Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

"Ich war nicht dabei"

Ex-RAF-Terroristin Becker bestreitet Mitwirkung an Buback-Attentat

Der Tatort mit den zugedeckten Leichen von Siegfried Buback (vorne links) und seines Fahrers Wolfgang Göbel (dpa / Heinz Wieseler)
Der Tatort mit den zugedeckten Leichen von Siegfried Buback (vorne links) und seines Fahrers Wolfgang Göbel (dpa / Heinz Wieseler)

Im Prozess um den Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback 1977 hat die frühere RAF-Terroristin Verena Becker eine Mitwirkung an dem Attentat verneint. Sie sei an einer konkreten Anschlagsvorbereitung "nie beteiligt" gewesen.

Die 59-Jährige sagte vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht, sie sei am Tag des Anschlags, dem 7. April 1977, nicht in Deutschland, sondern "im Nahen Osten" gewesen: "Ich war bis zu meiner Verhaftung im Mai 1977 nie in Karlsruhe gewesen".

Bei ihrer Festnahme trug Becker die bei dem Mordanschlag auf Buback benutzte Tatwaffe bei sich - nun verneinte Becker, mit dieser Waffe je geschossen zu haben. An den Nebenkläger Michael Buback, den Sohn des Ermordeten, gewandt sagte sie: "Wer Ihren Vater getötet hat, diese Frage kann ich Ihnen nicht beantworten, denn ich war nicht dabei".

Auftakttat im Terrorjahr 1977

Nur wenige Mordfälle beschäftigen die Nation so lange wie der Anschlag auf den früheren Generalbundesanwalt Siegfried Buback vor mehr als 30 Jahren. Wer ihn erschossen hat, ist bis heute ungeklärt. Die frühere RAF-Terroristin Verena Becker hatte vor kurzem angekündigt, im Prozess gegen sie ihr Schweigen zu brechen.

Als Mitglied der früheren Terrorvereinigung Rote Armee Fraktion (RAF) wird ihr Mittäterschaft an dem Mordanschlag auf Buback und zwei seiner Begleiter am 7. April 1977 vorgeworfen. Die Tat gilt als Auftakt des Terrorjahres 1977.

Zum Tatvorwurf hatte Becker im Prozess gegen sie seit September 2010 bislang kein Wort gesagt. Anfang Mai kam der Paukenschlag in diesem schleppenden Prozess: Becker werde sich "umfassend zur Sache äußern", kündigten ihre Verteidiger vor dem Oberlandesgericht Stuttgart an. "Sie kann einige Sachen so nicht stehen lassen", sagte ihr Anwalt. "Sie wird sich nicht verstecken.

"Informantin des Verfassungsschutzes"

Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker beim Gerichtsprozess (picture alliance / dpa / Franziska Kraufmann)Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker vor Gericht (picture alliance / dpa / Franziska Kraufmann)Die frühere Terroristin soll laut Anklage "maßgeblich an der Entscheidung für den Mordanschlag, an dessen Planung und Vorbereitung sowie der Verbreitung der Selbstbezichtigungsschreiben mitgewirkt haben".

Der Sohn des RAF-Opfers, Michael Buback, ist überzeugt, Becker selbst hatte seinen Vater ermordet. Hierfür ergab der Prozess keine belastbaren Beweise. Der Sohn tritt als Nebenkläger auf. Er hatte 2008 das Buch "Der zweite Tod meines Vaters" veröffentlicht, was als einer der Anlässe für den neuen Prozess gilt. "Das Kritische ist ja, dass Verena Becker einerseits eine dringend tatverdächtige Person ist und gleichzeitig eine Informantin des Bundesamtes für Verfassungsschutz", hatte Buback nach der Veröffentlichung des Buches im Deutschlandfunk gesagt.

"Natürlich ist das sehr wichtig, dass Frau Becker sich äußert", sagte Michael Buback nun. "Ich gehe davon aus, dass sie auf jeden Fall weiß, wer die Täter auf dem Motorrad waren." Das Motorrad mit zwei vermummten Personen hatte neben dem Dienstwagen des früheren Generalbundesanwalts an einer Ampel gestoppt. Dass sie dieses Wissen über die Täter preisgeben wird, damit rechnet Buback allerdings nicht. "Ich habe keine Hoffnung, dass sie etwas Erhellendes zu den Umständen sagen wird."

Urteil im Juni erwartet

Ein 1975 von der Polizei herausgegebenes Foto zeigt die frühere RAF-Terroristin Verena Becker. (AP)Ein 1975 von der Polizei herausgegebenes Foto zeigt die frühere RAF-Terroristin Verena Becker. (AP)Mit einem Urteil ist nicht mehr vor Pfingsten zu rechnen. Das Gericht hatte erkennen lassen, dass auch eine Verurteilung wegen Beihilfe in Betracht komme - sofern es überhaupt zu einer Verurteilung kommt.

