Bochum versammelten.

Wahlkampfreden von Literaten"Wir haben hierzulande keinen Widerpart mehr"

Ingo Schulze (Deutschlandradio / Jana Demnitz)

Autoren halten Wahlkampfreden fiktiver oder realer Figuren. Heute: Ingo Schulze. Der Autor lässt einen dankbaren aber besorgten Aktionärsvertreter zu Seinesgleichen sprechen.

Nick Cave wird 60Arbeitstier im schwarzen Anzug

Der australische Sänger Nick Cave mit seiner Band "Nick Cave and the Bad Seeds" 2013 während eines Konzerts in Wien (picture alliance / dpa / Herbert P. Oczeret)

Schauspieler, Songwriter, düsterer Romantiker, Literat und bestgekleideter Mann im Musikgeschäft: Nick Cave hat viele Gesichter, die ein mystisches Gesamtbild ergeben. Wer steckt hinter der Fassade? Wir haben ihn aus Anlass seines 60. Geburtstags in seinem Büro besucht.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Wahlkampf  Parteien werben auf Abschlusskundgebungen | mehr

Kulturnachrichten

Tank mit 750 Litern Urin in New Yorker Galerie  | mehr

 

| mehr