Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

"Ich habe bei allen Tour-de-France-Siegen gedopt"

Armstrongs Geständnis in US-Talkshow

US-Talkmasterin Oprah Winfrey spricht mit Lance Armstrong
US-Talkmasterin Oprah Winfrey spricht mit Lance Armstrong (picture alliance / dpa / George Burns)

Oprah Winfrey und Lance Armstrong kamen in ihrem mit Spannung erwarteten TV-Interview ohne Umschweife gleich zur Sache: Der ehemalige US-Radprofi gesteht im Fernsehen Doping bei all seinen sieben Tour-de-France-Siegen.

Nun ist es offiziell: Nach über 13-jährigem Leugnen gibt Lance Armstrong jahrelanges Doping zu. Im Interview mit der amerikanischen Talk-Queen Oprah Winfrey gestand der siebenfache Tour-de-France-Sieger, er habe illegale leistungssteigernde Substanzen genommen, darunter EPO, Eigenblut, Kortison und Wachstumshormone. Bei allen sieben Tour-de-France-Siegen zwischen 1999 und 2005 hätte er unerlaubte Mittel genommen.

Armstrong nimmt Weltverband UCI in Schutz

Den Weltverband UCI nahm Armstrong gegen Korruptionsvorwürfe in Schutz. Armstrong stritt ab, dass ein positiver EPO-Test während der Tour de Suisse 2001 vom Dachverband verschleiert worden sei. Teamkollegen hatten zuvor ausgesagt, Armstrong habe im Gegenzug der UCI 125 000 Dollar gespendet. "Die Geschichte ist nicht wahr", betonte Armstrong. "Es gab keine positive Probe, keine Bestechung des Labors, kein geheimes Meeting mit dem UCI-Chef", sagte er. "Manche Dinge waren vielleicht dubios, aber das hier nicht."

In seinen Comeback-Jahren 2009, als er noch einmal Dritter bei der Tour-de-France geworden war, und 2010 (23. in Paris) sei er aber "clean" gefahren, sagte Armstrong weiter. Die Doping-Kontrollen zu dieser Zeit seien effektiver gewesen.

Armstrong: Mein Geständnis kommt "zu spät"

Lance Armstrong bei der Tour de France im Juli 2009Lance Armstrong bei der Tour de France im Juli 2009 (picture alliance / dpa / Christophe Karaba)Jahrelang hatte Armstrong Doping dementiert und auf Doping-Verdächtigungen mit Prozessen geantwortet. Sein Geständnis komme "zu spät", erkannte er. "Ich sehe die Lage als eine große Lüge. Die Wahrheit lautet anders, als alles was ich gesagt habe", erklärte der Ex-Champion, der in einem Hotel in seinem Heimatort Austin im Bundesstaat Texas am vergangenen Montag interviewt worden war.

"Was mir an dieser Beichte nicht gefällt ist, dass Lance Armstrong nicht Ross und Reiter nennt. Wer hat ihn in diese ganze Sache eingeführt und wer hat ihm das medizinische Wissen gegeben, wie lange Doping nachgewiesen werden kann", sagt Ex-Radprofi Jörg Jaksche im Interview mit dem Deutschlandfunk.

"Es war meine Entscheidung", sagte Armstrong. "Es waren meine Fehler, und ich sitze hier heute, um zu sagen, dass es mir leid tut." Er habe zu Beginn seiner Karriere in den neunziger Jahren mit Doping begonnen, sagte der 41-Jährige.

Er entschuldigte sich bei seiner ehemaligen Physiotherapeutin Emma O'Reilly, die er verklagt und übel beschimpft hatte. Die Irin gehörte zu den 26 Zeugen, die in der Anklage der US-Anti-Doping-Agentur USADA gegen Armstrong ausgesagt hatten.

Dieser "unbändige Wunsch zu siegen um jeden Preis wurde zur Macke, zur Charakterschwäche - ich war ein arroganter Sack", analysierte sich Armstrong selber. Er habe sich nicht als Betrüger gesehen. Dopen sei für ihn so selbstverständlich gewesen wie "Reifen aufpumpen".