Die Bundesanwaltschaft stützt ihren Verdacht der Mittäterschaft unter anderem auf DNA-Spuren Beckers an Bekennerbriefen zum Anschlag. "Ich schaue ihrer Aussage mit Interesse entgegen", sagte Bundesanwalt Walter Hemberger. "Warten wir ab, was sie sagen wird, dann sehen wir weiter."

Der RAF-Aussteiger Peter-Jürgen Boock hatte in dem Prozess ausgesagt, Becker habe den Mord damals für richtig gehalten und "vehement unterstützt". Sie sei aber keine Wortführerin gewesen und habe in der Gruppe auch "keine herausragende Rolle gespielt".

Becker wurde 1977 zu lebenslanger Haft verurteilt, weil sie und ein weiterer RAF-Terrorist bei einer Personenkontrolle auf zwei Polizisten schossen und schwer verletzten. Bei der Festnahme wurde bei Becker auch die Tatwaffe gefunden, mit der Buback ermordet wurde. Bei den Ermittlungen zum Buback-Mord hatte es einige Ungereimtheiten gegeben. Bundespräsident Richard von Weizsäcker hatte Becker 1989 begnadigt. Wegen des neuen Prozesses wurde sie im August 2009 festgenommen; drei Monate später kam sie aufgrund ihrer Beschwerde aus der Untersuchungshaft frei.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Die neue Platte XL

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

TrendsWie sich Blogger als "Tastemaker" positionieren

Berliner Fashion Week 2017 (Deutschlandradio / Laura Naumann)

Modemagazine waren gestern. Die schnelllebige Zukunft gehört den Blogs und deren Machern, den Tastemakern und Influencern. Und jeder will ein Stück vom Kuchen abhaben, weil sich damit unter Umständen auch Geld verdienen lässt, wie Modeexperte Sebastian Schwarz sagt.

TiefseeDer Ozean als Bergwerk

Der Meeresgrund ist voller Rohstoffe. Vor allem die mineralischen Ressourcen sind spannend für uns, denn die sind knapp und wir brauchen sie für Hightechgeräte wie unsere Smartphones. Staaten, Forscher und Unternehmen prüfen schon lange die Möglichkeiten des kommerziellen Tiefseebergbaus.

SimbabweHoffen auf ein Ende der Ära Mugabe

Simbabwes Präsident Robert Mugabe mit seiner Frau Grace beim Parteitag der ZanuPF. (AFP/Jekesai Nijikizam)

Simbabwe ohne Präsident Robert Mugabe? Für viele Menschen ist das kaum vorstellbar, denn der 93-Jährige herrscht seit der Unabhängigkeit 1980 autoritär über das Land, will sogar noch einmal kandidieren. Er und seine Machtclique haben aber das einst florierende Land heruntergewirtschaftet. Auf der Straße formiert sich trotz massiver Repressalien immer lauter Protest.

Schulz und Merkel im WahlkampfNur Ankündigungen sind zu wenig

Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz im Gespräch auf dem EU-Gipfel am 15. Dezember 2016 in Brüssel.  (picture-alliance / Belga / Christophe Licoppe)

Ob SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz die Politik wieder streitbarer mache, bleibe abzuwarten, meint Deutschlandfunk-Chefredakteurin Birgit Wentzien. Noch fehle ihm dafür der Widerpart. Angela Merkel mobilisiere derzeit eher die parteiinternen Gegner als die eigenen Wähler.

Visual Effects bei der Oscar-VerleihungDie perfekte Illusion

Mowgli (gespielt von Neel Sethi) und Bagheera aus dem Film "The Jungle Book" (2015 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved)

Aufwändige Spezialeffekte entführen uns in fantastische Bildwelten. Fünf Filme können sich nun Hoffnungen auf einen Oscar für ihre Effekte machen. Für "Vollbild" kommentieren zwei Experten die nominierten Filme - an einem haben sie sogar selber mitgearbeitet.

Post, Drucker und KopiererLand der Papierverschwender

Der New Yorker Jim Kavanaugh meint: Hey, ihr Deutschen recycelt wie die Weltmeister, aber warum verbraucht ihr immer noch so schrecklich viel Papier?

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Washington  Trump kommt nicht zum Korrespondenten-Dinner | mehr

Kulturnachrichten

Gabriel drängt zu schneller Entscheidung im Fall Yücel  | mehr

Wissensnachrichten

Geld  Alte Ein-Pfund-Münze bald nutzlos | mehr