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Holocaust-Leugner Williamson erneut vor Gericht

Prozessbeginn in Regensburg

Von Michael Watzke

Bischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson. (AP)
Bischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson. (AP)

Bischof Richard Williamson wurde im April 2010 wegen Volksverhetzung verurteilt, da er in einem Fernsehinterview die Existenz von Gaskammern in deutschen Vernichtungslagern geleugnet hatte. Das OLG Nürnberg hob das Urteil später auf, deshalb wird seit heute in Regensburg erneut verhandelt.

November 2008. Im Kloster Zaitzkofen in der Oberpfalz gibt Richard Williamson ein Fernseh-Interview. Der Bischof der ultrakonservativen Pius-Bruderschaft soll die Frage beantworten, ob er wirklich glaube, dass es in den Konzentrationslagern der Nazis keine Gaskammern gab. Williamson nickt.

"Yes, I believe there were no gas chambers."

Keine Gaskammern, sagt der erzkatholische Geistliche, und geht noch weiter: In den Konzentrationslagern der Nazis seien keine 6 Millionen Juden ermordet worden, sondern höchstens 200-300.000 ums Leben gekommen.

"Between 200.000 and 300.000 jews perished in Nazi concentration camps. But not one of them by gasing in the gas chambers."

Wegen dieser Aussagen hat das Amtsgericht Regensburg Williamson bereits einmal wegen Volksverhetzung verurteilt. Das Landgericht Regensburg bestätigte diese Entscheidung später. Das Oberlandesgericht Nürnberg allerdings kassierte das Urteil wegen Verfahrensmängeln. Jetzt wird es erneut aufgerollt. Andreas Geipel, der Rechtsanwalt von Richard Williamson, bleibt bei seiner Verteidigungsstrategie:

"Wir sehen keine Strafbarkeit, und zwar aus dem einfachen Grund, dass das Interview zwar in Deutschland gegeben wurde, aber für die Ausstrahlung in Schweden bestimmt war. Und in Schweden ist diese Äußerung nicht strafbar."

Tatsächlich hatte ein britischer Journalist das Interview für das schwedische Fernsehen aufgezeichnet – allerdings in Deutschland. Williamson wusste, dass das Leugnen des Holocaust in Deutschland strafbar ist. Am Ende des Interviews äußert er die Befürchtung, er könne für seine Aussage in Deutschland im Gefängnis landen.

"This is against the law in Germany. If there was someone from the German state around, you could have me thrown in prison before I leave Germany."

Im Gefängnis wird Williamson auch diesmal nicht landen. Doch eine Verurteilung ist wahrscheinlich. Denn die Staatsanwaltschaft Regensburg sieht es als erwiesen an, dass Williamson die Verbreitung des Interviews in Deutschland nicht untersagt und damit billigend in Kauf genommen habe.

Williamson selbst wird heute nicht vor Gericht erscheinen. Stattdessen ist als Zeuge Pater Regenz Frey geladen, in dessen Kloster in Zaitzkofen das Interview aufgezeichnet wurde.

Die Äußerungen des erzkonservativen Bischofs hatten im Jahr 2009 für einen Skandal im Vatikan gesorgt. Denn Papst Benedikt XVI. hatte damals gerade die Exkommunikation von vier Bischöfen der Pius-Bruderschaft aufgehoben.

Die Pius-Brüder haben Williamson inzwischen ausgeschlossen, der Brite hat sich für seine Aussagen zum Holocaust entschuldigt. Den Strafbefehl will er trotzdem nicht akzeptieren. Sein Anwalt Andreas Geipel kündigt schon jetzt einen Gang durch alle Instanzen an.

"Bis zum Verfassungsgericht bzw. bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, wenn es sein muss."

Das Amtsgericht Regensburg rechnet bei der heutigen Verhandlung mit großem Andrang. Nicht nur von Journalisten. Bei den früheren Prozessen kamen auch Zuschauer aus dem rechtsextremen Spektrum. Man sei vorbereitet, sagte ein Gerichtssprecher. Das Urteil soll am nächsten Dienstag fallen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:04 Uhr

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