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"Ich reagiere nicht gut auf Drohungen"

EU-Wettbewerbskommissarin Kroes reagiert empört auf Kritik von Mobilfunkunternehmen

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes (picture alliance / dpa / Ölivier Hoslet)
EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes (picture alliance / dpa / Ölivier Hoslet)

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona ist es zum offenen Streit zwischen Wettbewerbs-Kommissarin Neelie Kroes und Vodafone-Chef Vittorio Colao gekommen. Der Manager forderte die Regulierungsbehörde auf, den Druck von den Roamingpreisen für Mobilfunkgespräche im EU-Ausland zu nehmen.

Colao monierte, die Kommission sei bei der Regulierung "mit einem vor 15 Jahre entwickelten Autopiloten unterwegs". Er verlangte ein "Moratorium" und deutete an, Stellen abzubauen und Investitionen in neue Netzwerke zu verzögern. Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes antwortete umgehend per Twitter: "Botschaft an Vittorio und Vodafone: Du kannst mir nichts vormachen. Ich reagiere nicht gut auf Drohungen. Ich stehe an der Seite der Vodafone-Kunden".

Europäisches Parlament will niedrigere Preise

Auslöser der Kontroverse sind Pläne des EU-Parlaments, per Verordnung die Entgelte für grenzüberschreitende Mobilfunkgespräche - noch stärker als von der Kommission beabsichtigt - weiter abzusenken. So plädiert der zuständige Industrieausschuss dafür, die Gebühren für abgehende Anrufe von derzeit 35 Cent pro Minute schrittweise bis 2014 auf 24 Cent zu senken. Deutlich stärker sinken sollen nach dem Willen der Abgeordneten die Preise für Daten-Roaming und SMS. Die Verhandlungen in diesen Fragen wollen die EU-Mitgliedstaaten bis Ende Juni beenden. Die CSU-Europaabgeordnete Angelika Niebler verteidigte den Vorstoß. "Die Tarife sind bei mobilen Daten-Downloads noch astronomisch hoch und überhaupt nicht gerechtfertigt."

Paradigmenwechsel im Mobilfunk

In Barcelona werden in diesem Jahr auf der Fachmesse Mobile World Congress wieder die Neuheiten im Mobilfunk präsentiert. Top-Thema ist die neue LTE-Technik (Long Term Evolution). Sie wird nach Einschätzung von Experten den Telekommunikationsmarkt tiefgreifend verändern.

Zudem verschärft sich der Wettkampf um die Betriebssysteme von Apple und Android. Die Smartphones avancieren zum Taschencomputer. Zudem versprechen sich die Unternehmen vom Mobilfunkstandard LTE (oder auch 4G genannt) Zusatzgeschäfte. Mit bis zu 100 Megabit sollen Kunden im Internet surfen, das Telefonieren wird zur Nebensache. Die Hochleistungsrechner für die Hosentasche werden zum ständigen Lebensbegleiter. Die Telekommunikationsunternehmen stehen vor einem Systemwechsel, weil sie nicht mehr wie bisher ausschließlich Gespräche vermitteln. Altbewährte Geschäftsmodelle stehen auf dem Prüfstand. Forschung Aktuell - Von LTE bis Boot to Gecko

Facebook will einheitlichen Internetstandard

Das führend soziale Netzwerk will seine mobilen Programme weiter entwickeln. "Facebook und Handys sind füreinander bestimmt, sagt Technikchef Bret Taylor. Nach den Plänen des US-Unternehmens sollen in Zukunft alle Geräte denselben Standard unterstützen und auch Internetseiten einheitlich darstellen. Facebook kündigte dazu die Gründung einer breit angelegten Arbeitsgruppe an. Sie soll den Internet-Standard HTML5 weiterentwickeln. Ferner will Facebook das Bezahlen per Handy verbessern. Das Vorhaben unterstützen unter anderem die Mobilfunkkonzerne Vodafone, Telefónica und T-Mobile.

Sprachsteuerung statt Tasten

Im Wettbewerb um Marktanteile versuchen die Hersteller, sich mit besserem Bedienungskomfort von der Konkurrenz abzusetzen. Nach der Einführung der Sprachsteuerung "Siri" von Apple ziehen die asiatischen Wettbewerber nach. Der Autohersteller Ford will ebenfalls die Technik in seinen PKW einsetzten und eine Verbindung zwischen Bordelektronik und seinen Fahrzeugen entwickeln. DLF, Wirtschaft am Mittag: Neuheiten der Mobilfunkbranche

Aber auch die mediale Funktionen werden ausgebaut. Hochauflösende Kameras, erweiterte Speichermöglichkeiten in Rechenzentren (Cloud-Computing) oder leistungsstarke Prozessoren für mobile Spiele kennzeichnen die neuen Geräte. So will die Deutsche Telekom das Geschäft mit der Datenwolke ausbauen. "Die Cloud kann die Position der Telekommunikationsunternehmen grundlegend ändern", ist Vorstandschef René Obermann überzeugt. Konkrete Produktankündigungen machte er nicht. Im Gespräch ist allerdings eine besondere Anlaufstelle im Netz, "um Kunden durch den Dschungel aus Geräten und Diensten zu führen". Für Verbraucher steht allerdings die Frage im Vordergrund, was kosten die Geräte und was leisten die neuen Dienste. Nicht jeder Anwender kommt mit der Technik zurecht.

World Mobile Congress 2012

Verwandte Audiobeiträge:

Mobile World Congress 2012 - Gespräch mit Moritz Metz in Barcelona



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:48 Uhr

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