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Hygienegesetz - ja oder nein?

Nach dem Tod dreier Babys in Mainz fordern Ärzte bundesweit mehr Personal

Krankenhausflur (Stock.XCHNG / Pam Roth)
Krankenhausflur (Stock.XCHNG / Pam Roth)

Der Gesundheitsminister ruft nach einem Hygienegesetz, Hygienepersonal dazu fehlt jedoch. Klare Empfehlungen für die Zusammensetzung eines Hygieneteams gibt es - von der Kommission für Krankenhaushygiene. Doch wer soll das bezahlen?

So fordert die Ärztegewerkschaft Marburger Bund als Konsequenz aus den Vorfällen im Mainzer Klinikum mehr Hygiene-Fachleute in den Krankenhäusern. In keiner Industrienation sei die Personalausstattung pro Patient so gering wie in Deutschland, sagte der Verbandsvorsitzende Rudolf Henke in mehreren Interviews. Deshalb sollte es in jedem Krankenhaus eine Hygienekommission und einen Hygienebeauftragten geben. Zugleich warnte Henke vor einer politischen Überreaktion. Neue Hygiene-Regeln in einem Bundesgesetz seien nicht nötig.

Laut Christian Floto, Leiter der Wissenschaftsredaktion des Deutschlandfunks,
ist das Hygieneproblem in den Krankenhäusern seit Jahrzehnten bekannt. Die Klinikhygiene betreffe so viele Menschen - es sei nicht einzusehen, warum dieser Bereich ungeregelt bleiben sollte.

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hatte nach dem Tod der drei Säuglinge in der Mainzer Uni-Klinik angekündigt, mit seinen Länderkollegen über bundeseinheitliche Standards für die Krankenhaushygiene zu sprechen.

Hygienestandards gibt es längst

Die gibt es längst - wenn sich alle Länder beziehungsweise Krankeninstitutionen an die Empfehlungen halten würden, die das Robert-Koch-Institut auf seinen Webseiten veröffentlicht. Dort sind die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention nachzulesen. Die Kommission ist gemäß § 23 Infektionsschutzgesetz (IfSG) beim Robert Koch-Institut angesiedelt.

Dort heißt es: "Die Empfehlungen zur Prävention nosokomialer Infektionen (Krankenhausinfektionen) schließen solche zu betrieblich-organisatorischen und baulich-funktionellen Maßnahmen der Hygiene, das Hygiene-Management sowie Methoden zur Erkennung, Erfassung, Bewertung und gezielten Kontrolle dieser Infektionen ein."

Aus E. coli-Balkterien gewinnt Takuzo Aida die Hüllen für Nanoteilchen. (www.mbl.edu)E. coli-Bakterien (www.mbl.edu)

Kampf den Keimen - mit mehr Personal

Und weiter: "Die Umsetzung von Konzepten zur Infektionsprävention ist ohne die Beschäftigung von Fachpersonal nicht zu leisten. Den Einrichtungen wird empfohlen, Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten des Fachpersonals im Rahmen des einrichtungsinternen Qualitätsmanagements zugeschnitten auf die individuellen Gegebenheiten schriftlich festzulegen."

In den Empfehlungen wird auch dargestellt, wie eine Hygienekommission an einem Krankenhaus oder ähnlicher Institution personell zusammengesetzt sein könnte:

"Beispiel für die Zusammensetzung einer Hygienekommission (Ständige Mitglieder beziehungsweise deren Vertretung)

Ärztliche Leitung
– Verwaltungsleitung
– Pflegedienstleitung
– Krankenhaushygieniker/-in
– Hygienefachkraft
– Hygienebeauftragte Ärztinnen und Ärzte
– Krankenhausapotheker/-in – Technische Leitung
– Leitung von hauswirtschaftlichen Bereichen"

Nach variierenden Schätzungen von Medizinern sterben in Deutschland jährlich bis zu 40.000 Menschen an bakteriellen Infektionen, die sie sich erst im Krankenhaus eingefangen haben. Gefürchtet ist vor allem der MRSA-Keim - der im Fall der verstorbenen Babys jedoch keine Rolle gespielt hat. Dabei ließe sich seine Verbreitung im Krankenhaus verblüffend einfach verhindern.

Zum Thema auf den Seiten des Robert-Koch-Institutes:
Robert-Koch-Institut: Krankenhaushygiene
Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (pdf)



Zum Thema Infektionen im Krankenhaus auf dradio.de:

Sprechstunde: Drittes totes Kind nach verunreinigter Infusion

Forschung Aktuell - "Solche Infusionen sind Lösungen, die die Kinder dringend brauchen"

Wenn das Krankenhaus krank macht- Tagesthema auf DRadio Wissen

Wissenschaft und Technik - Der vermeidbare Tod im Krankenhaus

Aktuell vom 23. August 2010: Obduktion gestorbener Babys ergibt keinen Zusammenhang mit Infusion

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr

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