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Hunderte Verletzte bei Gewalt zwischen Gegnern und Anhängern Mubaraks

Eskalation der Gewalt in Kairo

Auf dem Tahrir-Platz in Kairo stehen sich Anhänger und Gegner Mubaraks unversöhnlich gegenüber. (picture alliance / dpa)
Auf dem Tahrir-Platz in Kairo stehen sich Anhänger und Gegner Mubaraks unversöhnlich gegenüber. (picture alliance / dpa)

Bei den Auseinandersetzungen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo sind nach offiziellen Angeaben mindestens 400 Menschen verletzt und ein Mensch getötet worden. Auf dem zentral gelegenen Tahrir-Platz war es zuvor zu Straßenschlachten zwischen Anhängern und Gegnern von Präsident Hosni Mubarak gekommen.

Die Zahl der Gefolgsleute Mubaraks wurde zuvor mit einigen Hundert angegeben. Oppositionsvertreter sprachen davon, dass sich unter ihnen Polizisten und andere Sicherheitskräfte in Zivil befänden. Friedensnobelpreisträger El Baradei warf der Regierung vor, eine Einschüchterungstaktik zu verfolgen. Das Vorgehen zeige, dass sich das Regime krimineller Methoden bediene, sagte er dem britischen Sender BBC. Das ägyptische Innenministerium wies die Anschuldigungen zurück.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte angesichts der Eskalation von allen Seiten ein besonnenes Vorgehen. Angriffe auf friedliche Demonstranten seien nicht akzeptabel, erklärte Ban in London.

Der CDU-Politiker und Nahost-Experte Joachim Hörster hält es für möglich, dass die Gewalt organisiert werde, "um ein späteres militärisches Eingreifen zu rechtfertigen". Dieser Ansicht schließt sich auch die Politologin Ivesa Lübben an. Es würden aus kriminellen Banden, aus der ehemaligen Polizei und dem Geheimdienstapparat Leute engagiert, um gegen die friedlichen Demonstranten vorzugehen, sagte sie im Deutschlandfunk.

Zurückhaltende Militärs

Die Armee hatte am Vormittag dazu aufgerufen, die Demonstrationen zu beenden. Die Bürger hätten ihre Botschaft überbracht, sagte ein Sprecher. Man solle jetzt wieder zum normalen Leben zurückzukehren. Die Soldaten auf den Straßen halten sich weiterhin zurück. Vereinzelt waren jedoch Warnschüsse zu hören. Am Dienstag hatte der ägyptische Präsident Hosni Mubarak erklärt, er wolle bei der Präsidentschaftswahl im September nicht mehr antreten und in der verbleibenden Zeit umfassende Reformen in Gang setzen. Forderungen nach einem sofortigen Rücktritt lehnt Hosni Mubarak nach wie vor ab.

Die Europäische Union mahnte zu einem schnellstmöglichen politischen Wandel. Man wolle Bewegung sehen, sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in Brüssel. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) begrüßte die Ankündigung Mubaraks. Wichtig sei nun, dass Gespräche mit allen politischen Kräften stattfänden.

EU-Parlament ist "noch am kritischsten mit diesen Regimes umgegangen"

Für die Demonstranten steht das Reiseziel schon fest: "Gute Reise nach Saudi-Arabien, Mubarak" steht auf dem Plakat. (AP)Für die Demonstranten steht das Reiseziel schon fest. (AP)Ganz anders der Vorsitzende der sozialistischen Fraktion im Europäischen Parlament, Martin Schulz. Er fordert den sofortigen Rückzug des ägyptischen Staatschefs - und ein Umdenken in der EU-Außenpolitik. Den Vorwurf, das EU-Parlament sei zu lax mit den Despoten in Ägypten und Tunesien umgegangen, wies er allerdings zurück. Man habe die Unterdrückung der Meinungsfreiheit und die Folter stets kritisiert.
SPD-Europapolitiker verteidigt Haltung zu Tunesien und Ägypten

US-Präsident Barack Obama forderte Mubarak in einem Telefonat auf, den geordneten Übergang seines Landes zu einer Demokratie nicht zu verzögern, vermied es aber, direkt seinen Rücktritt zu verlangen. Lobende Worte hatte Obama für das Militär. Es habe sich während der Massenproteste professionell und patriotisch verhalten.

Sofortiger Amtsverzicht Mubaraks gefordert

Auch der ägyptischen Oppositionsbewegung geht Mubaraks Ankündigung nicht weit genug. Auf dem Tahrir-Platz in Kairo kommen auch heute wieder Demonstranten zusammen. Die nächsten Massenproteste werden für Freitag erwartet.

"Es gilt jetzt zu verhindern, dass in diesem Prozess des Übergangs und der Vorbereitung von Wahlen das alte System noch Spuren hinterlässt," sagt der Politik- und Medienwissenschaftler Kai Hafez mit Blick auf die Post-Mubarak-Ära. Gleichzeitig ist sich Hafez sicher, "Mubarak wird mit Sicherheit nicht bis im September im Amt bleiben" Die Bundesregierung und andere europäischen Regierungen müssten sich klar zur Demokratiebewegung in Ägypten bekennen, fordert Hafez im Deutschlandradio Kultur. Die eher "lauwarmen Reaktionen" der westlichen Länder seien eine Enttäuschung für die Gegner Mubaraks.

Das Auswärtige Amt rät unterdessen dringend von Reisen nach Ägypten ab und viele Reiseveranstalter starteten Rückholaktionen. Wie und zu welchem Preis man Reisen nach Ägypten und in andere Länder des Nahen Ostens stornieren kann, erläuterte Eva Klaar von der Verbraucherzentrale Berlin im Deutschlandfunk.

Linktipp:

Alle Beiträge auf dradio.de zu den Krisen im Nahen und Mittleren Osten im Überblick:
Deutschlandradio • Der arabische Aufstand

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr

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