WADA-Präsident kritisiert Armstrongs Doping-Beichte

Die schonungslose Doping-Beichte von Lance Armstrong stößt beim Präsidenten der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA auf Unverständnis. Armstrongs TV-Erklärung, mit der Einnahme leistungssteigernder Substanzen im Radsport gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen zu wollen, sei "ein bequemer Weg, seinen Betrug zu rechtfertigen", sagte WADA-Präsident John Fahey. Auch Armstrongs Behauptung, sich nicht als Betrüger gefühlt zu haben, als er bei seinen sieben Tour-de-France-Titeln gedopt habe, «verleiht ihm keine Glaubwürdigkeit», fügte er hinzu. "Er lag daneben, er betrog und dafür gibt es keine Entschuldigung." Falls Armstrong mit seinem Geständnis nach "Erlösung trachtete, hatte er damit keinen Erfolg."

"Ich sehe in den Mienen der Menschen den Zorn über den Verrat, den ich an ihnen begangen habe. Ich werde den Rest des Lebens mit dem Versuch zubringen, Vertrauen zurückzugewinnen und mich bei den Leuten zu entschuldigen", sagte der tief gefallene Radsport-Held Lance Armstrong, der lebenslang gesperrt wurde und alle seine Tour-Siege verlor.

Mehr auf dradio.de:
Kommentar: Bekenntnis - und jetzt? - Stefan Hauch fühlt sich nach dem "Geständnis" nicht viel schlauer als zuvor
"Eigentlich keine Beichte" - Theologe Friedrich Wilhelm Graf meint, dass Armstrong sich als Opfer inszeniert habe
"Armstrong ist nur das Ende der Nahrungskette" - Ex-Radprofi Jörg Jaksche hat 2007 selbst ein "Dopinggeständnis" hinter sich

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:04 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Fazit

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Feature

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Dortmunder StadtratRechte Belastung

Bürger halten in Dortmund (Nordhein-Westfalen) vor dem Rathaus während einer Demonstration Schilder gegen Rechtsextremismus hoch.

Die Dortmunder Partei Die Rechte hat mit einer Anfrage nach Anzahl und Wohnort der in der Stadt lebenden Juden für Empörung gesorgt. Rechtsextreme sind im Dortmunder Rathaus jedoch nichts Neues. Lange hat die Stadt das Problem ignoriert. Nun wird sie aktiv - und auch der Verfassungsschutz hat die Parteimitglieder im Blick.

ItalienStaatsgewalt unter Beschuss

Italiens ehemaliger Premier Silvio Berlusconi bei einer Gerichtsverhandlung in Neapel im Juni 2014.

Der Zustand der Justiz in Italien ist desolat. Das öffentliche Ansehen hat in der Ära von Silvio Berlusconi nachhaltig gelitten, Strafen werden häufig nicht vollstreckt und einige Richter stehen unter dem permanenten Druck der Mafia. Umfragen zufolge hat nicht einmal die Hälfte der Italiener Vertrauen in die Justiz.

JerusalemAlltag zwischen Attentaten

Ständig ist Jerusalem in den Medien: Berichte über Attentate und anhaltende Konflikte beherrschen dabei das Bild. Dabei ist Jerusalem mehr als das Zentrum des Konflikts zwischen Juden und Palästinensern. Wie lebt es sich in der Stadt, die sowohl für Christen, Juden als auch Muslime eine große religiöse Bedeutung hat?

Ausstellung in BerlinNichts Neues von der RAF

Zwei Männer lesen am 2. Juni 1978 Handzettel der Polizei, mit denen nach RAF-Terroristen gefahndet wird.

Die RAF-Ausstellung im Deutschen Historischen Museum Berlin gefällt dem früheren Innenminister Gerhart Baum (FDP) nicht. Sie bleibe bruchstückhaft und zeige nicht die gesellschaftlichen Zusammenhänge, kritisiert Baum.

Homosexualität und IslamSchwierige Annäherung

Die türkische Sehitlik-Moschee am Columbiadamm in Berlin.

Der Berliner Moscheeverein hat ein geplantes Treffen von Homosexuellen in einer Moschee abgesagt - der Druck in türkischen Medien war zu hoch. Stattdessen wird jetzt debattiert.

Gaza-HilfsaktionEin Rollstuhl für Abeer

Abeer in Gaza hat einen neuen E-Rollstuhl

Ein gute Nachricht: Nach einem Beitrag über Abeer aus dem Gazastreifen, die an der Glasknochen-Krankheit leidet, konnte mithilfe von DLF-Hörern Ersatz für ihren zerstörten Rollstuhl organisiert werden.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Koalitions-Spitzen einigen sich  beim Thema Frauenquote | mehr

Kulturnachrichten

Nach langer Krankheit:  Amerikanischer Fotograf Lewis Baltz in Paris gestorben | mehr

Wissensnachrichten

Luftverschmutzung  Industrie-Qualm verursacht Milliarden-Schaden | mehr