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In Passau steht das Wasser so hoch wie nie zuvor

Soldaten sollen die Fluten dämmen

Häuser in der überfluteten Altstadt von Passau
Häuser in der überfluteten Altstadt von Passau (picture alliance / dpa / Armin Weigel)

Die Wassermassen in Süd- und Ostdeutschland lassen historische Pegelstände in den Fluten versinken. In Passau steht das Wasser so hoch wie nie. Viele weitere Städte haben Katastrophenalarm ausgerufen. Soldaten eilen den Flutopfern zur Hilfe. Morgen will sich Kanzlerin Merkel ein Bild von der Lage machen. Die EU-Kommission kündigte Hilfen in Milliardenhöhe an.

Dauerregen, dramatisch anschwellende Flüsse und kein Ende in Sicht: In den Hochwassergebieten im Osten und Südosten Deutschlands verschärft sich die Lage weiter. Mehrere Städte und Kreise in Bayern, Thüringen und Sachsen haben Katastrophenalarm ausgerufen, Tausende Flutopfer wurden bis in die Morgenstunden aus überschwemmten Arealen in Sicherheit gebracht. Der Zugverkehr auf Nah- und Fernstrecken ist in mehreren Bundesländern erheblich gestört. Auf dem Rhein wurde die Schifffahrt vielerorts eingestellt.

Ein Krisenstab aus Innenministerium, Verteidigungsressort, Finanzministerium und Bundeskanzleramt beobachtet die Lage in den Hochwassergebieten fortlaufend. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will laut Regierungssprecher Steffen Seibert am morgigen Dienstag in die von den Fluten betroffenen Gebiete reisen, um sich einen Eindruck von der Situation zu verschaffen. Bei der Jahrhundertflut von 2002 stand schon ihr Amtsvorgänger Gerhard Schröder (SPD) auf den Deichen. Beobachter sehen die Elbeflut als entscheidendes Moment hinter dem späteren Wahlsieg Schröders an.

In Passau stehen die Altstadt und große Teile des Zentrums unter Wasser. Am Morgen wurde dort an der Donau der historische Wasserstand von 12,20 Metern überschritten, teilte der Hochwassernachrichtendienst im Bayerischen Landesamt für Umwelt in Augsburg mit. Das bisherige Jahrhunderthochwasser von 2002 hatte einen Pegelstand von 10,81 Metern erreicht.

Die Trinkwasserversorgung muss wegen der Gefahr von Verunreinigung eingestellt werden. 400 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Wasserwacht und Technischem Hilfswerk sind im Einsatz. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) berief gestern ein Krisentreffen ein, um über mögliche Hilfen zu beraten.

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Die Hochwasser-Situation in Passau spitzte sich am Montag dramatisch zu (Foto: picture alliance / dpa / Armin Weigel)

Evakuierungen in Zwickau

Katastrophenalarm gab es auch in der Stadt Rosenheim, den bayerischen Landkreisen Miesbach, Rosenheim und Berchtesgadener Land sowie in Sachsen der Kreis Leipzig und die Städte Zwickau und Chemnitz. Fußball-Drittligist RB Leipzig hat sein geplantes Fanfest am Abend abgesagt. In Rosenheim wurden erste Stadtteile evakuiert, in Chemnitz trat der gleichnamige Fluss über die Ufer und überschritt kurzzeitig die Schwelle der Hochwasser-Alarmstufe 4. Für die Zwönitz galt schon die höchste Alarmstufe. In Zwickau begann die Evakuierung eines Ortsteils. Das Wasser der Mulde war dort nur noch wenige Zentimeter von der Dammkrone entfernt.

Am Montag verschaffte sich auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) einen Überblick über die Lage in Sachsen. In Zwickau und Grimma traf er Bundespolizisten, die in der Region mit Booten und Sandsäcken im Einsatz sind. In Glauchau besucht Friedrich zudem Bundeswehrsoldaten, die dort Unterstützung leisten.

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Notunterkünfte in Zwickau (Foto: picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)

Kräftige Regenfälle sorgen für steigende Pegel

In Sachsen sind nach Angaben des dortigen Umweltministeriums die Rückhalteräume einiger Talsperren nahezu voll. In Thüringen verlagert sich das Hochwasserproblem vom Westen in den Osten. Wegen kräftiger Regenfälle schwellen nun die Weiße Elster und die Pleiße rapide an.

Nach Angaben von Rettungskräften und Polizei in Baden-Württemberg trat auch der Neckar bei Tübingen über die Ufer. In Reutlingen wurden zwei Menschen vermisst - sie könnten in die Echaz, einem Neckarzufluss, gefallen sein. Im Nachbarort Gönningen trat die Wiezaz über die Ufer und überschwemmte die Produktionsanlagen einer Firma, eine Schule und eine Turnhalle. Auch in Sachsen-Anhalt blieb die Hochwasserlage kritisch. An den Pegeln Camburg und Naumburg an der Saale sowie Oberthau an der Weißen Elster gilt weiter die höchste Warnstufe 4. Auf weiten Strecken von Rhein, Main und Neckar wurde die Schifffahrt wegen des Hochwassers gestoppt. Am Mittelrhein wurden weitere Überschwemmungen erwartet.

Bundeskanzlerin Merkel sicherte den vom Hochwasser am stärksten betroffenen Ländern die "volle Unterstützung" der Bundesregierung zu. Wenn nötig, sei auch ein Einsatz der Bundeswehr möglich, sagte Merkel nach Angaben eines Regierungssprechers. Im bayerischen Berchtesgaden waren laut Bundesverteidigungsministerium 100 Soldaten im Kampf gegen das Hochwasser im Einsatz, auch im sächsischen Landkreis Zwickau halfen Soldaten.

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Die Fluten überspülen auch Teile von Prag (picture alliance / dpa / EPA / Filip Singer)

Moldau droht Prager Altstadt zu überfluten

Das Hochwasser trifft auch Tschechien, Österreich und die Schweiz. In Tschechien droht die Moldau die Prager Altstadt zu überfluten. Ein Wochenendhaus bei Prag stürzte über dem matschigen Untergrund ein, zwei Menschen starben. In den beiden Alpenländern wurden Straßen und Eisenbahnlinien überflutet oder von Hangrutschen unterbrochen. Besonders stark betroffen war der an Bayern grenzende Innkreis in Österreich. Die Ortschaft Ettenau wurde evakuiert, nachdem die Salzach über die Ufer getreten war. In St. Johann im Pongau bei Salzburg wurden drei Arbeiter von einem Murenabgang überrascht. Einer von ihnen wurde mitgerissen und starb.

Am Morgen sagte der Deutsche Wetterdienst weiteren zum Teil kräftigen Regen voraus. Für Südbayern und das Erzgebirge wird vor starken Unwettern gewarnt.


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Mehr zum Thema auf dradio.de

Sollbruchstellen im Kanal vermindern Überflutungsschäden - Dresden muss sich gegen Starkregen wappnen


Weitere Informationen zum Thema:

Länderübergreifendes Hochwasserportal" - Eine gemeinsame Initiative der deutschen Bundesländer

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr

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